Im Glashaus der Familie Niggli ist die Luft schwül, das Thermometer klettert auf beinahe 40 Grad. «Die jungen Tomaten, Peperoni und Auberginen mögen dies», sagt Landwirtin Regula Niggli-Lienhard in ihrem ärmellosen Top und lacht. «Die Setzlinge blühen richtig auf.»

Setzlingsmarkt in Wildegg

Der Pro Specie Rara-Setzlingsmarkt auf Schloss Wildegg findet am 4. und 5. Mai, zwischen 9 und 17 Uhr, statt. Rund 20 Produzenten aus de Schweiz bieten traditionelle Gemüse- und Blumensorten an. Nebst dem Setzlingsverkauf finden jeweils um 11, 13 und 15 Uhr Führungen durch den blühenden Schlossgarten statt. Am Markt gibt es verschiedene Verpflegungsstände. (bA)

Sie und ihre erwachsenen Kinder Ursina Suter Niggli, Anna und Martina Niggli sowie Jeremias Niggli bewirtschaften den Gemeinschaftsbetrieb «Alpenzeiger Bio-Produkte» am Hungerberg in Aarau. Unter anderem produziert die Familie Gemüse und Blumen von Pro Specie Rara, also alte, vom Aussterben bedrohte Sorten.

Kommen auch dieses Jahr 11000 Besucher

Seit einigen Jahren führt Pro Specie Rara, die Schweizerische Stiftung für kulturhistorische und genetische Vielfalt von Pflanzen und Tieren mit Sitz in Basel, einen Setzlingsmarkt auf Schloss Wildegg durch. Das Interesse ist gross: Im letzten Jahr kamen 11 000 Leute aufs Schloss. «Ein Rekord», sagt Nicole Egloff, Medienverantwortliche bei Pro Specie Rara. «Egal wie das Wetter ist, im Frühling brauchen die Gartenfreunde Setzlinge.» Der Ansturm sei manchmal so gross, dass die Produzenten innert kurzer Zeit ausgeschossen seien und zu Hause neue Setzlinge holen müssten.
Weil die Stiftung ihren Hauptsitz früher in Aarau hatte, besteht die Zusammenarbeit mit dem Schloss Wildegg. «Im Schaugarten des Schlosses, wo viele alte Gemüse- und Blumensorten von Pro Specie Rara gedeihen, holen sich die Besucher Ideen.» Der Setzlingsmarkt sei «Pro Specie Rara in Reinkultur», findet Nicole Egloff: Alleine 120 Tomatensorten werden angeboten, daneben gibt es Gemüse-, Zierpflanzen-, Kräuter-, Kartoffel- und Beerenraritäten. Mit dem Projekt «Stadt-Tomaten» möchte Pro Specie Rara Tomaten auch auf Balkone bringen und so ihr Überleben sichern (www.prospecierara.ch). (ba)

12 000 Setzlinge für Schlossmarkt

Die Setzlinge, die jetzt im Treibhaus in Reih und Glied gedeihen, verkaufen die Nigglis am Wochenende einmal mehr am Setzlingsmarkt von Pro Specie Rara auf Schloss Wildegg (Box). Bereits am Donnerstag werden 12 000 Setzlinge sorgfältig in Kisten verpackt und aufs Schloss hochchauffiert. Längst weiss Jeremias Niggli, wie es an den Markttagen läuft: «Am Samstag läufts rund, da kommt die Kundschaft. Am Sonntag möchten die Leute mehr beraten werden.»

Die Konsumenten wüssten die raren Pflänzchen immer mehr zu schätzen, sagt Regula Niggli, die jeden Samstag am Aarauer Wochenmarkt einen Stand betreibt. «Sie bekommen einen ganz anderen Bezug zu den Setzlingen, weil sie sie nicht einfach aus dem Gartencenter holen, sondern wissen, woher sie stammen.» Es mache Spass, den Kunden zu zeigen, wie vielfältig die Geschmäcker der Specie Raras seien und welchen Genuss das Gemüse bereite.

Peruanische Wildtomate ist heikel

Regula Niggli hat Tomatensorten, die schon vor über 100 Jahren in Gärten gediehen. Sie zieht die Berner Rose oder die Baselbieter Röteli hoch. Sie hat ovale, gepunktete, gefleckte, afrikanische, russische oder ungarische Tomaten.

Und sie weiss, wie heikel die peruanische Wildtomate ist. «Manche Tomatensorten muss man wie ein rohes Ei behandeln», sagt die Landwirtin. Bei ihr wachsen auch die vielfältigsten Minze- und Blumensorten. Am liebsten mag Regula Niggli das leuchtende Blau der Kornblumen, deren Blüten in Kränzchen und Bouquets der Kinder am Aarauer Maienzug im Juli Herz und Auge erfreuen werden.