Viel wurde schon geschrieben über die Wahlen vom letzten Herbst im Aargau, doch eine Frage ist bislang unbeantwortet geblieben: Wer hat wen gewählt? Zum ersten Mal ist diese Frage nun nach Grossratswahlen im Kanton Aargau von den beiden Politologen vom Zentrum für Demokratie Aarau (ZDA), Thomas Milic und Uwe Serdült, untersucht worden. Basis für die neue Studie ist eine Onlinebefragung von rund 1500 Aargauer Wahlberechtigten. Die Befragung erfolgte zwischen dem 21. und 24. Oktober über einen Fragebogen auf der Website der Aargauer Zeitung.

Bis anhin wurden die Stimmberechtigten meist telefonisch befragt. Kein leichtes Unterfangen in Zeiten, in denen viele Personen über keinen Festnetzanschluss mehr verfügen. Nachbefragungen über Websites sind zudem deutlich günstiger, ermöglichen aber dennoch gute Stichproben. «Den Onlinebefragungen gehört die Zukunft», sagt Uwe Serdült, einer der beiden Studienautoren. Verzerrungen gibt es aber auch dabei, weshalb die Antworten gewichtet werden. Ein Beispiel: Haben sich überdurchschnittlich viele junge Personen beteiligt, muss dies wieder ausgeglichen werden, um eine möglichst genaue Abbildung jener 32,8 Prozent der Aargauer Bevölkerung zu erhalten, die im Herbst an die Urne gingen. Die Ergebnisse gewähren Einblicke in die sozialen Merkmale der Anhänger der fünf wählerstärksten Parteien – aufgeteilt in sieben Kategorien: Alter, Geschlecht, Bildung, Konfessionszugehörigkeit, Haushaltseinkommen, Erwerbsstatus und berufliche Stellung. Ablesen lässt sich etwa, welche Partei besonders gut bei Frauen (SP), bei Katholiken (CVP), bei über 60-Jährigen (FDP), bei Jungen (Grüne) oder bei Büezern (SVP) ankommt.

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Die Wähler entscheiden freier

Im Unterschied zu früher sind die Entscheide weniger stark durch die sozialen Milieus geprägt. Thomas Milic: «Lange Zeit war das Umfeld, in das jemand hineingeboren worden ist, entscheidend für die Parteipräferenz.» Das habe sich stark verändert. «Heute bilden sich die Wähler ihre Meinung aufgrund eigener Erfahrungen und sind als Individuum freier bei ihrem Entscheid.» Uwe Serdült greift zum Stift und zeichnet mit Pfeilen, was die Forschung bewiesen hat: Soziale Merkmale beeinflussen die politische Einstellung, die wiederum einen noch grösseren Einfluss auf den Wahlentscheid haben.

Beweis für rechten Aargau

Die Nachbefragung, die mit finanzieller Unterstützung der Freunde des Zentrums für Demokratie Aarau realisiert werden konnte, gibt auch Aufschluss über die politische Ausrichtung des Kantons Aargau, der gemeinhin im Ruf steht, politisch rechts ausgerichtet zu sein. Und tatsächlich schreiben die Studienautoren: «Die Wählenden tendieren stärker nach rechts als die Gesamtschweiz.» Angesichts vergangener Wahl- und Abstimmungsergebnisse sei dies zwar zu erwarten gewesen, doch nun liege auch «die empirische Evidenz» vor, wie in der Studie steht. Demnach gebe es für die Parteien rechts der Mitte das deutlich grösste Wählerpotenzial abzuholen.