Über die Reise der Politiker-Gruppe mit Grünen-Regierungsrätin Susanne Hochuli und SP-Nationalrätin Yvonne Feri nach Eritrea wird viel geredet. Von der Reise selber ist aber kaum etwas bekannt, bisher berichtete einzig Hochuli in ihrer Kolumne in der «SonntagsZeitung» kurz aus Eritrea. Gestern Montag hat diese Zeitung nun Yvonne Feri erreicht, die am Sonntag in Eritrea eintraf. Sie schildert per Whatsapp ihre ersten Eindrücke. «Ich habe Gespräche geführt mit diversen Leuten. Diese erzählen sehr offen über das Land und die Politik.» Feri schreibt weiter, sie rede Englisch mit ihren Gesprächspartnern, bisher seien keine Übersetzer nötig.

Auch ohne Locher unterwegs

Die SP-Politikerin hat den Eindruck, das Land stecke in einer starken Entwicklungsphase. «Auf dieses Jahr hin wurden zum Beispiel neue Banknoten gedruckt, die alten wurden ausgewechselt.» Zudem seien die Mindestlöhne erhöht worden. Feri schickt ein Foto, das ein Dorf ausserhalb der Hauptstadt Asmara zeigt. «Hier waren wir ohne Honorarkonsul Toni Locher unterwegs.» Dass die Gruppe vom Wettinger Arzt begleitet wird, der seit 2002 im Dienst des eritreischen Regimes steht, war auf Kritik gestossen. So bezweifelten SP-Ständerätin Pascale Bruderer und die Flüchtlingshilfe, dass mit Reiseleiter Toni Locher und den Gesprächen mit der Regierung eine unabhängige Einschätzung der Lage in Eritrea möglich sei.

Jonas Fricker, Nationalrat der Grünen, kann nachvollziehen, dass seine Parteikollegin Hochuli nach Eritrea gereist ist. «Ich habe Verständnis dafür, dass jemand wie Susanne Hochuli, die tagtäglich mit dem Asylthema konfrontiert ist, sich selber ein Bild der Zustände verschaffen möchte.» Zur objektiven Beurteilung der Lage trage eine solche Reise aber nichts bei. «Dazu müsste man mit eigenen Dolmetschern Zugang zu Gefängnissen und Arbeitslagern erhalten, was in Eritrea leider nicht einmal dem Roten Kreuz erlaubt wird», sagt der grüne Nationalrat.

Anders sieht dies FDP-Ständerat und Asylpolitiker Philipp Müller. «Ich begrüsse es sehr, dass sich Politikerinnen und Politiker vor Ort ein Bild der Lage machen.» Müller wurde auch für die Reise angefragt, musste aber aus terminlichen Gründen absagen. «Wenn man wirklich einen Eindruck von den Zuständen gewinnen will, muss man zwei Wochen einsetzen, das war mir nicht möglich.» Er ergänzt, der letzte Besuch von Experten des Staatssekretariats für Migration in Eritrea sei unbefriedigend verlaufen. «Herausgekommen ist nicht viel, in ihrer Kommunikation hiess es fast durchweg, man habe Gespräche geführt, die geheim bleiben müssten.»

Hochuli und Feri «unverdächtig»

Bezeichnend findet es Müller, dass die Reise von der Flüchtlingshilfe und von linken Politikern kritisiert wurde. «Das sind genau jene Leute, die kaum Interesse daran haben, dass Flüchtlinge aus Eritrea in ihre Heimat zurückkehren.» Dabei seien Susanne Hochuli und Yvonne Feri in dieser Beziehung absolut unverdächtig, sagt Müller. «Man kann sicher nicht behaupten, dass diese zwei Politikerinnen rechte Positionen vertreten oder in der Flüchtlingspolitik eine sehr harte Linie fahren.»

Müller ist der Ansicht, dass der Bund prüfen muss, ob es möglich ist, Eritreer in ihr Heimatland zurückzuschicken. «Das ist mir ein grosses Anliegen, denn in den letzten Jahren sind Tausende von Menschen aus Eritrea in die Schweiz geflüchtet.» Viele werden als Flüchtlinge anerkannt: 2014 waren es 52,5 Prozent, im letzten Jahr immer noch 37,7 Prozent. Müller weist darauf hin, dass diese Quote höher ist als bei Syrern, wo seit Jahren ein Bürgerkrieg tobt. «Dazu wurden 2015 weitere 32,6 Prozent der Eritreer vorläufig aufgenommen – diese Praxis wirft bei mir Fragen auf», sagt der FDP-Ständerat.