An einer Orientierung vor zahlreichen kommunalen und regionalen Politikern im Weiterbildungszentrum der Lenzburger Berufsschule zeigten involvierte Planer und Fachleute Absichten, Zusammenhänge aber auch einengende Auflagen auf. In der Diskussion kamen vor allem die ersten Schritte – Bahnhofplatzgestaltung und Um- und Ersatzbau des Bahnhofgebäudes – zur Sprache.
Öffentlichkeit früh einbeziehen
In seiner Begrüssung wies Stadtammann Hans Huber auf die «weitreichende Auswirkung von Entwicklung von Stadt und gesamter Region» hin, die mit den anstehenden Veränderungen verbunden ist. Mit der frühzeitigen Information auch über längerfristig geplante Projekte wolle man Politiker und Bevölkerung früh in den Prozess einbinden, um allenfalls «Anregungen zur Optimierung» einfliessen zu lassen.
Richard Buchmüller als Leiter der Stadtbauamtes und Lenzburger Stadtplaner schilderte einleitend kurz die Ausgangslage und moderierte anschliessend durch den Abend. Andreas Wingeier (Infrastruktur Mitte) und Ulrich Günthard (Immobilien Mitte Nord) von den SBB informierten über Publikumsanlagen und Bahnhofgebäude.
Gemäss Wingeier läuft aktuell eine Studie, die abklären soll, wie die gegenwärtig äusserst missliche Zugangssituation zu den Perrons während der Hauptpendlerzeiten verbessert werden könnte. Dabei steht eine zusätzliche Personenunterführung im Westen (etwa auf Höhe der früheren Güterschuppen) im Vordergrund. Gegenüber der az Aargauer Zeitung musste der SBB-Mann allerdings einräumen, dass dafür frühestens ab 2016 Mittel zur Verfügung stünden.
Zuerst Platz und Gebäude
Wesentlich kurzfristigere Perspektiven haben die ersten zwei Etappen der Neugestaltung des Bahnhofareals. Bereits in wenigen Wochen haben die Einwohnerräte über den Projektierungskredit für die Gestaltung des Bahnhofplatzes zu befinden. Überlegungen rund um dieses Projekt, das rund 14 Millionen Franken kosten dürfte, legten Christian Brenner, Tiefbauchef im Stadtbauamt, und Architekt Dario Oechsli dar.
Überraschend sieht der momentane Zeitplan vor, dass in den Jahren 2014 und 2015 nicht nur der Platz mit der zentralen, mit einem Betonband überdachten neuen Businsel, sondern auch das Bahnhofgebäude realisiert wird. Hier wird der Techniktrakt übernommen, mit einer gepunkteten Glaswand ummantelt und mit einem Anbau mit Laden- und Dienstleistungsräumen ergänzt.
Ab 2020 wird das Quartier mit dem Areal Bahnhof West komplettiert – vorausgesetzt man findet Investoren für die heute auf 60 bis 100 Millionen Franken geschätzten Grossbauten, unter anderem mit einem zehngeschossigen «Schlussstein» am Ende der Bahnhofstrasse. Neben einem neuen Park ist hier ein grosser Wohnkomplex angedacht.
Viele Fragen blieben offen
Die Informationen lösten im Plenum vielfältige Fragen aus, die meist nicht befriedigend beantwortet werden konnten. Oft wurde auf die engen Platzverhältnisse hingewiesen, die eine optimale Lösung der aktuellen Probleme verunmöglichten. Generelle Bedenken gegen die Funktionalität der ganzen Anlage oder Hinweise auf die fast inexistente Berücksichtigung des Autoverkehrs wurden immerhin zur Kenntnis genommen.
«Wir müssen versuchen, das Beste aus den beschränkten Platzverhältnissen zu machen», fand Stadtammann Huber ein passendes Schlusswort.
Nach der Orientierung von Politikern über die hochtrabenden Pläne rund um den Bahnhof Lenzburg, ist dessen Zukunft zwar nicht mehr so düster wie die bislang einzige Personenunterführung zu den während den Stosszeiten gefährlich überbelegten Perrons. Doch selbst die wunderschönen Visualisierungen können nicht übertünchen, dass es sich hier um ein ewiges Flickwerk handelt.
Es wird weiterhin zu eng gedacht - und demzufolge geplant. Räumlich und zeitlich. In der Vergangenheit wurden zu viele Chancen vertan. Der «Kommunale Richtplan Bahnhof Lenzburg» von 2006 umfasste noch einen grösseren Perimeter, mit dem man heute mehr Spielraum hätte. Seither liess man sich jedoch immer mehr von immer neuen «Sachzwängen» einschränken, was eine halbwegs vernünftige Lösung für diese für die Region zentrale Verkehrs-Drehscheibe verunmöglichte.
Die aktuellen Planer - und vielleicht in ein paar Jahren wir alle - müssen für frühere Versäumnisse büssen. Wenn nun irgendwo ein neuer Lösungsansatz auftaucht (beispielsweise eine Buszufahrt von Norden), geht man andernorts Konzessionen an den Zeitgeist ein und verdrängt die Realität: Die Erschliessung eines Schnellzugbahnhofs für den mobilen Individualverkehr ist keine Marginalie. In den nächsten Jahrzehnten bekommt die Region Tausende neuer Arbeitsplätze und Wohnungen - da fahren nicht alle mit dem Bus zum Bahnhof.
Den kommunalen Planern kann zugutegehalten werden, dass die Bundesbahnen nicht der einfachste Partner sind. In letzter Sekunde musste damals die Planung der Seetalbahneinfahrt wieder geändert werden, und die am Info-Abend präsentierte Option einer neuen Personenunterführung West war selbst für entscheidend involvierte Zuhörer eine glatte Neuigkeit: Wenn wichtige Details zurückbehalten werden, kann es ja nie ein harmonisches Ganzes geben. Fritz Thut