Menziken
Aktualisiert am 11.02.12, um 15:20 von Aline Wüst
 

Diese Frauen haben keine Angst vor dem letzten Zuhause

Rosmarie Erpelding (85), Katharina Brand (82) und Erika Hess (87) kümmern sich ums Altwerden. WUA
Die sechs alten Damen essen Kuchen und trinken Kaffee. Unspektakulär eigentlich. Doch diese Frauen sind vielen eine Nasenlänge voraus. Ihnen wird der Wechsel ins Altersheim leicht fallen – es ist bereits alles geregelt. von Aline Wüst
 

Statt immer älter zu werden und am eigenen Haus mit Garten festzuhalten, machten sie sich schon früh Gedanken übers Altern. «Irgendwann muss man das eigene Haus verlassen. Ich nehme das lieber selber in die Hand, als über mich bestimmen zu lassen, sagt die 85-jährige Rosmarie Erpelding.

Keine Selbstverständlichkeit, wie Rosmarie Gerber, Leiterin der Altersresidenz sagt. Doch wie plant man das Wohnen im Alter und wann wechselt man ins Altersheim? Auf Anfrage der az Aargauer Zeitung lud Rosmarie Geber sechs Damen ein zu einem Gespräch übers Wohnen im Alter.

Sicherheit im Rücken

Alle sechs Frauen leben in Alterswohnungen in der Nähe des Falkensteins. Eigenständig. Sie kennen sich – die einen sind Freundinnen andere flüchtige Bekannte.

Was sie verbindet? «Wenn es einen Chlapf gibt und nichts mehr geht, dann sind wir auf der sicheren Seite», sagt Eva Oppliger. Denn die Bewohnerinnen der Alterswohnungen bekommen bei Bedarf alle Hilfe, die sie brauchen. Eva Oppliger und ihre Schwester Sila Rietmann leben im Rötelirain. Sie haben erlebt, wie es ist, wenn plötzlich nichts mehr geht. «Darum fühlen wir und gut mit dieser Sicherheit im Rücken», sagt ihre Schwester und die anderen am Tisch nicken. Denn sie alle wissen, bedürften sie einmal Pflege, ist ihnen ein Zimmer in der Altersresidenz sicher. Davon wollen sie allerdings jetzt noch nichts wissen. Im Falkenstein sind sie nur als Besucherinnen anzutreffen.

Die Frauen kochen, waschen, putzen selber und geniessen es. Das Schlimme am Altern sei der Verlust der Selbstständigkeit, erzählen sie. Darum kochen sie selber, auch wenn sie das Essen vom Falkenstein beziehen könnten. «Das wäre wieder eine Aufgabe, die wegfällt, sagt Erika Hess (87). Etwas zu tun sei wichtig. Manchmal müsse man sich zwar richtig zwingen, erzählt die 82-jährige Katharina Brand und fügt an «aber es tut immer gut.»

Die schöne Seite vom Altsein

«Niemand lässt sich gerne pflegen», da sind sich die Frauen einig. Auf die Kinder könne man nicht zählen. «Kommt es darauf an, dann wisse man, wofür man die Kinder nicht habe», sagt Eva Oppliger. Andere widersprechen. Erika Hess erzählt, dass ihr Sohn sich aufmerksam um sie kümmere und sie auch beim Verkauf des Hauses unterstütze. «Aha, das ist dein Sohn, der immer bei dir ein und ausgeht», sagt Katharina Brand, die quirligste unter den sechs Frauen. Sie erzählt lebhaft, wie sie am Morgen alle Teppiche draussen geklopft habe. Stiller wird sie, als sie erzählt, wie sie damals ihr Haus in Menziken aufgeben musste. Wenigstens hat sie noch ihren Garten. Die Ausbeute ihres Gartens lagert im Keller – mehr als hundert Gläser Konfitüre.

Die schönen Seiten am Altern? Erika Hess erzählt, dass sie gerade eine Pelzmütze aus dem Kasten genommen habe. «Die habe ich damals im jugendlichen Übermut gekauft. Sie sei riesig, sagt sie und zeigt mit den Händen, wie gross sie sei. Aber in ihrem Alter könne sie sich erlauben, die zu tragen. «Hauptsache ich habe warme Ohren», sagt Erika Hess und muss lachen.

Geht etwas nicht mehr so einfach von der Hand, helfen sich die Frauen gegenseitig. Die alten Damen erzählen von einer Nachbarin, die oft gestürzt sei und trotzdem nicht ins Altersheim wollte. Nun sei sie gestorben und Rosmarie Gerber sagt: «Manchmal ist auch das die Lösung».

Aber wie merkt man, wann der Zeitpunkt für den Umzug in die Altersresidenz gekommen ist? «Das spürt man dann», sagt Frau De Moor. «Halt einfach, wenn es nicht mehr so gut geht», meint Rosmarie Erpelding.

Katharina Brand sagt, wenn sie dann ins Altersheim müsste, würde sie wohl mithelfen im Betrieb. «Ich würde beispielsweise wischen rund ums Haus.» Rosmarie Erpelding schaut sie an und meint: «Ich glaube, wenn man dann ins Altersheim geht, ist man nicht mehr so gut zwäg, dass man noch wischen kann.» Katharina Brand gibt ihr Recht. «Ich kann mir einfach noch gar nicht vorstellen ins Altersheim zu gehen», meint Katharina Brand seufzend und Rosmarie Erpelding sagt zu ihr: «Du musst auch noch nicht, du bist ja noch jung.»

(az)
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