Das Drama nahm am Hauptbahnhof in Zürich am Mittwoch, 4. März 2009, gegen Mittag seinen Anfang. Daniel H. kauft Kokain und konsumiert dieses auch gleich. Plötzlich fällt ihm die zierliche Lucie auf. Sie ist gerade aus dem Zug aus Pfäffikon SZ gestiegen.
Der damals 25-Jährige spricht sie an. Er macht ihr schmackhaft, dass er von ihr Modeaufnahmen mit Schmuck machen würde. Der Arbeitslose lässt seinen Charme spielen und versucht den «Macker» rauszuhängen. Er erzählt Lucie auch, sie könne bei den Aufnahmen etwas Geld verdienen. Die Show funktioniert. Lucie begleitet ihn im Zug bis nach Baden. Dort steigen sie um auf den Bus und fahren gemeinsam zu seiner Wohnung in Rieden bei Baden.
Lucies letztes Lebenszeichen
Kurz vor 15 Uhr befinden sie sich in der Dachwohnung von Daniel H. Im Wohnzimmer sprechen die beiden über die Modeaufnahmen und trinken etwas dabei – die 16-Jährige Sirup, Daniel H. Bier.
Das Gespräch zieht sich in die Länge und dauert bis kurz vor 18 Uhr. Der 25-Jährige bestreitet, dass er in dieser Zeit sexuellen Kontakt mit dem Au-pair gehabt habe. Zudem hätten sie zu keinem Zeitpunkt Streit miteinander gehabt.
Es folgt das letzte Lebenszeichen von Lucie. Sie telefoniert mit ihrer besten Freundin. Das Au-pair erzählt ihr von den Modeaufnahmen und fragt sie, ob sie nicht auch Lust dazu hätte. Doch die Kollegin verneint.
Der Vorbestrafte meint etwas später, Lucie trage nicht die richtigen Klamotten. Sie solle ins Schlafzimmer gehen und sich umziehen. Dort fände sie passende Kleider. Diese gehörten Daniel H.s Freundin. Während die 16-Jährige sich umzieht, macht sich ihr Mörder Gedanken.
Es kamen in ihm «Fantasien hoch», wie er es bei der Einvernahme selber formulierte. Denn sein Leben gleicht einem Scherbenhaufen: Er hat seinen Job als Koch verloren, die Beziehung mit seiner Freundin steht vor dem Ende, er hat Schulden und massive Alkohol- und Drogenprobleme. Er denkt, im Gefängnis würde es ihm besser gehen. Er will dorthin zurück. Also fasst er den Entschluss, Lucie zu ermorden.
Daniel H. holt die Eisenstange einer Gewichthantel, bei der er die Gewichte abgenommen hat. Mit der Stange schlägt er mehrmals auf den Kopf seines Opfer ein. Lucie ist nach dem ersten Schlag ohnmächtig.
Da sie noch lebt, holt ihr Mörder ein Messer und durchtrennt ihr die Kehle. Nach dem Mord ruft er mit Lucies Handy einen Kollegen an, der aber nicht antwortet. Daraufhin verlässt er seelenruhig die Wohnung und lässt die Leiche zurück.
Die Leiche bleibt in der Wohnung
Doch noch in der Nacht kommt er zurück. Er bringt die Leiche ins Badezimmer, um sie zu reinigen. Er zieht sie aus und wäscht sie. Zudem reinigt er seine eigenen und Lucies Kleider. Als er damit fertig ist, putzt er die ganze Wohnung – zweimal. Wie er später selber sagt «nicht um Spuren zu verwischen, sondern einfach, damit es sauber ist». Er konsumiert zudem Alkohol und Kokain. Letztlich legt er sich schlafen, im Wissen, dass im Badezimmer Lucies nackte Leiche liegt.
Doch auch in den nächsten Tagen macht er keine Anstalten, Lucie verschwinden zu lassen. Ganz im Gegenteil, er geht seinem ganz normalen Tagesablauf nach. Er besucht seine Eltern und übernachtet sogar bei seiner damaligen Freundin in Zürich. Ihm scheint nichts heilig, er telefoniert sogar erneut mit Lucies Handy.
Doch zu einem Geständnis kann er sich vier Tage lang nicht aufraffen – es fehlt ihm der Mut. Er kehrt einige Male in seine Wohnung zurück, holt frische Kleider und verlässt das Appartement wieder. Derweil liegt die nackte Leiche im Badezimmer. Erst am Montag, 9. März 2009, fünf Tage nach seiner Tat, überwindet sich Lucies Mörder und stellt sich der Polizei in Zürich. Bei einer ersten Einvernahme zeigt er keinerlei Reue.