Tom und Jerry kannte das alte China zwar nicht. Aber das ständige Gepiesacke zwischen Katze und Maus hat es auch damals schon gegeben. Der Katze am übelsten mitgespielt hat das listige Nagetier der Legende nach, als der grosse Jade-Kaiser einst 13 Tiere zu einem Fest einlud, darunter auch Katze und Maus. Doch die Maus teilte ihrem Erzfeind mit, das Fest würde einen Tag später stattfinden. Die Katze glaubte ihr und legte sich schlafen. Alle anderen zwölf Tiere erschienen. Allen voran die Maus, dann folgten der Büffel, der Tiger, der Hase, der Drache, die Schlange, das Pferd, die Ziege, der Affe, der Hahn, das Huhn und das Schwein. Zum Dank benannte der Jade-Kaiser jedes Jahr nach einem Tier – und zwar in der Reihenfolge, wie sie gekommen waren. Die Katze ging leer aus.

Jahr der Umwälzung ist vorüber

Morgen begehen die Chinesen ihr traditionelles Neujahrsfest. In der Nacht zum Sonntag wird das Jahr der Schlange begrüsst. Die Familie kommt zusammen, es wird gegessen, geböllert, rote Tütchen mit Geld ausgetauscht und ab dem zweiten Tag auch Mahjong gespielt – 15 Tage lang.

Da der chinesische Kalender vom Mond bestimmt ist, dauert ein Monat nur 29 oder 30 Tage lang. Da das Mondjahr gegenüber dem Sonnenjahr wiederum elf Tage kürzer ist, fällt der chinesische Neujahrstag jedes Jahr auf einen anderen Tag, genau genommen auf den zweiten Neumond nach der Wintersonnenwende.

Die zwölf Tierkreiszeichen haben für die Chinesen bis heute eine hohe Bedeutung. Von den Charaktereigenschaften des Tieres leiten sie ab, wie das jeweilige Jahr ausfallen wird. Das Drachenjahr 2012 stand für Umwälzung, wühlt auf, Hilfsbedürftige sind den Mächtigen ausgeliefert. Tatsächlich fand letztes Jahr in China nach zehn Jahren erstmals wieder ein Führungswechsel statt. Der war von einer Reihe von Skandalen begleitet und brachte tatsächlich das Machtgefüge ins Wanken. Schwache und Ängstliche können also aufatmen, wenn nun das Schlangenjahr beginnt.

2013 wird entspannter werden

Denn Schlangenjahre bringen zwar ebenfalls Neuerungen mit sich. Das Jahr verläuft aber sehr viel ruhiger – auch wenn weiter Wachsamkeit angesagt ist und 2013 unberechenbar bleibt. Die Schlange nimmt die aufgewühlten Elemente des Drachen auf, beobachtet die Dinge jedoch geduldiger und mit analytischem Verstand. 2013 fällt chinesischen Astrologen zufolge also sehr viel entspannter aus.

Menschen, die in einem Schlangenjahr geboren sind, gelten als listig. Sie sind entschlossen, aber auch argwöhnisch. Zugleich ziehen Schlangen auch Missgunst an und sind tunlichst bedacht, nicht zu sehr in der Öffentlichkeit zu stehen. Wer das Jahr der Schlange für sich nutzen möchte, sollte also Geduld mitbringen, sorgfältig planen und strategisch handeln.

Ein frisch gehäuteter Präsident

Chinas frisch gekürtes Staatsoberhaupt Xi Jinping ist in einem Schlangenjahr geboren. Frisch gehäutete Schlangen sind jedoch besonders empfindlich. Astrologen empfehlen daher: Zumindest in seinem ersten Jahr sollte Xi nicht allzu sehr gereizt werden. Im nachfolgenden Büffeljahr könnte er sehr viel milder gestimmt sein.