Nagra
Aktualisiert am 23.01.12, um 06:32 von Hubert Keller
 

Nagra-Standorte: Niemand will ein Endlager für radioaktiven Abfall

Nicht nachvollziehbar: Der Standort in Kölliken...
Die betroffenen Gemeinden Kölliken, Suhr und Däniken wehren sich gegen die Vorschläge der Nagra für Oberflächenanlagen. Der Nagra wird hierbei auch mangelndes Fingerspitzengefühl angeschrieben. von Hubert Keller
 

«Nicht geeignet» (Däniken), «Standort nicht nachvollziehbar» (Suhr), «Kommt nicht infrage» (Kölliken) – kaum hatte die Nagra ihre Vorschläge für die Oberflächenstandorte eines späteren Endlagers bekannt gegeben, konnte man fragen, wen man wollte: Die ablehnende Haltung zog sich wie ein roter Faden durch alle Statements.

«Wir wussten ja, dass in der Region Jura Südfuss vier Standorte evaluiert werden, doch der Standort Suhr hat mich dann doch überrascht», gab Gemeindepräsident Beat Rüetschi zu Protokoll. Für ihn ist der Standort in der Nähe von Lebensmittelbetrieben «nicht nachvollziehbar». Das Areal in seiner Gemeinde liegt neben einem Verteilzentrum und grenzt an Naherholungsgebiet (Schwimmbad) und Wyna.

Bevölkerung kann sich einmischen

Beat Rüetschi, der in seiner Gemeinde «keine Begeisterung» erwartet, wie er lakonisch meinte, ist Mitglied der Leitungsgruppe der Regionalkonferenz Jura Südfuss. Die Regionalkonferenz bildet die Plattform für die regionale Partizipation bei der Standortfrage. Sie stellt den 46 Gemeinden (Bevölkerung, Institutionen, Interessengruppen) innerhalb des Standortperimeters Jura Südfuss ein Instrument zur Mitwirkung zur Verfügung. Eigentlich gehörte auch die Stadt Lenzburg dazu, doch diese wollte nicht mitmachen.

Die Leitungsgruppe wird am 26. Januar erstmals zusammenkommen. Die Stellungnahmen der Regionalkonferenzen werden bis Ende Jahr erwartet. Gestützt darauf wird die Nagra dann einen Standort pro Region bestimmen.

Bevor eine sachliche Diskussion beginnen kann, muss sich die Aufregung legen. Diese äusserte sich in Kölliken als Fassungslosigkeit und Konsternation. «Der Vorschlag für einen Standort Kölliken ist nicht nachvollziehbar und gegenüber einer Gemeinde, die noch immer unter den Folgen der Sondermülldeponie der Kantone Aargau und Zürich, der Stadt Zürich und der Basler Chemie leidet, nicht von Feingespür und Verantwortung geprägt», liess der Gemeinderat Kölliken verlauten.

Die Anlage käme in den Bereich eines Grundwasserstroms zu stehen, der die Wasserversorgungen von Kölliken und Oberentfelden massgeblich speist. Gemeindeammann Roland Brauen ist überzeugt: «Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen werden sich als nicht tragbar erweisen.»

Nur Kombilager sinnvoll

In der Region Jura Südfuss stehen nur Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle zur Diskussion. Für Kurt Henzmann ist klar: «Zwei Lager, eines für hoch radioaktive und ein zweites für schwach- und mittelaktive Abfälle sind weder ökonomisch noch ökologisch sinnvoll.» Auch Gery Meier, Gemeindepräsident von Däniken, wo zwei Standorte bezeichnet werden, stösst ins gleiche Horn: «Der Gemeinderat von Däniken ist weiterhin der Ansicht, dass nur ein Kombilager für hoch radioaktive und für schwach- und mittelradioaktiven Abfall – am dafür sichersten Ort in der Schweiz – Sinn macht.»

Bereits die sozioökonomische Studie, welche im Auftrag der Gemeindeammännerkonferenz Niederamt Akzeptanz und Auswirkungen eines zweiten Atomkraftwerks Gösgen untersuchte, stellte fest: Die Pläne für ein Tiefenlager werden breit abgelehnt; 71 Prozent der Bevölkerung sprechen sich gegen ein Tiefenlager in ihrer Region aus. Die Haltung war damals, noch vor Fukushima, klar: Lieber ein neues Kraftwerk als das Lager, lieber keine Anlage als beide.

(az)
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