Tag für Tag fahren Zehntausende Autos durch den Kanton – die meisten sind bis auf den Fahrersitz leer. «Publiride» heisst das Projekt, das Autopendler dabei unterstützen will, Fahrgemeinschaften zu bilden. Über ein App und eine Website können sich jene, die freie Plätze haben, mit jenen, die freie Plätze suchen, zusammentun. Die Idee leuchtet ein: Weniger Autos, weniger Stau – die Rechnung wäre einfach.

Doch die Startphase verläuft harzig. Die Bilanz nach eineinhalb Jahren fällt ernüchternd aus: rund 20 Fahrten pro Tag, 1000 Nutzer insgesamt. «Die Zahlen liegen aus unserer Sicht und der Sicht des Kantons unter den Erwartungen», sagt Postauto-Mediensprecherin Katharina Merkle auf Anfrage. Das Pilotprojekt wurde im Zusammenhang mit dem Umbau des Badener Schulhausplatzes von Badenmobil, Postauto, dem deutschen Mitfahrnetzwerk «flinc» sowie Kanton und Bund lanciert. Doch die gewünschte Entlastung der meistbefahrenen Kreuzung des Kantons ist weitgehend ausgeblieben. «Bisher spielt ‹Publiride› eine Nebenrolle», sagt Katharina Merkle. Die täglich 20 Fahrten bedeuteten «eine geringe Entlastung der Strassen». Die Bereitschaft, gemeinsam zur Arbeit zu fahren scheine hierzulande wenig vorhanden zu sein. «Fahrgemeinschaften haben sich in der Schweiz noch nicht durchsetzen können, und es hat sich bisher noch keine Mitfahrkultur entwickelt.»

Projekte mit grossen Firmen fehlen

Am besten stehen die Chancen dort, wo sich die Personen kennen und den gleichen Arbeitsweg haben. Deshalb zielt das Angebot auch auf grosse Arbeitgeber ab. Das Luzerner Kantonsspital beispielsweise hat «Publiride» im Februar 2016 gestartet, mit dem Ziel, die Nachfrage nach Parkplätzen und die Anfahrtskosten für die Nutzer mit wenig Aufwand zu reduzieren. Eine Auswertung steht zwar noch aus, doch die Erfahrungen sind bislang gut. «Grundsätzlich sind die Rückmeldungen positiv und es wurden Fahrgemeinschaften gebildet, die bereits längere Zeit genutzt werden», sagt Sprecherin Ramona Helfenberger. Vergleichbare Beispiele aus dem Aargau gibt es nicht. Projekte mit Firmen sind bislang noch nicht realisiert worden. Die ABB beispielsweise hat zwar im Intranet auf das neue Angebot hingewiesen, auf ein zusätzliches Engagement bei «Publiride» allerdings verzichtet. Stattdessen erhalten etwa jene Mitarbeiter, die mit öV, Velo oder zu Fuss zum Arbeitsort gelangen einen Ökobonus. Und die Axpo teilt auf Anfrage mit: «Publiride» sei bisher noch kein grosses Thema gewesen. Das liege in erster Linie an den kostenlosen Halbtaxabos für Mitarbeiter sowie der engen Zusammenarbeit mit Mobility. Auf mehr Interesse stösst das Projekt beim Kantonsspital Baden (KSB): «Wir waren einer der ersten Betriebe, die ‹Publiride› unterstützt und bei den Mitarbeitenden breit geworben haben», sagt KSB-Sprecher Marco Bellafiore. Eine Auswertung über die Erfahrungen und die Zahl der Nutzer liegt nicht vor.

Noch bleibt Zeit, die Nutzerzahlen zu steigern; das Pilotprojekt läuft bis Ende Jahr. Bis dahin braucht es vor allem eins: Geduld. «‹Publiride› entfaltet seine Wirkung erst, wenn möglichst viele ihre Fahrten anbieten und dementsprechend viele davon Gebrauch machen», sagt Katharina Merkle. Daher werde dieses Jahr nochmals kräftig die Werbetrommel gerührt. Ob «Publiride» auf andere Regionen im Kanton Aargau ausgedehnt wird, ist offen. Konkrete Projekte gibt es zurzeit jedenfalls keine. Ein Blick auf die online angebotenen und gesuchten Strecken zeigt: Schon jetzt sind dort Fahrten weit über den Raum Baden hinaus zu finden.