Geri Müller hat an zwei Tagen im Februar 2014 Nacktaufnahmen von sich im Badener Stadthaus gemacht und diese seiner damaligen Geliebten geschickt - teilweise während der Arbeitszeit. «Die Sekretärin ist weg», schrieb er auf Whatsapp - und weiter: Wenn sie ins Büro reinkommen würde, würde er sie fragen, «ob sie sich bedienen will». Das schreibt die «Schweiz am Sonntag». 

Müller im Sex-Chat weiter: «Könnte ja auch ein Mann reinkommen.» Und ein anderes Mal um 14.59 Uhr lakonisch: «Im Büro. Bin schon erregt. Hab nur noch das T-Shirt an.» 

Der Zeitung würden nicht nur das Protokoll des Chats mit weiteren heiklen Aussagen vorliegen, sondern auch die Selfies. Die Dokumente seien unzweifelhaft echt. Auch aus dem Nationalratssaal habe der bekannte 53-jährige Politiker der jungen Frau, einer Bernerin, fragwürdiges Bildmaterial geschickt. Der Aargauer Politiker führte ab Februar 2014 mehrere Wochen lang mit ihr eine Online-Chat-Beziehung und traf sich auch mit ihr. 

Hat Geri Müller ihr gedroht?

Die Frau richtet schwere Vorwürfe an die Adresse ihres von Geri Müller. Als die Affäre zu Ende war, habe er sie unter Druck gesetzt, den Sex-Chat zu löschen und das Handy abzugeben. Nachdem sie sich weigerte, habe er ihr gesagt: «Die Chance ist gross, dass du es bald nicht mehr hast.» Für diese Aussage - die Frau versteht sie als Drohung - liege ein Beweis vor, so die «Schweiz am Sonntag». 

Diese berichtet weiter, dass die Stadtpolizei Baden die Frau am Mittwoch aufgriff. Die Bernerin vermute, dass Müller sein Amt missbrauche, indem er sie verhaften und ihr Handy beschlagnahmen lassen wollte. Die Kantonspolizei bestätigte der «Schweiz am Sonntag» die sogenannte Anhaltung. Allerdings sei die Stadtpolizei Baden, entgegen der Vermutung der Bernerin, nicht von Geri Müller, sondern von der Kantonspolizei Aargau losgeschickt worden. Und diese wiederum habe eine Meldung von der Kantonspolizei Bern erhalten, dass die Frau nach Baden unterwegs sei. Gemäss zuverlässigen Quellen solle jedoch Geri Müller die Kapo Bern alarmiert haben. Er war also doch sozusagen der Auslöser der Anhaltung. 

Der Politiker wollte sich selbst nicht äussern. Auf die Frage der «Schweiz am Sonntag», ob er eine Frau verhaften liess, sagt er, es sei alles sehr kompliziert. «Ich kann das weder bestätigen noch dementieren.»

Die Zeitung schreibt, die Erklärungsversion Müllers zu kennen. Demnach habe er am Mittwoch die Meldung bei der Kantonspolizei gemacht, und zwar als «Bekannter». Er habe von ihr mehrere SMS erhalten, in denen sie mit Selbstmord gedroht habe.

Doch die Badener  Beamten hätten sich dann gar nicht für ihre angebliche Selbstmordgefährdung interessiert. Stattdessen hätten sie versucht, die Frau zu überzeugen, das Smartphone abzugeben. Das habe sie jedoch nicht getan.

Am nächsten Tag tauchte dann die Berner Kantonspolizei bei ihr mit Durchsuchungsbefehl auf und beschlagnahmte mehrere Smartphones und zwei Laptops. Wegen des Verdachts auf illegale Aufzeichnungen von Gesprächen wurde sie zur Herausgabe aufgefordert. 

Die Frau hat tatsächlich heimlich Gespräche mit Geri Müller aufgenommen, und zwar nach seiner Aufforderung, Chats zu löschen und das Handy abzugeben. Sie befürchtete, man werde ihr später nicht glauben, dass sie bedroht worden sei. 

Die Grünen Aargau reagierte heute Morgen mit einem Tweet über die Geschichte: «Üble Sache, Geri. Deine Integrität ruhe in Frieden.» Später allerdings folgte ein zweiter Tweet, der darauf hinwies, das dies keine offizielle Mitteilung gewesen sei. (pz)

Grünen-Aargau-Tweet auf Vorwürfe an Geri Müller

Tweet 2 der Grünen Aargau zu Gerigate