Vor drei Wochen tauchten die ersten Schmierereien auf, seither werden es jeden Tag mehr. Keine Fassade ist vor den Schmierfinken sicher: Ob öffentliches Gebäude, Einfamilienhäuser, das Schulareal oder die Backsteinwände des Werkhofs – überall findet sich die gesprayten Botschaften.
Kunstwerke sind es wahrlich keine. Die Tags, wie die Schriftzüge genannt werden, richten sich gegen die USA, die Polizei und verherrlichen das Kiffen.
Wer dahintersteckt, das weiss niemand. Doch die Betroffenen nervt es gewaltig. So auch den Schöftler Gemeindeschreiber Rudolf Maurer. Geht er morgens zu Fuss zur Arbeit, traut er jeweils seinen Augen kaum.
Denn die Sprayereien scheinen sich über Nacht zu vermehren. «Was jetzt gerade im Dorf passiert, das gab es in diesem Ausmass noch nie», sagt er. Die Täter? Er glaube zwar nicht, dass sie böswillig sprayen. Aber: «Diese Schmierfinken sind schlichtweg dumm und überlegen keine Sekunde, was sie da anrichten.»
Der Joker
Betroffen von den Sprayereien ist auch das Ärztehaus an der Dorfstrasse. Das alte Gebäude wurde Anfang Woche verschmiert. Für Monique Gächter, die im alten Gebäude eine Naturheilpraxis betreibt, ist der schwarze Schriftzug an ihrer Fassade schlicht eine Katastrophe.
Gestern versuchte der Maler, die Schmierereien wegzuputzen. Erfolglos. Das Graffito muss übermalt werden. Wie viel das kostet, weiss Monique Gächter noch nicht. Sie ist genervt: «Ich bin seit 32 Jahren hier, so etwas ist in all den Jahren noch nie passiert.»
Darum hat sie, wie auch die Gemeinde, bei der Polizei eine Anzeige gegen unbekannt eingereicht. Der Polizei fehlen allerdings die Ressourcen, um Tag und Nacht auf der Lauer zu liegen, sagt Bernhard Graser von der Kantonspolizei.
Ausserdem sei es sehr schwierig, Sprayer zu überführen, sagt er. Was sich jugendliche Sprayer selten bewusst sind: Der angerichtete Schaden ist enorm. Der Gemeindeschreiber meint: «Mit ein paar tausend Franken sind die Schäden wohl nicht behoben.»
Werden die Sprayer nicht gefasst, muss für Schäden an öffentlichen Gebäuden allerdings der Steuerzahler aufkommen. Maurer hat aber noch einen Joker in der Hand gegen die Vandalen: Er will den Gemeinderäten vorschlagen, eine Belohnung für Hinweise, die zum Täter führen, auszuschreiben.
Das hat schon einmal geklappt: Vor 10 Jahren gingen in Schöftland zwei Sprayer um. Gestoppt werden konnten die Vandalen erst, als der Gemeinderat den entscheidenden Hinweis mit 500 Franken belohnte.