Ab dem 1. Januar 2018 müssen alle Einbürgerungswilligen eine Niederlassungsbewilligung, also einen C-Ausweis haben. Die Grünen verlangen in einem Vorstoss, dass die Regierung alle möglichen Kandidaten mit Ausweis B (Aufenthaltsbewilligung) oder F (vorläufige Aufnahme) über die Deadline informiert. Die letzte Woche eingereichte Motion wurde heftig diskutiert, der Grosse Rat hat es abgelehnt, sie dringlich zu behandeln.

Doch wie viele Ausländer im Aargau sind überhaupt von der neuen Regelung betroffen? Das kantonale Migrationsamt teilt auf Anfrage mit, es könne keine entsprechenden Daten liefern. Auch die Ausländer- und Asylstatistik des nationalen Staatssekretariats für Migration helfen bei dieser Frage nicht weiter. Zwar gibt es Zahlen über Ausländer mit B- und F-Status im Aargau, doch es lässt sich daraus nicht ermitteln, wie viele von ihnen zwölf Jahre hier leben, also die zeitliche Voraussetzung für eine Einbürgerung erfüllen.

Ausweis B und C

Im «TalkTäglich» auf Tele M1 vom Dienstag und in einem az-Artikel hiess es, das kantonale Migrationsamt prüfe bei EU-Ausländern nach fünf Jahren automatisch die Erteilung der Niederlassungsbewilligung. Dies gilt aber nur für folgende Länder: Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Liechtenstein, Griechenland, Italien, Österreich, Portugal, Spanien, Finnland, Grossbritannien, Irland, Island, Luxemburg, Norwegen, Schweden.

Bis zu 20 Prozent betroffen?

Ein Blick in den Kanton Zürich ergibt immerhin einen Anhaltspunkt. Vor fünf Jahren berichtete der «Tages-Anzeiger» im Vorfeld einer kantonalen Abstimmung, bei der es ebenfalls um Ausweiskategorien für die Einbürgerung ging, über das Thema. Damals schätzte das Zürcher Gemeindeamt, «dass jeder fünfte bis sechste Antrag von einer Person mit Ausweis F oder B stammt». Es handle sich primär um junge Menschen zwischen 10 und 20 Jahren. Dies ist naheliegend, denn bei Einbürgerungswilligen in dieser Altersgruppe zählen die Jahre doppelt, die Personen in der Schweiz verbracht haben.

Realisation: Elia Diehl

Geht man davon aus, dass die Verhältnisse im Aargau ähnlich sind, lässt sich annäherungsweise berechnen, wie viele Personen von der verschärften Regelung betroffen wären. 2016 wurden im Aargau 3097 Personen eingebürgert – wäre das neue Gesetz, das ab 2018 gilt, bereits in Kraft, hätten geschätzt wohl 500 bis 600 Ausländer gar kein Gesuch stellen können.