Was vor einigen Jahren noch ganz normal war, ist heute vielerorts verboten: Rauchen in geschlossenen Räumen. Das Verbot soll die Bevölkerung vor dem schädlichen Zigarettenrauch schützen, doch in welchem Ausmass dies der Fall ist, war bislang unklar. Erstmals liegt nun eine schweizweite Untersuchung vor, welche die Auswirkungen eines Verbots untersucht.

Die Studie, welche die «Sonntagszeitung» publik gemacht hat, kommt unter anderem zum Schluss, dass in den Kantonen, die vergleichsweise lockere Vorgaben kennen, seit der Einführung des Verbots durchschnittlich über 9 Prozent mehr Patienten mit der Krankheit COPD, bekannt als Raucherlunge, ins Spital eingeliefert wurden. Bei jenen Kantonen mit strengeren Bestimmungen registrierten die Studienautoren eine Abnahme um 5,3 Prozent.

Im Aargau nur die Mindestanforderung

Im Aargau, der ebenfalls zu den liberaleren Kantonen zählt, nahmen die Spitaleinweisungen wegen COPD-Fällen sogar um 17 Prozent zu. Allerdings seien die Zahlen zu einzelnen Kantonen mit Vorsicht zu behandeln, sagt Studien-Mitautor Martin Röösli, Professor für Umweltepidemiologie am Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut. «Angesichts der eher tiefen Zahl untersuchter Fälle könnten auch zufällige Schwankungen eine Rolle spielen.» Insgesamt sei der Befund aber eindeutig: Ein strenges Rauchverbot wirkt sich positiv auf die Häufigkeit von typischen Raucherkrankheiten aus. Dass die Studie direkte Konsequenzen in der Tabakprävention haben wird, glaubt Röösli eher nicht.

Verglichen mit anderen Ländern werde die Schweiz das Verbot wohl auch in Zukunft eher lasch umsetzen. Der Aargau zählt zu den elf Kantonen, die sich an die Mindestanforderungen des Bundesgesetzes zum Schutz vor Passivrauchen halten, darüber hinaus jedoch keine schärferen Bestimmungen eingeführt haben. Raucherlokale sind erlaubt, dürfen aber nicht grösser als 80 Quadratmeter sein, müssen über eine ausreichende Belüftung verfügen und deutlich als solche gekennzeichnet sein. Wer ein Raucherlokal betreiben will, benötigt dazu eine Ausnahmebewilligung. 231 waren es Ende 2016 – 19 mehr als noch 2011.

"Der Aschenbecher Europas"

Auch die Zahl der Fumoirs stieg in den letzten fünf Jahren an: von 296 auf 378.
Ob die Restaurantbetreiber die Bedingungen einhalten, wird bei der ordentlichen Lebensmittelkontrolle überprüft. Das Gesetz sieht bei Verstössen eine Busse von bis zu 1000 Franken vor. Anja Kopetz, Sprecherin des kantonalen Gesundheitsdepartements, sagt auf Anfrage: «2015 erfolgten 13 Strafanzeigen vonseiten des Amts für Verbraucherschutz, da die Voraussetzungen für das Betreiben eines Raucherlokals beziehungsweise eines Raucherraumes nicht gegeben waren.» Die Zahlen für 2016 liegen noch nicht vor.

«Die Schweiz ist der Aschenbecher Europas»

Die wichtigsten Momenten aus der Sendung «TalkTäglich» zum Thema Rauchen im Aargau mit Bruno Lustenberger, Präsident Gastro Aargau, und  Silvia Loosli von der Lungenliga Aargau.

Auch in der Sendung «TalkTäglich» auf Tele M1 ist am Dienstagabend die liberale Raucherregelung im Aargau thematisiert worden. Bruno Lustenberger, Präsident von Gastro Aargau, betonte: «Die Regelung im Aargau ist zwar lascher als anderswo, dafür wird sie strenger durchgesetzt.» Und wer in ein Fumoir gehe, tue dies freiwillig. Man dürfe in Gastrobetrieben nicht noch mehr verbieten.

Silvio Loosli von der Lungenliga Aargau widersprach: «Wo das Gesetz strenger ist, gibt es auch weniger Raucherkrankheiten, das zeigt die Studie.» Ginge es nach Loosli, müssten zumindest bediente Fumoirs auch im Aargau verboten werden.