In vielen Gemeinden ist Tempo 30 in Quartierstrassen nichts Aussergewöhnliches mehr. In Schafisheim jedoch ist die Temporeduktion von 50 auf 30 km/h umstritten: Es hat sich ein Pro- und Contra-Komitee darüber gebildet. Am 11. März entscheiden die Stimmbürger an der Urne.
Die Vorgeschichte: Im letzten November hiess die Gemeindeversammlung die Einführung von flächendeckendem Tempo 30 (ausgenommen Lenzburger- und Seealstrasse) gut. Die Verkehrssicherheits-Massnahmen kosten 125 000 Franken.
Mit dem Ja zu Tempo 30 konnten sich Gegner nicht abfinden: Sie ergriffen das Referendum. Es kamen 320 Unterschriften zustande, 186 wären nötig gewesen.
Contra-Komitee: Kein Luxusprojekt
Die Sicherheit von Kindern und Erwachsenen hänge nicht von der 30er Zone ab, schreibt das Referendumskomitee in den Abstimmungsunterlagen. Urs Widmer vom Komitee: «Ist der Autofahrer zu wenig aufmerksam, kommt es auch bei 30 Stundenkilometern zu Unfällen.» Laut Statistik der Polizei seien in den letzten Jahren auf den Quartierstrassen nur Bagatellunfälle passiert.
Vernünftige und strassenverhältnisbewusste Autofahrer würden ohnehin nicht mit 50 km/h durch die Quartiere fahren, findet das Komitee. «Bei uns gibt es keine langen Quartierstrassen, die zum Rasen verleiten. Neuralgische Stellen sind bereits mit Pflanzkübeln entschärft.» Auch gebe es keine Schleichwege, denen man - wie in anderen Gemeinden - Einhalt gebieten müsse.
Das Komitee will die 125 000 Franken, die die Geschwindigkeitsmassnahmen kosten, einsparen. «In den nächsten Jahren kommen auf unsere Gemeinde zusätzliche Kosten zu, deren Höhe nicht abgeschätzt werden können. Der bisher günstige Steuerfuss (98 Prozent) wird steigen. In dieser Situation können und wollen wir uns solche Luxusprojekte nicht leisten.» Man brauche kein Tempo 30, sondern «weiterhin bewährtes und eigenverantwortliches Handeln».
Pro Komitee: mehr Wohnqualität
Die Befürworter von Tempo 30 ihrerseits haben sich zu einem überparteilichen Pro-Komitee zusammengeschlossen und die Website www.schafisheim30.ch erstellt. Ihre Hauptgründe für die 30er-Zone: erhöhte Sicherheit und Wohnqualität.
Für das Komitee hängt die Unfallgefahr massiv von der Geschwindigkeit ab. Befürworter Viktor Andermatt: «Der Anhalteweg bei 50 km/h ist laut Statistik des Bundesamtes für Unfallverhütung doppelt so lang wie bei 30 km/h. Bei zehn angefahrenen Fussgängern überleben bei 50 Stundenkilometern drei, bei 30 Stundenkilometern deren neun.» Andermatt macht auf unübersichtliche Stellen in der Gemeinde aufmerksam. Hier seien schwächere Verkehrsteilnehmer besonders gefährdet - das heisst: Sie sind darauf angewiesen, dass Automobilisten langsam fahren.
Kosteneffizient und eindeutig
Tiefere Geschwindigkeiten führen zu einem ruhigeren Fahrverhalten, betont Andermatt. Unter anderem reduzierten sich die Abgas- und Lärmemissionen. «Die Fahrzeuglenker verlieren kaum Zeit, wenn sie langsamer fahren als bis anhin. Der Tempounterschied auf den kurzen Quartier- und Zubringerwegen zu den Hauptstrassen lässt sich fast nicht in Zeit messen.» Die flächendeckende Einführung von Tempo 30 sei kosteneffizient: «Die Quartierstrassen werden alle miteinander und einheitlich signalisiert. Das spart Kosten und gibt Automobilisten ein klares Bild über die Verkehrssituation.»