Als kurz vor Ostern eine Welle von Hackerangriffen über die Schweiz rollte, wurde auch der Aargau nass. Das bestätigen Staatsanwaltschaft und Aargauer Unternehmen auf Nachfrage der az. Einige der betroffenen Firmen haben Strafanzeige eingereicht – gegen unbekannt. Die Aussichten auf einen Ermittlungserfolg sind gering. Wie die «SonntagsZeitung» schreibt, wurden im Kanton Zürich im Jahr 2014 zwar 265 Anzeigen erstattet – aber nur 13 mündeten in einen Strafbefehl oder eine Anklage. Und dies, obwohl der Kanton Zürich der einzige ist, der in Fällen von Cyber-Kriminalität auf ein spezialisiertes Team aus elf Ermittlern und zwei Staatsanwälten zurückgreifen kann.

Wenn es im Aargau um Kriminalität im Internet geht, ermittelt in der Regel die Fachstelle IT-Forensik, eine Unterabteilung der Aargauer Kriminalpolizei. Externe Spezialisten werden laut Polizeisprecherin Barbara Breitschmid keine hinzugezogen. In den letzten beiden Jahren hat die Kantonspolizei jeweils rund 80 Anzeigen registriert. «Wir können keine Tendenz feststellen. Auch 2016 verläuft die Entwicklung auf gleichem Niveau», sagt Breitschmid. Allerdings ist die Zahl mit Vorsicht zu nehmen.

Denn: Sie bezieht sich einzig auf die zwei eindeutigen Straftatbestände unbefugte Datenbeschaffung und unbefugtes Eindringen in ein Datenverarbeitungssystem. Je nach Fall kann es sich aber auch um Betrug, Nötigung oder weiteres handeln – und sowohl der Polizei als auch der Staatsanwaltschaft ist es so kaum möglich, die Zahl aller Fälle herauszufiltern. Eine Nachfrage bei der Kobik, der Bundesfachstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität, ergibt zudem, dass Fallzahlen in Bern nicht kantonal erfasst werden.

Aarauer suchen Hacker-Talente

IT-Sicherheitsexperte Rolf Hefti sagt: «Das Risiko, geschnappt zu werden, ist für einen Angreifer relativ klein.» Denn: Die meisten Attacken erfolgten aus dem Ostblock oder aus Asien, entsprechend verlören sich die Spuren im World Wibe Web. Das Aarauer Unternehmen terreActive AG versucht derweil, neue Hacker-Trends aufzuspüren: Es sponsert den «Swiss Cyber Storm», einen Hacker-Wettbewerb, der jährlich im Luzerner KKL ausgetragen wird. «Da sehen wir, wie sich die Qualität entwickelt. Und wir können entsprechende Talente finden und zu uns nach Aarau holen», erklärt Hefti. Wichtig sei zudem der Erfahrungsaustausch zwischen Experten und Firmen. Mit dem Bund habe sich in den letzten Jahren ebenfalls ein reger Austausch entwickelt. Künftig mehr Engagement erhofft sich Hefti vom Kanton.