Es war nur eine kurze Meldung, aber eine mit einer langen Geschichte dahinter: Ende 2016 wurde die Schützengesellschaft Schlossrued aufgelöst. 141 Jahre nachdem sie gegründet worden war. Offenbar fehlte es an Mitgliedern und an Nachwuchs, der Präsident will sich nicht äussern dazu.

Damit ist die Schützengesellschaft Schlossrued nicht alleine. Im letzten Jahr lösten sich auch die Schützengesellschaften Teufenthal und jene in Villnachern auf, weil sie zu wenig Mitglieder hatten. «Es ist sehr schade, dass sich Schützenvereine auflösen», sagt Victor Hüsser, Präsident des Aargauer Schiesssportverbands. Oft mangelt es den Vereinen an Mitgliedern, dafür nennt Hüsser verschiedene Gründe: «Zum Teil ist die politische Lage mit Kriegen in der ganzen Welt verantwortlich. Zudem werden unsere Sportgeräte immer wieder von der Presse als Waffen bezeichnet.» Das schrecke viele Leute ab, in die Vereine einzutreten. «Die Jugendlichen werden von ihren Eltern zum Teil abgehalten, bei uns mitzumachen.» Um neue Mitglieder zu finden, wurde nun das Projekt «Zwinky» ins Leben gerufen (s. Box).

Schützenhaus verschenkt

Jetzt also ist Schluss für die Schützen in Schlossrued. Die Schützengesellschaft hat die Parzelle mit der Nummer 692 mit Schützenhaus sowie die Parzelle 213 mit Scheibenstand der Gemeinde Schlossrued geschenkt. «Die automatische Trefferanzeige sowie die Schiesstunnel zur Lärmbekämpfung hatte die Gemeinde für vier Scheiben gekauft, weil die Gemeinde für die Obligatorischschützen den Schiessbetrieb organisieren musste», sagt Martin Goldenberger, Gemeindeammann von Schlossrued. Für zwei Scheiben sei damals die Schützengesellschaft aufgekommen. Die Gemeinde hat dann jeweils den Service bezahlt und die Schützen haben für den Schiessbetrieb und den Unterhalt der Gebäude und Umgebung gesorgt.

Jetzt gehört die ganze Anlage der Gemeinde, dazu bekommt sie das restliche Vereinsvermögen von ein paar tausend Franken. Ein Geschenk, das auch einige Aufgaben und finanzielle Ausgaben mit sich bringt. «Die Gemeinde muss nun die Anlage zurückbauen», sagt Goldenberger. Vorerst würden die künstlichen Kugelfänge zurückgebaut und fachgerecht entsorgt. Dies wird die Gemeinde voraussichtlich zwischen 5000 und 6000 Franken kosten. «Dazu wird das Vereinsvermögen wohl reichen», sagt Goldenberger.

Scheibenstand, Schiesstunnel und Trefferanzeige werden vermutlich vollständig zurückgebaut. «Das Schützenhaus aber lassen wir stehen, ist es doch ein Zeitzeuge und ein schmuckes Häuschen», sagt Martin Goldenberger. Die Nutzung jedoch sei noch offen und gestalte sich schwierig, da das Schützenhaus ausserhalb des Baugebiets liege und deshalb nicht beheizt werden könne.

60 000 Franken für Altlasten

Weitaus mehr Kosten wird die Altlastensanierung für die Bleiansammlungen beim Scheibenstand und das Quecksilber beim Schützenhaus verursachen. Die Gemeinde wird ein spezialisiertes Büro beauftragen, eine Offerte und einen Zeitplan auszuarbeiten, um diese danach der Gemeindeversammlung unterbreiten zu können. Martin Goldenberger rechnet mit Kosten von rund 200 000 Franken. «70 Prozent davon bezahlen Bund und Kanton, also müsste die Gemeinde rund 60 000 Franken übernehmen», sagt er. Kosten, die sowieso entstanden wären, egal was mit der Schützengesellschaft passiert wäre.

Damit die Schützen das Obligatorische trotzdem noch absolvieren können, habe man sich mit der Gemeinde Schmiedrued geeinigt: Die Schlossrueder Obligatorischschützen dürfen künftig auf dem Scheibenstand in Walde schiessen. Martin Goldenberger fügt an: «Selbstverständlich sind dem Schützenverein in Walde auch Schützen aus Schlossrued für das Vereinsleben herzlich willkommen.»