Ende Januar lebten im Aargau insgesamt 2191 Eritreer – dies geht aus der jüngsten Statistik des Staatssekretariats für Migration hervor. 999 davon sind anerkannte Flüchtlinge, 1192 weitere sind Asylsuchende. 751 von ihnen befanden sich im Aargau im Asylverfahren, das heisst, über ihr Gesuch wurde noch nicht entschieden oder ein Rekurs gegen einen negativen Entscheid war hängig. 441 Eritreer wiederum waren vorläufig aufgenommen – sie haben zwar kein Asyl erhalten, dürfen aber in der Schweiz bleiben, weil eine Rückführung nach Eritrea nicht zumutbar ist.

Nicht erst seit der Reise von Regierungsrätin Susanne Hochuli nach Eritrea wird im Aargau über die Flüchtlinge aus dem ostafrikanischen Land diskutiert. Hochuli selber sagte im letzten August, die oft bildungsfernen Eritreer seien schwierig in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Die grüne Politikerin warnte vor negativen Folgen, wenn diese keine Arbeit finden und auf finanzielle Unterstützung angewiesen sind: «Manche von ihnen macht die Sozialhilfe langfristig lethargisch, verbunden mit einer Anspruchshaltung.»

Erwerbsquote ist sehr tief

Doch wie steht es heute mit ihrer Integration in den Arbeitsmarkt im Aargau? Von den 2191 Eritreern dürfen jene 1192, die sich derzeit im Asylverfahren befinden, die ersten drei Monate lang nicht arbeiten, nachdem sie ihr Gesuch eingereicht haben. Bei vorläufig Aufgenommenen und anerkannten Flüchtlingen sieht dies anders aus: beide Gruppen dürfen arbeiten. Doch viele von ihnen finden keinen Job, wie die Statistik des Staatssekretariats für Migration zeigt. Bei den vorläufig Aufgenommenen liegt die Erwerbsquote über alle Nationalitäten gesehen im Aargau bei 32,2 Prozent. Bei den Eritreern ist der Wert nur gut halb so hoch: Von den 302 Menschen im erwerbsfähigen Alter arbeiten lediglich 50, dies ergibt eine Quote von 16,6 Prozent. Verglichen mit anderen Herkunftsländern von grossen Flüchtlingsgruppen wie etwa Syrien (19,2 Prozent), Afghanistan (38,4 Prozent) oder Somalia (42 Prozent) ist die Erwerbsquote der Eritreer zum Teil deutlich tiefer.

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Ausgangslage ist schlecht

Wie lässt sich dies erklären? Insbesondere das schlechte Abschneiden von Eritrea im Vergleich mit Somalia scheint erstaunlich, denn die beiden Länder am Horn von Afrika sind, was das Bildungsniveau der Bevölkerung oder die wirtschaftliche Entwicklung betrifft, durchaus vergleichbar. Balz Bruder, Sprecher im Sozialdepartement, sagt auf Anfrage, bei der Integration in den Arbeitsmarkt spielten zahlreiche Faktoren eine Rolle: Herkunft, Alter, Kultur, Sprache, Alphabetisierung, Bildungsstand. Bruder hält fest: «Im Vergleich mit Personen aus anderen Herkunftsländern handelt es sich bei den Eritreern erstens um eine grosse Gruppe, zweitens verfügen bei ihnen mit Blick auf die genannten Faktoren nicht wenige über nicht optimale Ausgangsbedingungen.» Dies gelte auch im Vergleich zu Somalia, konkret wenn es um Alphabetisierung oder Sprache gehe. Dass die Quote der erwerbstätigen Eritreer im Aargau tiefer sei als in anderen Kantonen, ist laut Balz Bruder «auf die generelle tiefere Erwerbsintegration zurückzuführen».

Bei den anerkannten Flüchtlingen aus Eritrea ist die Erwerbsquote im Aargau etwas höher: Von den 639 Personen im arbeitsfähigen Alter hatten 119 eine Stelle, dies sind 18,6 Prozent. Allerdings liegen die Eritreer auch hier unter dem kantonalen Schnitt von 20,6 Prozent. Besser sieht es aus, wenn sie länger hier leben: Bei den anerkannten Flüchtlingen aus Eritrea, die zwischen vier und fünf Jahre im Aargau sind, liegt die Erwerbsquote bei 27,8 Prozent.

Arbeitsgruppe sucht Lösungen

Bereits im vergangenen Jahr hat der Kanton erkannt, dass die Integration von Eritreern problematisch ist. Darum wurde eine Sitzung mit jenen 14 Gemeinden durchgeführt, in denen am meisten Eritreer leben. Der Kanton gründete eine Arbeitsgruppe mit Vertretern mehrerer Departemente, die sich mit dem Thema befasst. Die Arbeiten sind in jene der Task Force Flüchtlingswesen integriert worden, die der Kanton mit den Gemeinden ins Leben gerufen hat. Bruder: «Diese ist nun daran, Massnahmen zu erarbeiten, dabei geht es schwergewichtig um die Erwerbsintegration.»

Hochuli forderte damals mehr Geld vom Bund für die Integration der Eritreer – und warb offenbar in Bern für ihr Anliegen. «Sie hat die Situation gegenüber dem Staatssekretariat für Migration in Gesprächen thematisiert», sagt Balz Bruder. Ausserdem werde die Konferenz der kantonalen Sozialdirektoren die Kosten für die Integration von allein reisenden jugendlichen Asylbewerbern erheben – von dieser Gruppe kommen besonders viele aus Eritrea.