Die CVP-Grossrätin und diplomierte Pflegefachfrau FH Theres Lepori (Berikon) hat im März zwei Vorstösse zum Thema Zeitvorsorge eingereicht.

Die Idee der Zeitvorsorge ist, dass Personen in der dritten Lebensphase einfache Aufgaben in der Betreuung von Personen in der vierten Lebensphase übernehmen. Sie sammeln damit Zeitgutschriften, die sie dereinst einlösen können.

Projekt Zeitvorsorge

Die Stadt St. Gallen ist Pionierin mit einem Zeitvorsorge-Projekt. Es geht darum, dass leistungsfähige Rentner und Rentnerinnen im Austausch gegen Zeitgutschriften häusliche Unterstützungsdienste für hilfsbedürftige Betagte leisten. Die auf diese Weise angesparten Zeitguthaben können sie später, wenn sie selbst einmal Hilfe im Alltag brauchen, gegen entsprechende Leistungen eintauschen. Doch was geschieht, wenn sich dereinst keine Freiwilligen finden sollten, die solche Hilfeleistungen erbringen, man die Gutschrift also nicht einlösen kann? Für diesen Fall übernimmt die Stadt St. Gallen eine finanzielle Garantie im Umfang von 3,4 Millionen Franken. Das Risiko beurteilt der Stadtrat indes als gering. (MKU)

Regierungsrat pro Lepori

Lepori fährt jetzt eine reiche Ernte ein. Der Regierungsrat ist nämlich bereit, einen von ihr eingereichten Auftrag entgegenzunehmen und die Lancierung eines Projekts Zeitvorsorge zusammen mit dem Forum für Altersfragen und unter Beizug des Vereins «Benevol» zu prüfen.

Es handle sich um einen «sinnvollen Ansatz künftiger Freiwilligenarbeit», so die Überlegung des Regierungsrates.

Er verweist aber auch auf einen Garantiefonds von 3,4 Millionen Franken, den die Zeitvorsorge-Pionierin, die Stadt St. Gallen, eingerichtet hat. Dies für den Fall, dass später Zeitgutschriften nicht durch andere Rentner abgearbeitet werden und die Stadt dafür Leute bezahlen müsste.

Die Aargauer Regierung rechnet jetzt vor, dass in St. Gallen 76 500, im Aargau aber rund 628 000 Personen leben. Der Projektaufwand analog zum St. Galler Modell würde im Aargau rund 250 000 Franken betragen. Und es wäre ein entsprechend grösserer Garantiefonds zu äufnen.

Die Regierung denkt an rund 25 Millionen Franken. Sie gibt zu bedenken: «Die Realisierung eines solchen Projekts ist mit hohem finanziellem und personellem Aufwand verbunden». Zudem stelle sich die Frage, ob ein solches Projekt aus dem Kontext einer Stadt einfach auf einen ganzen Kanton übertragen werden kann.

Männer: Bitte melden

Da hat Initiantin Theres Lepori keine Bedenken, wie sie der az gegenüber erklärt. Es brauche natürlich eine entsprechend grössere Organisation, «der Kern bleibt aber der gleiche». Sie ist über die Antwort der Regierung hoch erfreut und betont, so ein Projekt sei keine Konkurrenzierung bestehender Freiwilligenarbeit.

Hier sei ja sehr vieles schon vorhanden. Ihr Ziel ist, in der Zeitvorsorge mehr Pensionierte oder solche, die kurz vor der Pensionierung stehen, zu gewinnen. Auch und gerade Männer. Frauen sind in der Freiwilligenarbeit ja bereits übervertreten. Lepori hat auf ihren Vorstoss «unwahrscheinlich viele positive Reaktionen erhalten».

Und zwar auch von Männern, was ihre Hoffnung nährt, dass sich auch viele Männer melden werden.

Den Garantiefonds, den die Regierung einrichten würde, stellt sie in Relation zur enormen Entlastung der öffentlichen Hand durch Zeitvorsorgeleistungen. Und verweist darauf, dass der Bezug ja limitiert würde.

Um einen Auftrag einzureichen, braucht man mindestens 35 Unterschriften. Die hatte Lepori im März sofort beisammen. Inzwischen erhielt sie parteiübergreifend positive Reaktionen aus der Politik wie aus der Bevölkerung. Deshalb ist sie mit Blick auf die Behandlung des Vorstosses im Grossen Rat zuversichtlich.

Eine Sorge treibt sie aber um: dass dann in der Umsetzung vom zuständigen Departement die Qualitätssicherung zu hoch angesiedelt werden könnte. Es gehe ja um einfache Hilfestellungen.

Etwa jemandem vorzulesen und zusammen einen Museumsbesuch zu machen und damit den Betreffenden aus der Einsamkeit zu holen, unter der viele ältere Menschen leiden. Lepori: «Dafür braucht niemand ein Extra-Diplom und es braucht keinen Formularkrieg».