Die Kontroverse um Karin Bertschi (26, Leimbach) bewegt – nicht nur innerhalb der SVP. Eigentlich hätte die Partei allen Grund, auf die mit einem Glanzresultat gewählte Grossrätin stolz zu sein.

Doch weil offensichtlich ist, dass sie den Bezirk Kulm in anderthalb Jahren wohl Richtung Wettingen verlassen wird und schon vor ihrer Nomination im privaten Kreis über ihre Umzugspläne zu ihrem Freund gesprochen hat, gab es Stunk.

SVP-Fraktionschef Jean-Pierre Gallati sagte gestern in der az: «Das ist ein klarer Fall von Wählerbetrug. Karin Bertschi ist eine intelligente Frau und erfolgreiche Unternehmerin. Sie weiss, welche Konsequenzen sie jetzt ziehen muss.»

SVP-Deal wegen Bertschi

Die neu gewählte Grossrätin und Abfallprinzessin Karin Bertschi bleibt in der SVP, muss aber ihren Sitz abgeben, wenn sie innert zwei Jahren umzieht.

Also ein rascher Rücktritt von Karin Bertschi? Bei einer Krisensitzung unter Moderation von SVP-Kantonalpräsident Thomas Burgherr und im Beisein von Bezirksparteipräsident Martin Sommerhalder in Staufen am späten Samstagnachmittag haben Gallati und Bertschi folgende Einigung erzielt: «Sollte Karin Bertschi innerhalb der nächsten zwei Jahre (ab dem Versand der Wahlunterlagen am 1. Oktober 2016) ihren Bezirk verlassen, legt sie ihr Mandat nieder.

Nach dieser Frist bestimmt die Parteileitung SVP Bezirk Kulm darüber, ob Karin Bertschi beim Wegzug ihr Mandat behält oder nicht. Bei einem Härtefall (familiäre Gründe etc.) vor Ablauf der Frist von 2 Jahren entscheidet die Geschäftsleitung der SVP Aargau.»

Debatte in sozialen Medien

Es ist noch nicht so lange her, da hatte die SVP-Fraktion bereits einmal Ärger mit einem Kulmer Grossrat: 2012 trat Grossrat Beat Leuenberger (Schöftland) mit grossem Getöse aus der Partei und der Fraktion aus, weil er sich wegen eines privaten Problems (Schlägerei mit der Schwester) von seinen Politikerkollegen gemobbt fühlte.

In den sozialen Medien ist der Fall Bertschi ein grosses Thema. So schreibt Thomas Meier: «Viele Leute sind total neidisch auf Karin Bertschi, darum wird nun versucht, sie schlecht zu machen.» Christoph Steiner meint: «Frau Bertschi kann wohnen, wo sie will.»

«Das habe ich nicht erwartet»: Grossrats-Newcomerin Karin Bertschi wurde vor einer Woche gewählt.

Unternehmerin Karin Bertschi setzt sich für den Umweltschutz und das Beschäftigen von Asylbewerbern ein. Das passe sehr wohl zur SVP, wie sie in einem ersten Interview mit «Tele M1» sagt.

Ein Georg schreibt: «Zurzeit ist die Dame gewählt; wenn sie den Wohnbezirk wechselt, tritt sie eben aus dem Grossen Rat aus.» Und «mw407» findet: «Bei der heutigen Mobilität wäre es allen Ernstes zu viel verlangt, dass eine Grossrätin während vier Jahren den Bezirk nicht wechseln darf.»

Patrizia Gautschi sieht es anders: «Es ist ein Affront der SVP und dem Bezirk Kulm gegenüber, direkt nach den Wahlen den Bezirk zu wechseln. Insbesondere da vor der Wahl schon bekannt war, dass Frau Bertschi mit ihrem Lebenspartner ein Haus baut.»

Bertschi im SommerTalk: «Man muss die Menschen gern haben»

«Tele M1»-Sommertalk mit Karin Bertschi in ihrem Recycling-Paradies in Hunzenschwil.

R. Sommerhalder widerspricht: «Es ist nur zu hoffen, dass die SVP-Bezirkspartei Kulm ‹hart bleibt› und weiterhin die erfolgreiche und intelligente Grossrätin Karin Bertschi unterstützen wird.»

Ein Blick vor die Wahlen: Recycling-Königin Bertschi will in die Politik

Karin Bertschi setzt sich vor allem als Besitzerin eines Recyclingunternehmens ein. Nun will sie für die SVP in den Grossen Rat.