Seit Mittwoch müssen sich zwei Hobbypiloten vor dem Bundesstrafgericht verantworten, weil ihre Flugzeuge im Juni 2013 im Luftraum ob Auenstein zusammenstiessen. Ihnen wird die fahrlässige Störung des öffentlichen Verkehrs vorgeworfen.

Gegen die beiden Angeklagten wurde ein Strafbefehl ausgestellt - da sie Einsprache erhoben, kam es überhaupt erst zur Hauptverhandlung am Bundesstrafgericht in Bellinzona.

Zu der folgenschweren Kollision war es am 6. Juni 2013 zwischen einem Segelflugzeug und einem Motorflugzeug gekommen. Dabei stürzte das Segelflugzeug ab - der Pilot konnte sich nur noch mithilfe eines Fallschirms retten. Das Motorflugzeug wurde beschädigt, war aber noch flugfähig und konnte zum Flugplatz in Lommis TG zurückkehren - allerdings hatte es durch ein Leck zuvor viel Benzin verloren. Ursprünglich wollte die zweiköpfige Flug-Equipe Ecuvillens im Kanton Freiburg erreichen.

Das Motorflugzeug befand sich in der Verantwortung des heute 72-jährigen Angeklagten, der als "Instruktor" an Bord war - mit ihm flog eine weitere Person. Laut dem Angeklagten handelte es sich um eine "Angewöhnungsflug" für den Kollegen, der am Mittwoch ebenfalls vor Gericht als Zeugen aussagte. Obwohl die Sicht nach vorne am betroffenen Tag sehr gut gewesen sei, habe Dunst den Blick nach unten und zur Seite erschwert.

Gesundheitliche Einschränkungen habe er keine - seine Sehfähigkeit sei vom Flugarzt als gut eingeschätzt worden, so der 72-Jährige vor Gericht.

Schlussbericht zur Flugzeug-Kollision in Auenstein (10. März 2016)

Vor drei Jahren krachte Christian Thomann mit seinem Segelflugzeug in einen Motorflieger. Jetzt ist klar, wer schuld an dieser Kollision ist.

Segelflugzeugpilot bestreitet Fehler

Der Pilot des Segelflugzeuges war auf dem Flugplatz Birrfeld gestartet und wollte entlang des Juras Richtung Neuenburgersee fliegen. Sein Flugzeug streifte das Motorflugzeug von unten. Der Angeklagte bestritt am Mittwoch vor Gericht, einen Fehler begangen zu haben. Er habe die Luftraumüberwachung korrekt gemacht. Es sei ein "dummer" und "seltener" Zufall gewesen, so der heute 64-Jährige.

Das Motorflugzeug habe er nur eine Sekunde vor dem Crash gesehen. Ein Segelflugzeug, wie er es steuerte, sei bei den herrschenden Wetterverhältnissen nur schwer von der Seite zu sehen. Wenn die Sonne noch dahinter stehe, sei ein weisses Flugzeug nicht einfach zu erkennen. Auch der als Zeuge befragte Ko-Pilot und Schüler im Motorflugzeug sprach von einer "Verbindung von mehreren unglücklichen Momenten", die zum Zusammenstoss geführt hätten.

SUST spricht von menschlichem Versagen

Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) war im März letzten Jahres zu der Einschätzung gelangt, dass die Besatzungen den Luftraum zu wenig aktiv überwacht hatten.

Dagegen wehrten sich am Mittwoch die Angeklagten und ihre Anwälte vor Gericht. Der Verlauf der Luftraumkontrolle sei im SUST-Bericht nicht korrekt wiedergegeben, so der 72-Jährige Motorflugzeugpilot. Sein Anwalt forderte dann auch einen Freispruch für seinen Mandanten. Der Strafbefehl basiere nicht auf einem nach strafrechtlichen Regeln abgeklärten Sachverhalt, sondern sei "tel quel" aus dem SUST-Bericht übernommen worden. Für den 72-Jährigen sah der Strafbefehl eine bedingte Geldstrafe von 2'250 Franken vor - hinzu kommt eine Busse von 1'500 Franken. Der Segelflugpilot soll gemäss Strafbefehl eine bedingte Geldstrafe von 600 Franken zahlen und ausserdem eine Busse von 1'000 Franken leisten.

Wann ein Urteil in dem Fall gesprochen wird, ist noch nicht bekannt.