Antworten die Kinder und Jugendlichen mit einem lauten «Jaaa», geht die Hetzjagd los. «S Lächerli» und «s Brieggerli» - zwei Fasnachtsfiguren, die 1874 von der «Gesellschaft der ledigen Knaben» geschaffen wurden - jagen die Kinder und Jugendlichen die Gassen hoch Richtung Altstadt, wo ein munteres Treiben beginnt.
Die Kinder dürfen die Räbehegel mit Chabisstorzen bewerfen - aber nur von hinten. Dafür ist auf den Rücken der Räbehegel extra eine Zielscheibe aufgemalt. Die meisten Würfe gehen daneben, doch hie und da trifft doch einer ins Schwarze. Jubelt er zu lange und vergisst, sich in Sicherheit zu bringen, setzt der Räbehegel dem Storzewerfer nach und versetzt ihm - sofern er nahe genug heran kommt - einen leichten Peitschenhieb.
Hetzjagd und Triumphzug
So geht es hin und her, das Städtli hinauf und hinunter, bis eine Seite - meist sind es die Räbehegel - müde ist und eine Pause einlegt. Nach der Stärkung im Restaurant gehts von neuem los: Storzen fliegen, Peitschen knallen, spitze Schreie gellen durchs Städtli Klingnau. Als Uneingeweihter könnte man glauben, es gehe um Leben und Tod.
Letztlich aber ist es ein Gaudi für beide Seiten, das nach einer Stunde mit einer gemeinsamen Betteltour von Gewerbebetrieb zu Gewerbebetrieb fortgeführt wird. Was die Kinder nach lang anhaltendem, ohrenbetäubendem Schreien geschenkt bekommen, wird in einen Leiterwagen gepackt, in einem Triumphzug zum Kirchplatz gefahren und dort verteilt.
Die mitgebrachten Säcke werden gefüllt mit Lebkuchen, Zältli, Gummibärchen und anderen Süssigkeiten.
Den Abschluss der ersten und wichtigsten Fasnachtsveranstaltung am Schmutzigen Donnerstag in Klingnau bildet jeweils das Wurstfischen beim unteren Brunnen. Die Räbehegel stehen auf dem Brunnenrand, befestigen Wurstzipfel an den Peitschenenden und schwingen diese über die ausgestreckten Kinderhände. Dabei gilt die Regel: Wer den Zipfel erhaschen kann, darf ihn behalten.
Schnitzelbänke und Kinderumzug
Die Klingnauer Fasnacht wird heute Freitag fortgesetzt mit dem Schnitzelbankett im Schloss, bestritten von den «Haarspaltern», den «Glögglern» und den Schlossdohlen». Diese Gruppen sind ein zweites Mal am Montagabend in den Restaurants zu hören.
Der Dienstag gehört den Kleinen. Nach dem Fasnachtsgottesdienst und dem Weggliverteilen am Vormittag startet am Nachmittag der grosse Kinderumzug. Dieser endet mit dem Städtliwirbel rund um die Kirche.