Auf dem Friedhof Liebenfels in Baden soll ein muslimisches Grabfeld entstehen – es wäre das erste im Aargau. Ende Monat entscheidet der Einwohnerrat über die notwendigen Änderungen im Friedhofreglement. Opposition regt sich bisher keine, Vertreter der christlichen Kirchen äussern sich positiv. Marcel Notter, Generalsekretär der katholischen Landeskirche Aargau, sagt auf Anfrage: «Aus unserer Sicht gibt es absolut keine Vorbehalte gegenüber einem neuen Grabfeld für Muslime in Baden.» Frank Worbs, der Mediensprecher der reformierten Landeskirche im Kanton, hält fest: «Als Mitbegründer der Aargauer Konferenz der Religionen, zu der auch islamische Gemeinschaften gehören, setzen wir uns dafür ein, dass sämtliche Glaubensrichtungen ihre Religion frei ausüben können.» Dazu würden auch Grabfelder für Muslime gehören, solange die gesetzlichen Vorgaben eingehalten würden, sagt Worbs.

Diskussion um Grabesruhe

Kritischer äusserte sich 2010 mit Johannes Siebenmann der reformierte Pfarrer von Wohlen. Damals wurde bei der anstehenden Revision des Friedhofreglements ebenfalls über Muslimgräber diskutiert. Siebenmann, der für die EVP im Einwohnerrat sass, sprach sich im Lokalparlament dagegen aus. «Es müsste vor den Einwohnerrat kommen und ein klarer politischer Wille formuliert werden, wenn das nicht der Fall ist, kommen dort auch keine Muslimgräber hin», sagte Siebenmann. Aktuell würde dies sowieso erst in 25 Jahren aktuell, weil die gesetzliche Grabruhe so lange dauere. «Bei den Muslimgräbern ist es anders, die Ruhezeit ist lebenslang. Diese bleiben für immer dort, wo sie sind», hielt der EVP-Politiker fest. Inzwischen ist Siebenmann als reformierter Pfarrer in Frick tätig – für eine Stellungnahme, wie er heute zu Muslimgräbern steht, war er nicht erreichbar.

Die ewige Grabesruhe, die Siebenmann 2010 ansprach, ist indes kein Hindernis für Muslimgräber auf Aargauer Friedhöfen. Wie die «Schweiz am Sonntag» berichtet, interpretiert der Verband Aargauer Muslime die entsprechende Vorgabe flexibel. Wenn dies pietätvoll geschehe, könnten Knochen von Verstorbenen auch im Grab zur Seite geschoben oder an einem anderen Ort platziert werden.

Vorstoss eines SD-Grossrats

2010 stellte René Kunz, damals Grossrat der Schweizer Demokraten, dem Regierungsrat diverse Fragen zu Muslimgräbern. Er wollte damals unter anderem wissen, wie die Regierung zur Forderung der Koordination Islamischer Organisationen stehe, muslimische Friedhöfe in allen Kantonen zu errichten. Diese antwortete, die Trennung nach Religionen oder Konfessionen auf einem öffentlichen Friedhof, also die Schaffung separater Grabfelder, sei grundsätzlich zulässig, «soweit ihr nichts Diskriminierendes anhaftet». Verantwortlich für die Friedhöfe seien indes die Gemeinden. Dies gelte auch heute noch, hält Daniela Diener, Sprecherin beim Departement Gesundheit und Soziales, auf Anfrage fest. «Zur Frage der Muslimbestattungen werden unseres Wissens in regelmässigen Abständen Gespräche zwischen dem Verband Aargauer Muslime und einzelnen Gemeinden oder Gemeindeverbänden geführt, wobei punktuell der Kanton involviert wurde.» Der Verband Aargauer Muslime vertritt in einem Merkblatt eine eher gemässigte Position, indem er keine ewige Grabesruhe fordert und auch die Bestattung in einem einfachen Holzsarg akzeptiert.

Diener verweist zudem auf ein Bundesgerichtsurteil von 1999. Darin massen die obersten Richter zwar dem Grundrecht der Religionsfreiheit grosses Gewicht zu, lehnten jedoch einen daraus folgenden Anspruch auf ewige Grabesruhe gemäss den Bestimmungen des Islam ab. Dies sei mit dem Konzept der öffentlichen Friedhöfe, wo die Gräber nach einer gewissen Zeit aufgehoben werden, nicht vereinbar.

Mit Blick auf die Kritik an einem muslimischen Grabstein auf dem Friedhof Brugg hält sie fest, Vorgaben zur Beschriftung seien gemäss Stichkontrolle des Kantons sehr heterogen. Zum Inhalt oder zur Sprache der Beschriftung gebe es kaum Vorgaben, eher noch zur handwerklichen und künstlerischen Anfertigung. Dabei gehe es um die Einheitlichkeit der Beschriftung oder um die Frage, ob Fotos und Reliefs auf den Grabsteinen zulässig sein sollen.