Ein Mäuschen, das nicht einschlafen will. Eine Ente, ein Schwein, eine Katze und weitere Tiere, die versuchen, den pelzigen Nager in den Schlaf zu wiegen. Das sind die Figuren, die in den letzten Monaten Simone Steinmann begleitet haben.

Denn: «Die Geschichte vom dummen Mäuschen», ein Kindertrickfilm aus dem Jahr 1939 mit der Musik von Dmitri Schostakowitsch, ist der Ausgangspunkt des Bachelorprojekts der Musikstudentin: eine Oper, die ganz auf Kinder zugeschnitten ist, bei der aber auch die Erwachsenen nicht zu kurz kommen.

«Damit möchte ich den Kindern die Möglichkeit geben, in die Opernwelt einzutauchen», sagt die 25-Jährige. In grösseren Städten, so Simone Steinmann, gebe es zwar Aufführungen für Kinder. «Aber hier in der Region gibt es kaum solche Angebote.»

Das wird sich nun bald ändern: Diesen Sonntagnachmittag wird ihr Bachelorprojekt im Cholechäller in Niederlenz zur Aufführung gelangen, am Tag zuvor in Luzern. «Die Kinderoper ist eine leicht szenische Fassung der Trickfilmmusik von Schostakowitsch», sagt die Studierende der Hochschule Luzern. Auf der Bühne werden unter anderem Bläser, Streicher, ein Glockenspiel und eine Primarschülerin in der Rolle als Mäuschen zu hören sein.

Unterstützt wird das Ensemble von der Dirigentin Irmgard Ripfel. Den Klavierpart und die kurze Einführung über das Leben des sowjetischen Komponisten wird Simone Steinmann selber übernehmen.

Russische Texte übersetzt

Damit die Kinder auch alles verstehen, war eine Übersetzung des russischen Sprech- und Gesangstexts nötig. Dafür hat Elisabeth Anliker, Steinmanns Klavierdozentin, gesorgt: Anliker spricht fliessend Russisch. Nebst der Übersetzung hat sie auch die Bewilligungen für das Bearbeiten der Trickfilmmusik eingeholt.

«Die Verantwortlichen waren zum Glück sehr offen», sagt Simone Steinmann. Kaum hatten der Verlag und die Angehörigen Dmitri Schostakowitschs das Einverständnis gegeben, konnte sie sich ans Werk machen: Im Dezember 2013 begann sie, Musiker, Sänger und Sponsoren zu suchen, das Ensemble zusammenzustellen, Probepläne aufzusetzen und Übungslokale zu buchen. Ihre Klavierdozentin arrangierte die Trickfilmmusik so, dass sie für die Singstimmen, das Klavier und das Ensemble passte.

«Obwohl die Vorbereitung sehr zeitintensiv war, hat es mir viel Spass gemacht», sagt Steinmann. Kein Wunder, hat sie doch die Leidenschaft für die Musik früh entdeckt. «Bei uns zu Hause stand ein Klavier. Als Kind habe ich mich immer wieder darangesetzt», sagt die 25-Jährige. Mit sechs Jahren ging sie erstmals in den Klavierunterricht, es folgten Musikstunden an der Musikschule Lenzburg und am Konservatorium in Zürich. «Mit der Zeit wurde ich ehrgeiziger und wollte mehr daraus machen.»

Nach der Ausbildung zur Kauffrau entschied sie sich, das Musikstudium mit Schwerpunkt Klavier an der Hochschule Luzern in Angriff zu nehmen. Im Sommer 2015 wird sie den Abschluss in der Tasche haben. Danach will Simone Steinmann den Master in Musikpädagogik absolvieren.

Von Nervosität keine Spur

«Meine Idee ist es, sowohl Klavierunterricht zu geben als auch in der Konzertorganisation tätig zu sein», sagt sie. Doch nicht auf die ferne Zukunft hat Simone Steinmann derzeit ihr Augenmerk gerichtet, sondern auf das Bachelorprojekt: Der Auftritt der Kinderoper im Cholechäller naht. Angespannt ist sie deswegen nicht. «Die Nervosität hält sich momentan noch in Grenzen», sagt sie lachend.

Ob es den Tieren gelingt, das Mäuschen in den Schlaf zu wiegen? Steinmann schmunzelt und sagt: «In der Originalversion wird das Mäuschen von der Katze gefressen. Im Trickfilm und in der Kinderoper wird es gerettet.»

«Die Geschichte vom dummen
Mäuschen»:
Samstag, 8. November,
19 Uhr, Musikpavillon Hochschule Luzern. – Sonntag, 9. November, 16 Uhr, Cholechäller Niederlenz