«Es ist traurig», sagt Wirat Raksamitsanti, «aber was soll ich tun? Das ist der Lauf der Welt.» Seit sieben Jahren wirtet Raksamitsanti im «Typisch Thai» am Kreuzplatz – gleich lange, wie zuvor in der Alten Post Aarburg.

Doch die Zeit für ihn, seine Frau und die drei Kinder läuft ab. Der Kanton hat Land und Liegenschaft gekauft und wird künftig mit der Gemeinde als neue Eigentümerschaft auftreten. In zirka drei Jahren soll die «Traube» abgerissen werden.

Stattdessen entsteht eine Wohn- und Gewerbeüberbauung. Für Wirat Raksamitsanti war die «Traube» ein Glücksfall. «Zu einem ähnlich günstigen Zins woanders ein Restaurant mit Wohnungen zu finden ist schwer», gibt er zu bedenken.

Letzter Besitzer war die Barko Immobau AG. Diese hatte Wirt Raksamitsanti aus 200 Bewerbern ausgesucht. Die Firma aus Sursee kaufte das überschuldete Haus vor neun Jahren – «ein Schnäppchen», erinnert sich Geschäftsleiter Jost Krummenacher.

Der Kanton will den neuen Kaufpreis zwar unter Verschluss halten, diese Zeitung weiss aber: Es geht um rund 950 000 Franken, und die Gemeinde beteiligt sich mit 47 Prozent. Dass Kanton und Gemeinde gemeinsame Sache machen, ist ein Novum, macht hier aber Sinn, da sowohl der kommunale Gestaltungsplan als auch die kantonale Strassenraumgestaltung zu berücksichtigen sind. Ammann Julius Fischer sagt: «Für uns ist der Erwerb eine grosse Chance.»

Denkmalschutz: «Bedauerlich»

Weniger Freude hingegen hatte die kantonale Denkmalpflege. Denkmalpflegerin Katja Lesny: «Wir bedauern, dass keine Lösung zur Erhaltung des Restaurants Traube erzielt werden konnte.» Zwar hat die Liegenschaft keinen verbindlichen Schutzcharakter. Dennoch sei sie als Kulturobjekt erhaltenswert.

Steinig war daher der Weg bis zum Handwechsel. Schon die Barko Immobau wollte ausbauen, scheiterte jedoch an den Rahmenbedingungen. Den damaligen Ärger hat Krummenacher verdaut. Er macht aber keinen Hehl daraus, dass die Traube ohnehin «nicht wahnsinnig schön ist und auch keinem fehlen wird».

Für Ammann Julius Fischer und Bauverwalter Peter Göldi tun sich neue Möglichkeiten auf.

Für Ammann Julius Fischer und Bauverwalter Peter Göldi tun sich neue Möglichkeiten auf.

Jetzt, da das Land ins öffentliche Eigentum übergegangen ist, ist das Unmögliche möglich geworden. Denkmalschutz und Gemeinde haben einen Kompromiss gefunden. Demzufolge kann neu gebaut werden – allerdings mussten die Pläne redimensioniert werden.

Aus Rücksicht auf die umliegenden Bauten – vor allem auch die geschützte Liegenschaft der Clientis Sparkasse gegenüber – ist beispielsweise die Gebäudehöhe beschränkt. «Unter dem Strich kann nicht so dicht und hoch gebaut werden, wie an diesem prominenten Ort wünschenswert gewesen wäre», sagt Bauverwalter Peter Göldi.

Verwaltung und Behörden blicken aber nach vorne: Der Kauf ist nach dem Erwerb des Strabag-Areals ein weiterer Beweis für das starke Engagement der Gemeinde für die Zentrumsentwicklung.

«Als Eigentümer können wir aktiv Einfluss nehmen», erklärt Göldi. Und Ammann Fischer ergänzt: «Ein Privater hätte die komplexen Verhältnisse gar nie handhaben können. Nun haben wir die Möglichkeit, dieses Areal zugunsten unserer Einwohner sinnvoll zu gestalten.»

Wettbewerb ist zwingend

Auch wenn der Kanton Haupteigentümer ist: Die Gemeinde will mehr als nur ein Wörtchen mitreden. Was konkret gebaut wird, ist offen, doch keineswegs dem Zufall überlassen. Aufgrund der Sondernutzungsvorschriften muss ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben werden. Dieser wird den Vorstellungen von Kanton und Gemeinde Rechnung tragen.

Ein Wettbewerb mit einem attraktiven Gewinn sei nötig, sagt Fischer. Aufgrund der Bauauflagen sei eine Überbauung für ein Unternehmen ansonsten weniger attraktiv. Bauen werden nämlich nicht Gemeinde oder Kanton, sondern ein noch zu definierendes Privatunternehmen.

Der Wettbewerb soll noch dieses Jahr gestartet werden. Weitere Verhandlungen sind unumgänglich. Auf der zu überbauenden Parzelle stehen nämlich noch weitere Liegenschaften, die alle in Privatbesitz sind.

Wirat Raksamitsanti will seine Gäste bis zum endgültigen Aus weiterhin mit gewohnt charmanter Art und schmackhafter Küche erfreuen.

Bis Ende 2018 kann er bleiben. «Finde ich vorher etwas Neues, gehe ich aber früher», stellt er klar. Raksamitsanti hofft nun auf Hilfe von aussen, um einen neuen, geeigneten Standort in der Region zu finden.