In Schöftland wird ein Wasserschloss gebaut. Wer jetzt an eine Festung im Stil des Schlosses Hallwyl denkt, liegt falsch. Die Pläne, die im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens aufliegen, offenbaren den Grund für den beflügelnden Namen: Die Parzelle wird von Ruederche und Suhre umflossen und in der Spitze des Geländes fliessen Bach und Fluss sogar zusammen – ein kleines Wasserschloss also. Die bevorzugte Lage hat aber einen Nachteil: Bei Hochwasser wird das Gelände oft überflutet.
Schutzobjekt grenzt an Bauland
Die Hochwassergefährdung der Baulandparzelle stellt die Architekten denn auch vor besondere Herausforderungen: Treten Ruederche und Suhre über ihre Ufer, verwandelt sich das Land in einen kleinen See. Damit ebendieser See in der künftig dort stehenden Überbauung «Wasserschloss» kein Unheil anrichten kann, muss das Gelände angehoben werden. So thront das «Wasserschloss« dann leicht erhöht und ist somit vor dem Hochwasser-See geschützt.
Gebaut wird das Wasserschloss von den von Ballmoos Krucker Architekten in Zürich. Deren Architektin, Sofie Pimentel, sieht kein Problem darin, diese Parzelle zu überbauen. «Man muss nur die notwendigen Massnahmen treffen – wie das Gelände zu erhöhen», erklärt sie. Ausserdem seien in der näheren Umgebung schon Blöcke gebaut worden. Auch diese wurden auf künstlich erhöhtem Terrain erstellt. Nicht von den Aufschüttungen betroffen ist der Bereich der Grün- und Uferschutzzone. Dort bleibt das Gelände bestehen. So können Bach und Fluss auch in Zukunft über ihre Ufer treten.
Weil die Mehrfamilienhäuser leicht erhöht gebaut werden und die Bauherrschaft, die Feldmann Immobilien AG aus Muri, nur Wohnungen und kein Gewerbe will, braucht es einen Gestaltungsplan. Dieser ist noch bis zum 7. März auf der Gemeindekanzlei einsehbar.
Kein Raum für Gewerbe
Dass nur Wohnungen und kein Raum für Gewerbe geschaffen wird, erklärt die Feldmann AG folgendermassen: «Es sei im öffentlichen Interesse auf einer der letzten Bauparzellen in Schöftland attraktiver Wohnraum in leicht erhöhter Dichte zu schaffen». Ausserdem sei es nicht sinnvoll Gewerbe anzusiedeln, weil das Gelände auf einer Insel liegt und nur über eine Brücke erschlossen sei, schreibt sie weiter.
Dass das Land eine der letzten Bauparzellen sei, sagt auch Bauverwalter Thomas Bolliger. Die Überschwemmungsgefahr taxiert er nicht hoch. «Das Gelände ist erste Sahne», beschreibt Bolliger die Baulandparzelle, die eine bewegte Geschichte hat. Bereits 2006 stand Schöftlands Bijou kurz davor, überbaut zu werden. Damals lag bereits eine rechtskräftige Baubewilligung vor. Das Land wurde dann aber samt Bewilligung an eine Berner Immobiliengesellschaft verkauft. Diese baute nicht und verkauft das Land weiter. Die heutige Eigentümerin, die Feldmann Immobilien AG, will auf der Parzelle nun Eigentumswohnungen bauen. 43 Einheiten sind geplant.
Neben der Überschwemmungsgefahr gibt es noch einen weitern Grund, weswegen bisher noch kein Investor das schöne Land überbaut hat. Der liegt am Rand der Parzelle: Dort steht die Villa Gärbi, ein altes Bauernhaus, das unter kantonalem Schutz steht. Um in der Nähe des Schutzobjekts zu bauen, muss die Bauherrschaft gewisse Richtlinien einhalten. So darf das «Wasserschloss» beispielsweise nicht zu nah am Schutzobjekt stehen.
Im geschützten Bauernhaus leben Maria-Louise Kleindienst und Wolfgang Kirisits mit ihren Kindern. «Wir sind wegen des Hauses mit Charakter nach Schöftland gezogen», sagen die beiden. Darüber, dass das Grundstück hinter ihrem Zuhause nun verbaut wird, rümpfen sie die Nase. «Hoffentlich wird das noch nicht so bald der Fall sein», sagt Kirisits. Es sei schade, findet er. Auch wegen all der Tieren, die dort wohnen: Füchse, ein Dachs, Enten und Mäuse. Und vom Hochwasser-See hinter dem eigenen Haus, davon erzählt sein Sohn heute noch begeistert.