157 Aargauer Gemeinden befinden sich entweder in Zone 1 (Radius bis 5 Kilometer) oder Zone 2 (bis 20 Kilometer). 42 davon sind gar in der Schnittmenge von Gösgen und Beznau/Leibstadt. Betroffen sind 212000 Haushalte, rund 432000 Menschen. In diesen Gebieten kann für die Bevölkerung bei einem Unfall eine Gefahr entstehen, die schnelle Schutzmassnahmen erfordert. Einzig Teile des Freiamts und des Seetals sind nicht in diesen Zonen integriert.

Oberstes Gebot: Radio hören

Die Dokumentation wurde vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz in allen neun betroffenen Kantonen in der Schweiz, in insgesamt 628000 Haushalte, verteilt. Rund ein Drittel stellt also der Aargau. Eine Checkliste zeigt, was der Bürger bei einem Atomkraftwerk-Unfall zu tun hat: Radio hören, Anweisungen der Behörden verfolgen, Nachbarn informieren. Dazu muss man sich allenfalls bereits auf einen Aufenthalt im Schutzraum oder Keller vorbereiten: Decken, Spielzeuge für Kinder und Jodtabletten parat machen.

Doch wie wird ein solcher Vorfall auf kantonaler Ebene behandelt? Die Atomkraftwerke sind verpflichtet, jedes Ereignis an die Nationale Alarmzentrale (NAZ), an das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) und an den Kantonalen Führungsstab zu melden. «In den meisten Fällen sind es Bagatellen», sagt René Müller, Stabschef des Kantonalen Führungsstabs und Leiter der Sektion Katastrophenvorsorge des Kantons Aargau. «Wenn eine Gefährdung der Bevölkerung jedoch nicht ausgeschlossen werden kann, gibt es einen ersten allgemeinen Alarm.» Das ist die so genannte Vorphase, die Zeit, um Schutzmassnahmen vorzubereiten.

In die Schutzräume

«Im schlechtesten Fall haben wir noch mindestens vier Stunden, bis radioaktive Stoffe freigesetzt werden», sagt Müller. Kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass radioaktive Stoffe in die Umwelt gelangen, wird die Bevölkerung nach einem weiteren allgemeinen Alarm per Radio aufgefordert, in ihre Keller oder Schutzräume zu gehen. Wenn Fenster und Aussentüren geschlossen sind, sei es auch möglich, sich innerhalb des Hauses kurz zu bewegen. Doch Müller geht davon aus, dass man höchstens Stunden bis wenige Tage im Keller oder Schutzraum sein muss.

Sollten radioaktive Stoffe freigesetzt werden, wird genau beobachtet, wie sich die Wolke bewegt und welche Gemeinden in der Abwindzone des Atomkraftwerkes liegen. Diese Gemeinden würden auch namentlich über Radio genannt. Ausserhalb dieses Gebietes baut der kantonale Führungsstab eine Kontaktstelle auf, wo sich die Betroffenen unter anderem ärztlich untersuchen lassen können.

Evakuation

«Wir gehen davon aus, dass in diesem unwahrscheinlichen Extremfall rund 50 Prozent der Menschen aus den Zonen 1 und 2 flüchten würden», sagt Müller. Im Extremfall müssten aber Bevölkerungsteile aus den Zonen 1 und 2 evakuiert werden. «Dies würde eintreffen, wenn man nicht ausschliessen kann, dass die Situation eskaliert», sagt Müller. Doch so weit ist es bis jetzt noch nie gekommen.

Für Fragen betreibt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz bis 10. Februar eine kostenpflichtige Hotline: 0612020569.