Eigentlich wollte Petra (Name geändert) im Restaurant Post in Oberkulm nur ein Bierchen mit den Kollegen trinken und dann wieder nach Hause zu ihren Kindern. Doch der Abend endete mit 2,64 Promille und ihrem Auto im Kiesbett.

«Normalerweise trinke ich gar keine Schnäpse, aber an diesem Abend wurden es einige zu viel», sagte die fünffache Mutter vor dem Bezirksgericht Kulm. «Appenzeller» sei es gewesen. Wie viel genau, wisse sie heute nicht mehr. Die Erinnerung setzte im Verlauf des Abends aus.

«Den Autoschlüssel habe ich der Sicherheit wegen extra einer Freundin gegeben, doch weil diese früher nach Hause wollte, gelangte der Schlüssel unverhofft wohl wieder in meine Hände», erklärte sich Petra, die mittlerweile von ihrem Mann getrennt lebt. Wie sie in ihr Auto und vom Parkplatz auf die Hauptstrasse kam, kann sich Petra heute nicht mehr erklären. Nach eigener Aussage setzte ihr Verstand erst wieder im Kiesbett ein.

Nur 800 Meter bis nach Hause

Weit gekommen ist Petra, die nur etwa 800 Meter vom Restaurant Post entfernt wohnt, zum Glück nicht. Nach 30 Metern auf der Hauptrasse endete die Alkohol-Fahrt am Strassenrand in ebenjenem Kiesbett, aus dem sie von der Polizei herausgeholt werden musste. Die Beamten nahmen die Betrunkene zur Blutentnahme mit. Das Ergebnis: mindestens 2,64 Promille.

«Bei so einem hohen Blutalkoholgehalt würden einige nicht mehr gerade stehen können», sagt Gerichtspräsidentin Yvonne Thöny Fäs. Auch die Angeklagte gab an, sie sei selber erschrocken, als sie das Testergebnis erfahren habe.

Eine Wiederholungstäterin

Die Teilzeit-Serviertochter, die ohne Verteidiger vor Gericht erschien, ist keine Alkoholikerin. Zu diesem Schluss kam zumindest das verkehrspsychologische Gutachten. «Ich brauche keinen Alkohol, nur in Gesellschaft trinke ich gern. Da bin ich gesellig und habe es lustig. Süchtig bin ich nicht», sagte die Angeklagte, die ihren Fahrausweis für immerhin anderthalb Jahre abgeben musste.

«Ich habe es übertrieben»

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Petra betrunken ans Steuer setzte. Bereits in den Jahren 2000 und 2009 war die gelernte Charcuterie-Verkäuferin wegen Trunkenheit am Steuer zu bedingten Geldstrafen verurteilt worden.

Petra zeigte vor Gericht Reue: «Ich habe es wirklich übertrieben. Die letzten Geschehnisse haben mir aber jetzt die Augen geöffnet. Das war ein Weckruf für mich. In Zukunft werde ich das Auto nie mehr mitnehmen», gab sie zu Protokoll und das Gericht schenkte ihren Worten Glauben.

Die Einsicht der Angeklagten war neben der nur sehr kurzen zurückgelegten Strecke der Hauptgrund, warum das Gericht trotz des klaren Sachverhalts und gleichartiger Vorstrafen zu einem vergleichsweise milden Urteil kam: 360 Tagessätze zu je 60 Franken, bedingt bei einer Probezeit von drei Jahren.

Bleibt Petra drei Jahre unauffällig, muss sie lediglich eine für ihre Verhältnisse schmerzhafte Busse von 2400 Franken und die Kosten des Verfahrens bezahlen. Der Staatsanwalt hatte nur eine Probezeit von zwei Jahren beantragt. Das Gericht verlängert sie auf drei Jahre – damit die Verurteilte weiss, was es geschlagen hat.

Petra akzeptierte das Urteil und verliess umgehend den Gerichtssaal. Sie stieg auf ihr Velo und fuhr davon.