Landammann Roland Brogli konnte den Tag unbeschwert geniessen. Abgerückt von Tageshektik und Sparplänen frönte der Finanzdirektor seinem beruflichen Hobby, dem Wein. Die Staatswein-Kürung ist eine geniale Erfindung, sie geht schon ins neunte Jahr und wird von anderen Kantonen bewundert und kopiert. Der freie Wettbewerb spornt immer mehr Winzer zu Höchstleistungen an – im Sommer im Rebberg, zur Winterzeit bei der Kelterung.

Aus dem Rekord von 93 Weinen hat eine Fachjury vorselektioniert und 16 Weine in den Final geschickt. Darum steckte Roland Brogli seine Nase im Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg an diesem herrlichen Sommertag tief ins Glas, statt in irgendwelche Zahlenberge. Und Rebbaukommissär Peter Rey notierte die Bewertungen der 15 Juroren, um daraus den Tagessieger jeder Kategorie zu errechnen. Darüber herrschte strikte Geheimhaltung, was nicht leicht war, bei schon etwas lockerer Zunge aufs Maul hocken zu müssen. Vor allem beim Apéro, als die ebenfalls rekordgrosse Anzahl von Gästen aus Politik, Verwaltung und den Rebbauern eintraf.

Diese wurden noch lange auf die Folter gespannt, mit Sinneslust (statt Fussballfrust) zelebrierte der heimliche Weinkönig Roland Brogli den Gala-Abend auf Schloss Liebegg. Mit dem Zitat: «Der Wein ist geschaffen, dass er die Menschen soll fröhlich machen», griff er bis ins Alte Testament zurück. Die hervorragende Arbeit der Aargauer Winzerinnen und Winzer lobte er in den höchsten Tönen. Bei Staatsanlässen bekomme die Regierung immer wieder Komplimente, wenn sie den Staatswein ausschenke. «Der Aargauer Wein ist mir eine wahre Herzensangelegenheit», bekannte Brogli, dem es sichtlich Freude macht, «mit den edelsten Tropfen unseres wunderbaren Kantons beste Werbung zu machen. Mit einem Produkt aus seinem Departement, zu dem die Landwirtschaft gehört.

Die grosse Spannung trieb Weinprofi und Kommentator Georg Hess erneut in die Höhe, als er sämtliche Nuancen der Weine in der Nase und im Gaumen in alle Einzelteile zerlegte. Ohne Eingriff durch Moderatorin Patricia Kettner von Broglis Generalsekretariat wäre er noch jetzt am Referieren. Erst zwischen den Speisen aus der Eichhof-Küche, als die Schweizer Nati schon ins Elend stürzte, durften die Finalisten auf die Bühne.

Die Sieger haben mit ihren edlen Tropfen schon viel Edelmetall geholt. Aber über die hohe Auszeichnung zum Aargauer Staatswein (siehe unten) strahlten sie um die Wette: Peter Schödler aus Villigen, Guido Oeschger von der Wiler Trotte, Marcel Biland aus Birmenstorf und az-Verleger Peter Wanner vom Bickgut Würenlos. Anerkennung und Applaus bekamen alle, die Sieger waren meist nur um Zehntel im Vorsprung.