Im Fall der H. Erne Metallbau AG, die Ende September Konkurs ging, kommt Bewegung: Das Amtsblatt des Kantons Aargau hat den Schuldenruf publiziert. Die Gläubiger der ehemaligen Leuggermer Traditionsfirma sind damit aufgerufen, «ihre Forderungen und Ansprüche unter Beilage der entsprechenden Beweismittel» bis zum 11. Dezember anzumelden. Ebenso wie die Schuldner, die im Unterlassungsfall mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen müssen.

Fest steht nun auch, dass das Konkursamt Brugg den Konkurs nicht selbst abwickeln wird. Als ausserordentlicher Konkursverwalter soll die auf Insolvenzverfahren spezialisierte Transliq AG eingesetzt werden. Die Gläubigerversammlung vom 30. November in Bad Zurzach wird dies allerdings noch absegnen müssen.

Komplexes Verfahren

«Wir stossen an unsere Kapazitätsgrenzen», begründet Roland Laube, der zuständige Konkursverwalter, den Schritt. «Wir haben mit der Liquidation der ZKD Büromöbel AG aus Kleindöttingen erst kürzlich ein riesiges Verfahren geführt», sagt er (die az berichtete). «Im Fall der Erne Metallbau kommt noch die Komplexität dazu.» Das Metallbauunternehmen war an einigen Baustellen in diversen Kantonen tätig, auch in der Welschschweiz. «Wir wollen den Konkurs speditiv abwickeln», fügt Laube an.

Die Transliq ist seit Beginn des Verfahrens involviert: «Wir haben sie etwa für Baustellenabrechnungen zugezogen», sagt Laube. Die grösste Baustelle war jene beim Walliser Pumpspeicherkraftwerk Nant de Drance. Dieser Auftrag bracht der Erne Metallbau, die beim Jahrhundertbauwerk als Subunternehmer mit bis zu 60 Schweissern und Monteuren tätig war, wegen einer Millionen-Fehlkalkulation letztendlich das Genick.

Spezialisten zugezogen

«Wir haben bei der Inventaraufnahme auch wieder Spezialisten zugezogen, um beispielsweise die Bestandesaufnahme auf den Baustellen vorzunehmen und die Maschinen zu schätzen», sagt Insolvenzspezialist Philipp Possa von der Transliq AG. Dazu kamen Verhandlungen mit den Bauherren, welche an einem möglicht nahtlosen Fortgang der Arbeiten interessiert sind.

Die Transliq wird den Verkauf der Erne-Metallbau-Liegenschaft in Leuggern wenige Tage vor dem Konkurs beleuchten. «Wenn so etwas passiert, wird das jeder Konkursverwalter genau anschauen», sagt Possa. Ebenso würden generell allfällige Vermögensverschiebungen vor einem Konkurs geprüft.

Liegenschaftsverkauf kurz vor Konkurs

Wie die az berichtete, hatte der Erne-Metallbau-Verwaltungsratspräsident Werner Marti, ehemals Preisüberwacher und Glarner Nationalrat und heute Billag-Verwaltungsratspräsident, die Liegenschaft mit seiner J&W Verwaltungs AG (Glarus) für 4,5 Millionen Franken übernommen. Eine Schätzung von 2008 hatte noch einen Verkehrswert von 6,165 Millionen Franken ausgewiesen.

Marti hatte mit dem Kauf den Start einer Auffanggesellschaft erleichtern wollen. Erne-Metallbau-Besitzer Andreas Lütschg wollte für diese bis 25 Mitarbeiter weiterbeschäftigen, konnte sich dann aber nicht bei der Übernahme des Inventars der Firma mit dem Konkursamt nicht einigen. Die finanziellen Vorstellungen gingen weit auseinander. Es ging um einen sechsstelligen Betrag.

Die H. Erne Metallbau AG geht in Konkurs (30.09.2016)

In Leuggern verlieren 70 Angestellte ihren Job. Die Traditionsfirma Erne Metallbau AG hat diese Woche beim Bezirksgericht ihre Bilanz deponiert.