Der Aargauer Regierungsrat will Eltern, die ihre Kinder zu Hause selber unterrichten, nicht strenger kontrollieren. Er lehnt ein entsprechendes Postulat von Grossrätin Marianne Binder ab. Der CVP-Politikerin war die «höchst oberflächliche Qualitätskontrolle» des sogenannten Homeschooling ein Dorn im Auge.

Sie forderte unter anderem unangemeldete Hausbesuche durch einen Schulinspektor, obligatorische Leistungschecks und mehr Klarheit über die Beweggründe der Eltern, die ihren Kindern lieber daheim den Lernstoff vermitteln, als sie in die Schule zu schicken. «Mich stört, dass beim Heimunterricht zu wenig genau hingeschaut wird», sagte Marianne Binder, als sie den Vorstoss einreichte.

Doch der Regierungsrat hat kein Gehör für Binders Vorschläge. Die geltende Praxis mit angemeldetem Unterrichtsbesuch zu Hause sei angemessen, heisst es in der Postulatsantwort. Mehr und unangemeldete Besuche stünden in keiner Relation zum Aufwand der Aufsicht an den öffentlichen oder privaten Schulen.

Auch die obligatorische Teilnahme an Leistungschecks und ein Monitoring über die Gründe der privaten Schulung lehnt die Regierung ab. Auch hier lautet die Begründung: Der Nutzen sei gering, der administrative Aufwand dagegen gross für eine solche Massnahme.

Der Unwillen der Regierung, mehr Mittel für die Kontrolle von Homeschooling einzusetzen, ist auch mit der geringen Zahl von Betroffenen zu erklären. In der Postulatsantwort wird darauf hingewiesen, dass im ganzen Kanton nur 97 Schülerinnen und Schüler privat unterrichtet werden. Davon entfallen rund die Hälfte auf die Primarschule und je ein Viertel auf Kindergarten sowie Oberstufe. Die Zahl dieser Kinder entspricht knapp einem Promille der Gesamtschülerzahl von 71 562 im Schuljahr 2013/14.