Begegnet man in Reinach einem schwarzen Labradorhund, an einer Doppelleine von zwei Personen geführt, dann ist die Freiwillige Marlies Merz mit ihrem Sozialhund und einer Klientin der Stiftung Lebenshilfe unterwegs.
Sozialhunde sind besonders ausgebildete Tiere, die mit ihren Führern – die Ausbildner sagen bewusst nicht Hundehalter – in Alters- und Pflegeheimen, in heilpädagogischen Sonderschulen, in Kindergärten oder psychiatrischen Kliniken Einsätze leisten. Weshalb ein Sozialhund kein Besuchshund ist, erklärten die Ausbildnerin Moni Schär und die beiden Hundeführer Brigitte Stähli und Adrian Schumacher mit ihren drei Hunden dem interessierten Publikum.
Sozialhunde lösen Barrieren
Moni Schär: «Wir erleben in unserer Arbeit immer wieder, wie unsere Hunde zu Patienten, zu Behinderten, zu Demenzkranken eigentliche Brücken bauen.» Die Sozialhunde-Teams besuchen die Menschen in ihrem Umfeld, gehen mit ihnen spazieren, oder sie setzen ihre Hunde einfach zu den Besuchten hin. Der Hund ist dabei nie allein, sein Führer, dem er letztlich vertraut, ist immer dabei. So geschieht es immer wieder, dass Menschen, die in ihrer Krankheit verstummt sind, den Hund umarmen und plötzlich wieder sprechen, wieder Freude zeigen.
Als besonderes Beispiel erwähnte Moni Schär den Besuch bei einer jungen Frau, die eine völlig verkrampfte Haltung hatte. Die Physiotherapeuten hätten seit über einem Jahr daran gearbeitet, dass die Frau ihre linke Hand wieder öffne. Der Hundeführer gab ihr einen Kamm in die Rechte, sie strich damit dem Tier übers Fell. «Und plötzlich streckte sie ihre linke Hand aus und hielt den Hund fest; ein berührender Moment.»
Sozialhunde ertragen viel
Sozialhunde sind von ihrer Ausbildung her gewohnt, sich von anderen Menschen berühren zu lassen, auch ungewohnt heftige Umarmungen oder das Streicheln gegen den Strich lassen sie zu. Manchmal brauche es viel Zeit, erzählt Brigitte Stähli, «der Hund sitzt lange vor einer Patientin, blickt sie an, und plötzlich bricht das Eis».
Es seien nicht allein die Kinder, die gut auf die Tiere reagierten. Gerade demenzkranke Menschen würden plötzlich hellwach, wenn sie den Hund in ihrer Nähe spürten, erzählten die Hundeführer.
Die Einsätze sind freiwillig
Sozialhunde-Teams leisten ihre Einsätze stets freiwillig. Meist vergüten ihnen die Institutionen die Fahrspesen. «Das soll auch so bleiben», sagt Moni Schär, «wir wollen aus freien Stücken mit unseren Tieren arbeiten und nicht zum Beispiel von Krankenkassenbeiträgen abhängig werden.