«Wir sind nach der letzten Beurteilung des Windparkprojekts zur Auffassung gekommen, dass es schwierig bis unmöglich wird, diesen Windpark im Gebiet Kirchleerau/Kulmerau zu realisieren», sagt Paul Hürlimann, Leiter Neue Energien bei den Centralschweizerischen Kraftwerken (CKW).

Unter Einbezug der Begleitgruppe – bestehend aus Vertretern mehrerer Anliegergemeinden und Organisationen – wurde insbesondere die Machbarkeit von Windanlagen auf dem bewaldeten Fuchshubel in Triengen untersucht. Dieses ist das einzige Gebiet, das die Forderung der Bevölkerung von Triengen nach einem Mindestabstand von 700 Metern von bewohnten Gebäuden erfüllt.

«Neben technischen und rechtlichen Abklärungen wurden dabei vor allem weitere Gespräche mit direkt Betroffenen geführt», sagt Paul Hürlimann weiter. Dabei zeigte sich, dass die Akzeptanz gegenüber dem Projekt bei vielen sehr gering war. Zudem hat der neue Standort im Wald weitere Gegner aufs Tapet gerufen.

«Den Puls für das Projekt konnten wir in der Gemeinde nie richtig fühlen», sagt Kilian Sigrist, ressortverantwortlicher Gemeinderat aus Triengen. «Die Gegner waren an den Versammlungen aber immer lauter als die Befürworter.» Der Gemeinderat Triengen selbst hat das Projekt neutral begleitet, vor allem auch deshalb, weil es erst im Anfangsstadium war und es noch keine Entscheidungen zu fällen gab.»

Rückenwind im Aargau

In Kirchleerau hatte das Windparkprojekt mehr Rückenwind, wie Gemeindeammann Erich Hunziker auf Anfrage bestätigt: «Ich habe zu diesem Windprojekt bis zum jetzigen Zeitpunkt keine negativen Stimmen aus der Bevölkerung gehört.»

Er gibt aber auch zu, dass die Kirchleerauer kaum von den negativen Seiten der Anlage betroffen wären, da sie ganz am Rande des Gemeindegebiets und durch viel Wald abgegrenzt geplant war. «Ich bedaure es, dass die CKW das Projekt stoppt», sagt Hunziker. «Es wäre eine grosse Chance gewesen, erste Schritte in Richtung Energiewende 2050 einzuleiten.»

700 Meter als Hypothek

Mitentscheidend, dass die CKW die Reissleine gezogen hat, ist wohl auch der Luzerner Kantonsrat und ehemalige Gemeindepräsident von Triengen, Georg Dubach. Er war es, der im Luzerner Kantonsrat ein Postulat eingereicht hat, das einen Mindestabstand von
700 Metern von der Windanlage zu den angrenzenden Wohngebieten gefordert hat.

«Ich bin kein Verhinderer der Windkraft im Kanton Luzern», sagt Georg Dubach, «aber ich will, dass die Bevölkerung genügend Schutz vor den Anlagen bekommt.» Er sah sich zudem verpflichtet, sich für die Bevölkerung von Kulmerau einzusetzen, da er dieser das bei der damaligen Fusion mit Triengen und Wilihof so versprochen hatte. «Wenn der Abstand von 700 Metern zu Wohngebieten eingehalten ist, dann befürworte ich den Bau von Anlagen auch in unserer Region», sagt er weiter.

Die vier Windkraftanlagen auf dem Gemeindegebiet Kirchleerau und Kulmerau (je zwei pro Gemeinde) hätten dereinst rund 12,5 Mio. Kilowattstunden erneuerbaren Strom pro Jahr für rund 2800 Haushalte produzieren und einen Beitrag leisten sollen, die Ziele der bundesrätlichen Energiestrategie 2050 zu erreichen.

Daraus wird nun nichts. «Ich bedauere sehr, dass dieses für die Kantone Luzern und Aargau bedeutende Projekt der erneuerbaren Energien leider nicht realisiert werden kann», sagt Hürlimann weiter.

«Das Projekt hat uns auch aufgezeigt, dass ein frühzeitiger Einbezug der betroffenen Interessengruppen wichtig ist.» Nur im Dialog sei es möglich, Verständnis für die unterschiedlichen Perspektiven zu entwickeln.

Trotzdem ist das Windparkprojekt in Kirchleerau/Kulmerau nun Geschichte und wandert in die Schublade. Der CKW wurden unter Abwägung aller Chancen die Risiken zu gross, dass eine Weiterführung des Projekts aus dem Ruder laufen könnte.

Wie viel Geld die CKW bereits in das mit total 18 Millionen Franken budgetierte Projekt investiert hat, wollte Paul Hürlimann nicht verraten. Nüchtern betrachtet sagt er aber: «Ausser Spesen nichts gewesen.»
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