Kreisschule Homberg
Aktualisiert am 10.02.12, um 06:32 von Peter Siegrist
 

Er stellte den Schulbetrieb ins Zentrum

Walter Mächler blickt auf sieben Reinacher Jahre zurück. Peter Siegrist
Schulleiter Walter Mächler, ein Macher und Mediator, geht in Pension. Die Kreisschule Homberg verliert mit ihm den Mann, der die 2005 erst auf dem Papier organisierte Kreisschule in die Realität umsetzte. von Peter Siegrist
 

So wie auf diesem Bild haben die Lehrerinnen und Lehrer der Kreisschule Homberg ihren Schulleiter eher selten bis nie gesehen. Walter Mächler band sich stets eine Krawatte um, und diese in Farben und Mustern dezent, aber variantenreich. Die Krawatte wurde zu seiner Marke, und sie trug ihm bei der Lehrerschaft auch bald einmal den netten Spitznamen «Krawa» – Krawatten-Walter – ein.

Jetzt geht Walter Mächler nach sieben Jahren als Schulleiter der Kreisschule in Pension. Und als Zeichen «des Ablösungsprozesses» wie er sagt, erschien er zum Zeitungstermin ohne Krawatte. Hört man auf seinen Nachfolger Christian Gantenbein, so erfährt man: «Walter Mächler überlässt mir eine gut organisierte und funktionierende Schule.»

Kreisschule in Realität umsetzen

Persönlich

Walter Mächler (65) hat als erster Schulleiter von 2005 bis 2012 die neu gegründete Kreisschule Homberg geleitet. Er arbeitete vorher als Primarlehrer im Michelsamt, war für den Luzerner Lehrerverein tätig und in der Schulwelt gut vernetzt. Als Schulleiter und Inspektor im Kanton Luzern hatte er bereits Erfahrungen, auf die er in Reinach bauen konnte. Walter Mächler ist verheiratet und wohnt in Sursee. (psi)

Der Luzerner Walter Mächler war 2005 von Sursee nach Reinach gekommen und hat mitgeholfen, die erst auf dem Papier organisierte geleitete Kreisschule in die Realität umzusetzen. Und er hat es in der Position des ersten Schulleiters der Kreisschule Homberg geschafft, die Schule zu konsolidieren.

Dies ist keine Selbstverständlichkeit, wie ein Blick auf andere Schulen im Kanton zeigt, wo der Übergang zur geleiteten Schule nicht ohne Reibungsverluste oder vorzeitiges Auswechseln von Schulleitern vor sich ging.

Mit allen Lehrern ein Gespräch

Sekundar- und Realschulen an drei Standorten und eine Bezirksschule erstmals unter einer Leitung zusammenzufassen und zu führen ist kein Pappenstiel. «Die Schulpflege gab mir eine Vorlaufzeit von fünf Monaten», sagt Mächler. «Als Mann, der aus der Schulpraxis kam, wurde ich von der Lehrerschaft und der Behörde akzeptiert.»

Diese Eigeneinschätzung tönt jedoch etwas gar bescheiden. So ist denn aus dem Umfeld von Mächlers Schulhausleitern zu erfahren, dass Mächler nicht nur «ein grosser Schaffer» war, sondern dass er von Beginn an aufs Team gesetzt habe und mit sämtlichen Lehrerinnen und Lehrern ein Gespräch führte, weil er alle kennen wollte. Mächler habe Neuerungen schrittweise eingeführt und die Schritte jeweils sauber abgeschlossen. Er habe den Kontakt zu den Lehrern gesucht, habe zwischen möglich und unmöglich unterschieden und möglichst auf einen Konsens hingearbeitet.»

Walter Mächler gibt den Ball zurück, wenn er erklärt, er habe auf ein kompetentes Schulhausleiterteam zählen können. «Wir haben uns auch menschlich als Gemeinschaft wahrgenommen.» Was natürlich nicht heisst, dass es in den vergangenen Jahren nicht zu harten, sachlichen Diskussionen gekommen sei. «Für mich standen immer der tägliche Unterricht und der Schulbetrieb im Zentrum», sagt Mächler. Diesem musste sich alles andere unterordnen.

Weil Walter Mächler schon Leitungserfahrung aus dem Kanton Luzern mitbrachte, war ihm von Anfang an eines klar: «Will ich die Lehrerschaft mit im Boot haben, dann muss ich Reformen massvoll angehen.» Dieses Credo hat Mächler gelebt und mit Behörden und Lehrerschaft, mit Schülern und Eltern einen anständigen und pragmatischen Umgang gepflegt.

Kreisschulmodell hat sich bewährt

Das zweistufige Modell mit Gesamtschulleiter und Schulhausleitern habe sich bewährt sagt Mächler. Als Schulleiter habe er ganz neue Aufgaben übernommen, sei zuständig gewesen für die Finanzen, sei die Schnittstelle gewesen zu den Behörden. «Dass ich darum die Wünsche der Lehrer nach mehr Präsenz in den Schulhäusern nicht erfüllen konnte, das weiss ich.»

Häufig hatte Mächler auch die Rolle des Mediators inne, wenn es zu Schwierigkeiten mit Schülern kam oder zu Straffällen. Das sei manchmal schon belastend gewesen.

«Aber ich sage ganz klar, ich bin jeden Tag gern nach Reinach gekommen und war immer motiviert für meine Arbeit.» Jetzt unterstützt Walter Mächler noch für vier Wochen als Berater seinen Nachfolger, bevor er dann seine Zelte in Reinach ganz abbricht.

Zeit für die Familie

«Ich bin offen für Neues», erklärt Mächler. Die Vorstellung von 100 auf 0 hinunter zu fahren, bereite ihm keine Sorgen. Freundschaften blieben bestehen und im übrigen freue er sich darauf, mehr Zeit zu haben für seine Familie und damit auch für die beiden Enkelkinder.

Der passionierte Fischer wird bald mehr am See anzutreffen sein. Reisen in Europa und der vermehrte Besuch kultureller Veranstaltungen stehen auch auf seiner Wunschliste. «Pensionierungsangst habe ich keine», sagt Mächler, und eine Krawatte wird er sich künftig auch nicht mehr alle Tage umbinden.

(az)
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