Sie sind Primarschullehrerin, wie sind Sie zum Malen und zur Kunst gekommen?
Ruth Jordi: Wahrscheinlich so, wie jemand anderes zum Sport kommt oder zur Musik. Irgendeinmal entdeckt man etwas, das einem Spass macht und dann pflegt man es. Ich habe schon als Kind oft und gerne gemalt.
Was gefällt Ihnen am Malen am besten?
Das ist schwierig zum Sagen. Einerseits ist es die Tätigkeit selbst. Das Malen, bei dem ich abschalten und alles vergessen kann. Andererseits ist es das Schöpferische. Etwas ganz Eigenes kreieren ohne Vorgaben und ohne Wertung.
Dann malen Sie lieber abstrakt, als dass Sie etwas abzeichnen?
Jetzt schon. Aber auch ich habe mit Blumensträussen und Landschaften angefangen. Irgendwie muss man ja anfangen. Den ganzen Prozess, den die Kunststudenten in ein paar Jahren durchlaufen, habe ich einfach auf viele Jahre ausgedehnt. Ich habe mir mein Können sozusagen modulartig angeeignet.
Und jetzt gehen Sie ganz in der abstrakten Kunst auf?
Auch wenn es am Anfang nicht so aussah, hatte ich schon immer einen Hang zum Abstrakten.
Hat sich ihr Malstil über die Jahre dennoch verändert?
Ja gewiss. Ich habe viele Stationen durchlaufen und alles Mögliche ausprobiert, bis ich bei der Acrylmalerei landete. Schon lange verwende ich Druckerzeugnisse aus Zeitungen oder Zeitschriften. Anfangs Collage-artig als Farbflächen und in letzte Zeit auch als Schrift. Das extremste Beispiel ist das Bild «Irgendetwas ist immer wahr», welches nur aus Schlagzeilen besteht.
Wieso haben Sie dieses Bild gemacht? Es enthält ja nicht viele malerische Elemente.
In einem Buch für Kalligrafie war ein Fels abgebildet, der irgendwo in Skandinavien steht und von oben bis unten beschrieben war. Jeder, der dort vorbei kam, hat etwas dazu beigetragen. Das gefiel mir so gut, dass ich auch so etwas machen wollte. Dies brachte mich auf die Idee, Zitate aus der Zeitung zu nehmen.
Gab es irgendwelche Kriterien, wann eine Schlagzeile in Ihr Bild aufgenommen wird und wann nicht?
Ich wollte nicht, dass die Aussagen ereignisgebunden sind. Sie sollten untereinander kombinierbar sein. Es ist letztlich einfach eine Spielerei, denn jeder kann sich auf unzählige Arten durch das Bild lesen, und es zeigt sich, dass irgendetwas immer wahr ist.
Ihre Ausstellung im Schlossgarten heisst, getreu Ihrem aktuellen Stil, in dem Sie oft Schriften im Bild integrieren, Schrift-Bilder. Wie kam es, dass sie hier ausstellen?
Der Schlossgarten stellt all halb Jahr einen neuen Künstler aus. Dafür kann sich jeder bewerben. Ich glaube man muss nicht besonders gut sein. Irgendwann kommt man dann an die Reihe.
Wieso stellen Sie nicht in einer Galerie aus?
Für mich ist es hier diskreter, als in einer Galerie. Die Bilder fügen sich in einen belebten Raum ein und werden oft auch von Passanten wahrgenommen. Das heisst aber nicht, dass ich nicht auch in einer Galerie ausstellen würde. Das habe ich ja auch schon gemacht.
Sie sagen, man muss nicht besonders gut sein. Sind Sie nicht überzeugt von Ihren Bildern?
Am einen Tag schon, am nächsten Tag nicht mehr. Diese Zweifel haben auch ganz grosse Künstler. Das gehört wohl dazu. Ich mache nicht richtige Kunst. Ich zähle mich zu den Hobbykünstlerinnen.
Was heisst «richtige» Kunst?
Anerkannte Kunst ist viel intellektueller und auch radikaler. Dazu habe ich weder das Können noch den Mut.
Zurück zu Ihrer Ausstellung. Was bedeutet es Ihnen, hier in Schöftland auszustellen, wo Sie wohnen und arbeiten?
Es ist schön, zu zeigen, was man gemacht hat. Ich habe einen gewissen Heimvorteil. Ich kenne hier sehr viele Leute. Durch die Ausstellung gibt es viele Begegnungen und Gespräche.
Nützen Ihnen diese etwas?
Ja, sie bringen mich dazu, meine Arbeit zu hinterfragen. Ich staune immer wieder, wenn ich höre, wie andere meine Bilder sehen, das regt an.
Verdienen Sie als Hobbykünstlerin Geld mit dem Malen?
Ich verkaufe die Bilder zwar, verdiene aber nichts dabei. Deshalb arbeite ich auch immer noch 100 Prozent und male als Hobby. Am Anfang hatte ich Mühe damit, meine Bilder zu verkaufen. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt. Schliesslich ist es eine grosse Ehre für mich, wenn jemand ein Bild von mir haben möchte. Und es tut gut, etwas wegzugeben, das schafft Platz für Neues.
Wie geht es weiter, wenn die Ausstellung im Schlossgarten Ende März vorbei ist?
Dann gibt es zuerst wieder eine Pause. Es reicht mir, wenn ich alle vier bis fünf Jahre ausstellen kann. Für mich ist es gut, so wie es ist. Ich muss nicht produzieren, sondern kann mir schön Zeit lassen. Ideen entwickeln sich auch, wenn ich nicht male.