Er erreicht auf der Videoplattform Youtube mit einem einzigen Song ein Millionenpublikum, seine Lieder wurden schon am wichtigsten Elektro-Festival der Welt gespielt und trotzdem löst der Name «SickStrophe» bei den Aargauerinnen und Aargauern höchstens ein Schulterzucken aus. Hinter dem Künstlernamen verbirgt sich der Aargauer Musiker Ricky Schneider. Der 21-Jährige wohnt alleine mit seiner Mutter in Möriken-Wildegg. In diesem Dorf ist er aufgewachsen, hat die Primar- und Bezirksschule besucht und seine ersten Schritte im Musikbusiness gemacht.

Schneider sitzt in seinem Garten, der einen schönen Ausblick auf das Nachbardorf Niederlenz gewährt. Die Haare hat er nach oben gekämmt und die Hände in seinem Schoss zusammengefaltet. Er erzählt, dass die elektronische Musik mit viel Bass und wenig Gesang nicht seine erste Liebe war. «Ich habe in der Primarschule Schlagzeug gespielt und bin erst später auf Elektro aufmerksam geworden.» Es war ein Mittwochnachmittag, als er zusammen mit einem Schulfreund zu Hause auf einem Musikprogramm herumalberte. Daraus seien Töne entstanden, die ihn sofort fasziniert hätten. Man merkt Schneider die Passion für die elektronische Musik an. «Ich konnte so viele verschiedene Klänge erzeugen und zusammen verknüpfen. Das hat mich sofort gepackt.»

Diese Komposition wurde eine Million mal gehört

Star-Produzent entdeckte ihn

Als 17-Jähriger gelingt ihm der erste Hit. Ein Musikproduzent, der schon mit der bekannten US-Popsängerin Katy Perry zusammengearbeitet hat, entdeckt einen Song von Schneider und spielt diesen an verschiedenen Festivals in den USA. Dies erweist sich als Türöffner für den Teenager, plötzlich steht er bei Zürcher Szenenklubs hoch im Kurs. «Das war schon eine sehr aufregende Zeit. Aber ich konzentrierte mich auf meine Lehre als Pharmatechnologe», sagt Schneider. Nach dem erfolgreichen Lehrabschluss geht er für einige Auftritte ins Ausland. In Deutschland und Österreich spielt er seine eigenen Songs. Gerne würde er sich auch einmal in der Region präsentieren. «Aber im Aargau gibt es leider keine Clubszene. Da bleibt mir nur Zürich oder der Gang über die Grenze.»

Vor einem Jahr schafft er beinahe den Durchbruch, als zwei seiner Lieder am Tomorrowland, dem grössten Elektro-Festival der Welt, vom Star-DJ «KSHMR» gespielt wurden. Schneider kontaktiert den Musiker aus Los Angeles und unterhält sich mit ihm. «Im Musikbusiness läuft alles über Beziehungen. Ein Kontakt in Los Angeles ist Gold wert.»

Schneider erhebt sich aus dem Gartenstuhl, geht ins Haus, steigt die Treppe ins Obergeschoss hoch und öffnet die Türe zu seinem Kinderzimmer. Er deutet auf ein Mini-Keyboard vor dem Computer. «Hier produziere ich meine Songs. Ich kann mit einem Programm verschiedene Instrumente auf die Keyboard-Tasten programmieren und diese dann abspielen.» Gleich neben dem Schreibtisch steht ein Mikrofon. Er winkt ab: «Das Singen überlasse ich anderen. Ich besitze nur eines, damit ich ein vollständiges Equipment habe.»

Bevor Schneider einen Song im Internet veröffentlicht, lässt er seine Mutter ihn hören. Sie habe zwar einen anderen Musikgeschmack, gebe aber immer eine Meinung ab.

CDs sind out

Zurzeit kann der Aargauer noch nicht von der Musik leben. Mittels populärer Streamingplattformen wie Spotify oder Soundcloud verdient er Geld. Je öfter seine Musik abgespielt wird, desto mehr erhält er am Ende des Monats. «Das ist jeweils nur ein kleiner Batzen», sagt er. Trotzdem sei er froh über die Möglichkeit, seine Werke auf solchen Plattformen anbieten zu können. Früher hätte er sich mit einer CD-Produktion verschulden müssen. «Heute sind meine Songs überall auf der Welt verfügbar.»

Bis im Sommer widmet Schneider seine ganze Aufmerksamkeit der Schule. Er absolviert die Passerelle, um an einer Universität ein Chemiestudium beginnen zu können. Dies wäre ein zweites Standbein, wenn es mit der Musik nicht klappen sollte. Aber Schneider glaubt fest an eine grosse Karriere. Er möchte nach Los Angeles, in die Hauptstadt der Elektro-Szene. «Und wenn ichs geschafft habe, wird hoffentlich meine Musik im Aargau populärer.»