Bräuchte es noch einen Beweis, dass das Handy für viele Nutzer eine Herzensangelegenheit ist, so liefern diesen die Reparaturcenter: Junge Firmen mit Namen wie «Handydoktor» und «Handyclinic» haben das Smartphone längst zum Patienten erklärt und versorgen dieses wie beim Arzt schnell, ganzheitlich und in steriler Umgebung.

Die dem Gesundheitswesen entliehene Fürsorge kommt an: Das Geschäft mit zersplitterten Handy-Displays und ausgelaugten Akkus wächst. Immer wieder kommen neue Anbieter auf den Markt.

Ein grosses Stück dieses Kuchens hat sich Thomas Stucki aus Niederlenz gesichert. Der Elektroniker und langjährige Informatik-Projektleiter ist Mitinhaber der Firma «Handydoktor», die 2011 aus dem «iPhonedoktor» in Zürich hervorgegangen ist.

Innert zweier Jahre wuchs «Handydoktor» auf fünf Filialen mit 15 Mitarbeitern sowie zwei Franchise-Standorten. Gestern konnte Stucki die neue Filiale an der Murackerstrasse in Lenzburg eröffnen, die zuvor an der Niederlenzer Jurastrasse war. «In Niederlenz hatten wir zu wenig Platz», sagt er. «Die Räume in Lenzburg sind perfekt und die Lage beim Bahnhof ist ideal.»

Der Markt ist hart

Kaum geöffnet, meldeten sich gestern die Kunden an der Empfangstheke, wo die «Krankengeschichte» aufgenommen wird. Während das Handy in Reparatur ist, setzt sich der Besitzer ins Wartezimmer. Dort liegen Magazine auf dem Tisch. Das Erscheinungsbild einer Arztpraxis ist bis ins Detail umgesetzt. «Unsere Kunden schätzen diese Atmosphäre», so Stucki.

Seine Reparaturwerkstatt habe es aber trotz mehreren Filialen nicht leicht in der Branche. Weil die Mobilfunkanbieter ihre Kunden mit vergünstigten neuen Handys zu Vertragsverlängerungen animierten, landen viele gebrauchte Handys im Müll oder in der Schublade. «Wenn ein neues iPhone angekündigt wird, nehmen die Reparaturen der Vorgängermodelle ab», so Stucki.

Auch die Handy-Hersteller würden voll auf den Verkauf neuer Produkte setzen und hätten naturgemäss kaum Interesse an Reparaturen der alten Geräte. Zudem seien bei Garantiefällen die zertifizierten Reparaturpartner der Hersteller und Mobilfunkanbieter für Kunden die erste Anlaufstelle.

Günstiger als zertifizierte Betriebe

Hier hat Thomas Stucki eine Nische gefunden: Die Reparatur von Schäden, die nicht durch die Garantie gedeckt sind – zersplitterte Displays und Wasserschäden zum Beispiel.

Dank schlanker Organisation ist Stuckis Werkstatt günstiger als zertifizierte Reparaturpartner. Zum Vergleich: Im Apple Store kostet der Ersatz eines zersplitterten Displays eines iPhone 5 gegen 300 Franken, wobei das Gerät ausgetauscht wird.

Bei Handydoktor wird das Display für 199 Franken ersetzt. Die Ersatzteile sind die gleichen – auch wenn Apple, Samsung und Co. diese nicht an Dritte liefern. «Wir kaufen deshalb direkt beim Hersteller ein. Hier hat sich ein Parallelmarkt entwickelt.»

Dieser Parallelmarkt birgt auch grosse Herausforderungen: Kommt ein neues Smartphone oder Tablet auf den Markt, sind Ersatzteile oft noch nicht verfügbar. «Wir müssen deshalb ständig am Ball bleiben», sagt Stucki.

Am Ball bleiben will der Niederlenzer auch aus ökologischem Gewissen. Denn Handydoktor ist für ihn nicht nur ein Geschäft. «Mir tut es weh, wenn Geräte entsorgt werden, die noch repariert werden könnten.»