Suhrental/Ruedertal
Aktualisiert am 07.12.11, um 06:17 von Aline Wüst
 

Die regionale Jugendarbeit im Suhrental steckt noch in den Kinderschuhen

Die Jugend muss sich bald nicht mehr auf der Strasse treffen (Symbolbild). Raphael Hünerfauth
Lange hat es gedauert im Suhren- und Ruedertal, bis man die Vision von der gemeinsamen Jugendarbeit anpackte. Nun tut sich was: Die Gemeinden in der Region klären derzeit ab, wie die gemeinsame Jugendarbeit aussehen könnte. von Aline Wüst
 

Die Schöftler Gemeinderätin Elsbeth Kaufmann hat den Stein dieses Jahr ins Rollen gebracht, und der rollt nun munter weiter. Aktuell klärt der Soziokulturelle Animator Arsène Perroud die Bedürfnisse und Wünsche der Suhrentaler Jugendlichen ab. Der in Sachen Jugendarbeit erfahrene Perroud besuchte gestern die Oberstufe in Schöftland. Dort wollte er von den Jugendlichen wissen, was sie sich von einer Jugendarbeit wünschen und wo sie sich in ihrer Freizeit aufhalten. Obwohl Prognosen noch vage seien, wie Perroud betont, zeichne sich ab, dass die Jugendlichen sich einen Ort wünschen, um sich miteinander zu treffen.

Probleme gibt es auch ohne Treff

Ein Knackpunkt beim Projekt ist die geografische Weitläufigkeit der involvierten Gemeinden. Damit alle das bekommen, was sie sich wünschen, wurde bereits eine Bedarfsabklärung bei den Erwachsenen durchgeführt. Eingeladen waren Vertreter von Behörden, Vereinen und Kirchen. «Die Gespräche waren sehr angeregt», sagt Gemeinderätin Elsbeth Kaufmann.

Mit dabei war auch Christine Jäger, Jugendarbeiterin der reformierten Kirche Schöftland. Jäger befürwortet eine öffentliche Jugendarbeit sehr, kennt aber auch die Ängste. Ängste zum Beispiel, dass ein Jugendtreff nur Probleme berge. Die kirchliche Jugendarbeiterin ist überzeugt: «Probleme gibt es auch sonst. Wenn Probleme mit Jungen im Treff auftreten, hat man immerhin die Chance hinzuschauen, zu reden und Hilfe anzubieten.»

Kein Angebot für Jugendliche zu haben, bedeute hingegen wegzuschauen, sagt sie. Christine Jäger baut momentan in der reformierten Kirche Schöftland einen kleinen Jugendtreff auf. Das sei keine Konkurrenz zum entstehenden öffentlichen Angebot, sagt sie – eher eine Ergänzung.

Ebenfalls ins Projekt involviert ist Priska Hauri von der Jugend- und Kulturkommission Staffelbach. Sie hat selber vier Kinder, die bald ins Jugendalter kommen. Hauri wünscht sich, dass ihre Kinder ein Freizeitangebot in der Region haben. «Damit sie hier Wurzeln schlagen können», wie Hauri sagt. Sie selber hat in ihrer Jugend erlebt, dass Jugendliche, die durch Angebote der Jugendarbeit eingebunden waren, in den Gemeinden später aktiver waren.

Hauri hofft sehr, dass man das Thema Jugendarbeit regional anpacken kann. Die Schmiedrueder Behörden hingegen erhoffen sich vor allem, dass so die Jugendlichen von der Strasse wegkommen und einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung nachgehen. Allerdings ist dem Gemeinderat von Schmiedrued wichtig, dass es kein Überangebot geben soll und sich die Jugendlichen frei bewegen dürfen.

Bis jetzt kein Angebot

Klartext redet auch die Reitnauer Gemeinderätin Heidi Müller: «Wir können den Jugendlichen aktuell nichts bieten in Reitnau. Wenn wir die Jungen im Dorf behalten wollen, müssen wir ihnen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung anbieten. Mir ist aber wichtig, dass wir die Jugendlichen dort abholen, wo sie sich aufhalten», sagt sie. Darum sei eine mobile Jugendarbeit, die zu den Jugendlichen in die Dörfer gehe, zentral. Es dürfe nicht sein, dass sich das ganze Angebot für Jugendliche in Schöftland konzentriere.

Entscheid fällt erst im Sommer

Den Wunsch nach einer Jugendarbeit, die mobil ist, äussern alle angefragten Vertreter der Behörden. Unter ihnen auch Erich Hunziker, Gemeinderat von Kirchleerau. Er steht der Jugendarbeit Suhrental offen gegenüber. «Ich bin sehr gespannt, was die Bedarfsabklärung bei den Jugendlichen ergibt.» Hunziker ist aber auch realistisch. Auf dem Papier müsse es am Schluss sowohl für den Steuerzahler als auch für die Jugendlichen stimmen, sagt der Gemeinderat.

Die definitiven Auswertungen der Bedürfnisse und Wünsche der Jugendlichen werden im Januar bekannt gegeben. An den Gemeindeversammlungen im Sommer können dann alle involvierten Gemeinden darüber entscheiden, ob sie eine regionale Jugendarbeit wollen.

(az Aargauer Zeitung)
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