Wenn das Geklöpfe auf dem Yul-Brynner-Platz in Möriken den Geist des Filmstars geweckt haben sollte, wird er sich wohl in einer wilden Schiesserei gewähnt haben. Gestern Nachmittag fand nämlich zum 25. Mal der Regionale Chlaus-Chlöpf-Wettbewerb statt. Mit rund 170 Teilnehmenden aus den 16 Gemeinden rund um Lenzburg – und einem Jubiläums-Chlaus-Chlöpfer-Bier aus Villmergen. Der einheimische Verein hat in die Mitte des Platzes einen Messingring anbringen lassen, der das Feld der Chlöpfer begrenzt. Was zeigt: In Möriken lebt das Brauchtum, und die Gemeinde weiss das zu schätzen. Der Platz vermerkt die Namen von Yul Brynners Filmen. Zufall, dass der Chlöpferkreis gerade um den Titel «Future World» zu liegen gekommen ist?

Das Chlöpfen ist nicht überall gleich populär. In Möriken habe sich die Zahl der Teilnehmer an der Ausscheidung für den Final in den letzten acht Jahren verdoppelt, sagt Charli Fischer vom OK: «Man muss etwas tun in der Gemeinde. Und es braucht Vorbilder.» Stark vertreten sind die Niederlenzer, die mit einem antiken Gefährt, Jahrgang 1951, aufkreuzen. Aus einer anderen Gemeinde sind nur 3 (von 16 möglichen) Chlöpfern da.

Aufmunterung für alle

Vorbilder hat die jüngste Teilnehmerin, Joy Frei, viereinhalb, aus Hendschiken. Der Vater ist Richter am Regionalen Wettbewerb, die Mutter chlöpft mit und auch Schwester Kim ist aktiv dabei. «Es geht nicht ohne Striemen», sagt Joys Mutter, «doch Joy schüttelt einfach kurz den Kopf und weiter gehts». Die Chlöpferin kennt keinen Schmerz. Spass ohne Vorbilder hat die 13-jährige Anja Hofstetter aus Lenzburg: Die Eltern haben sie animiert, doch sie ist die Erste in der Familie, die chlöpft. Jede Tradition hat einmal begonnen.

«Super! Cool!», sagt ein Vater seinem Sprössling, und das Publikum muntert auf, auch wenn nicht immer alles nach Wunsch gerät. «Der wird mal gut», sagt Christoph Jaberg, mehrfacher Sieger, bewundernd zur «Musik» eines Nachwuchstalents. Jaberg amtet inzwischen als Richter: «Nicht ich bin wichtig, der Brauch ist wichtig.» Man müsse den Jüngeren Platz machen.

30 Sekunden entscheiden

Im Publikum hats viele Experten. Einer bringt mit erfrischender Ehrlichkeit den Unterschied zwischen Theorie und Praxis auf den Punkt: «Ich wüsste, wie es ginge, aber ich kann es nicht.» Eine, die es kann, ist Therese Graf, die Seriensiegerin der letzten Jahre. Obwohl es heute noch passiere, dass mal ein Zwick den Kopf treffe. Auch Sohn Janis (10) macht erfolgreich mit, wenn es darum geht, in einem 30-sekündigen Vortrag bei den Richtern in den Kriterien «Auftritt», «Geisselführung», Stellung/Stand» und «Regelmässigkeit» zu punkten. Und sowohl die Mutter als auch der Sohn schwingen am Schluss in ihrer jeweiligen Kategorie obenaus.

Röbi Werren fiel dieses Jahr krankheitshalber als Reparateur der Geisseln aus. Sohn Dani sprang ein – stärker als in früheren Jahren. «Wir mussten bei etwa 250 Geisseln einen neuen Spitz ansetzen», sagt er. Freizeitarbeit für ihn. Er nimmt selber am Wettbewerb teil. Als Ansporn für seine Kunden. Schöne Geste: Alle Teilnehmer unterschreiben auf einem Seesack für Vater Werren und wünschen gute Genesung.

25. Regionaler Chlaus-Chlöpf-Wettbewerb

Die Besten der acht Kategorien

Männer Kategorie 1 (2007 und jünger):
1. Florian Lüscher (Möriken-Wildegg),
2. Yannick Beeli (Seengen),
3. Joshua Schmid (Ammerswil).

Kategorie 2 (2004–2006):
1. Janis Graf (Möriken-Wildegg),
2. Janis Flückiger (Niederlenz),
3. Marvin Egli (Dintikon).

Kategorie 3 (2001–2003):
1. Lukas Meyer (Dintikon),
2. Beni Fischer (Schafisheim),
3. Dominik Schmidlin (Lenzburg).

Kategorie 4 (2000 und älter):
1. Thomas Wassmer (Rupperswil-Auenstein),
2. Robert Lüdi (Hallwil),
3. Claudio Gloor (Dintikon).

Frauen Kategorie 1:
1. Dilia Kieser (Lenzburg),
2. Samantha Ackermann (Ammerswil),
3. Natalia Niemeyer (Schafisheim).

Kategorie 2:
1. Sarina Rohner (Ammerswil),
2. Kim Schär (Hendschiken),
3. Alessia Rachiele (Schafisheim).

Kategorie 3:
1. Fabienne Meyer (Dintikon),
2. Lilly Savoy (Seon),
3. Carina Brigger (Niederlenz).

Kategorie 4:
1. Therese Graf (Möriken-Wildegg),
2. Lena Reich (Rupperswil-Auenstein),
3. Michelle Melliger (Dintikon).