Als «Schläger vom Döttinger Winzerfest» machte der heute 29-jährige Burim K.* Schlagzeilen. Ein Gericht verurteilte den Kosovaren aus dem Aargau zu sieben Jahren Gefängnis – wegen versuchter vorsätzlicher Tötung. Nach der Ausschaffung kehrte K. vor einem Jahr trotz Einreisesperre in die Schweiz zurück – und wurde wieder straffällig. Die az berichtete letzte Woche. Jetzt zeigt sich, wie leicht die Behörden ihm die Rückkehr machten: Bei seiner Ankunft in Basel bekam er fälschlicherweise eine Einreiseerlaubnis des Migrationsamts ausgehändigt. Burim K. hatte geltend gemacht, er müsse sich medizinisch behandeln lassen.

Das Justiz- und Sicherheitsdepartement (JSD) des Kantons Basel-Stadt bestätigt die Recherchen. «Der Entscheid, diese Person einreisen zu lassen, war falsch», sagt Departements-Sprecher Martin R. Schütz.

Basel, Badischer Bahnhof, 16. Januar 2015, Schweizer Grenzwächter führten in der Nacht Zoll- und Personenkontrollen bei einreisenden Zugspassagieren aus Deutschland durch. Um 0.50 Uhr stoppten sie einen jungen Mann.

Badischer Bahnhof Basel: Hier reiste Burim K. mit Sondergenehmigung ein.

Badischer Bahnhof Basel: Hier reiste Burim K. mit Sondergenehmigung ein.

Der Kosovare trug weder einen Reisepass noch ein Schengen-Visum auf sich. Abklärungen zeigten dann, dass er gar nicht einreisen dürfte. «Die Person sagte gegenüber den Grenzwächtern, dass sie vom gültigen Einreiseverbot Kenntnis habe, wegen einer medizinischen Behandlung jedoch in die Schweiz einreisen müsse», sagt Patrick Gantenbein, Mediensprecher der Grenzwachtregion Basel.

Wie die «Aargauer Zeitung» herausfand, handelte es sich beim Reisenden um Burim K. Er war zurückgekehrt, um sich in einem Aargauer Spital operieren zu lassen – eine Spätfolge der Gewaltorgie vom Winzerfest 2007. Offenbar musste er eine Platte entfernen lassen, die ihm wegen einer Verletzung eingesetzt worden war.

Beamter wurde schriftlich ermahnt

Justizdepartements-Sprecher Martin R. Schütz sagt, dass in jener Nacht ein Mitarbeiter des Migrationsamts «im Rahmen einer nächtlichen Pikettauskunft gegenüber dem Grenzwachtkorps einer Person für eine medizinische Behandlung die Einreise» erlaubte – trotz Einreiseverbot. Auf Anweisung des Amts stellten die Grenzwächter dem Mann ein Dokument aus und zogen eine Kaution von 850 Franken ein.

Burim K. bekam eine Ausreisefrist von 30 Tagen. Der Entscheid wurde der Staatsanwaltschaft und dem Staatssekretariat für Migration (SEM) des Bundes rapportiert. Letztere wäre eigentlich die zuständige Stelle gewesen. Das SEM verfügt Einreiseverbote, kann diese aus humanitären oder anderen wichtigen Gründen aber auch vorübergehend aufheben. Im Wissen darum, dass dies aufgrund seiner kriminellen Vergangenheit aussichtslos gewesen wäre, versuchte K. ohne Gesuch einzureisen.

Nach dem «Fehlentscheid» im Migrationsamt wurde der Fall im JSD intern aufgerollt, analysiert und mit dem Sachbearbeiter besprochen. Der Mitarbeiter erhielt als arbeitsrechtliche Massnahme eine schriftliche Ermahnung.

Denner in Döttingen: Hier schlug Burim K. nach der Einreise wieder zu.

Denner in Döttingen: Hier schlug Burim K. nach der Einreise wieder zu.

Laut Recherchen liess sich Burim K. in den Tagen nach seiner Einreise tatsächlich in einem Spital operieren. Zwei Tage vor Ende der Ausreisefrist überfiel Burim K. dann den Denner in Döttingen. Nach kurzer Flucht schnappte ihn die Polizei. Hat er seine Strafe abgesessen, muss er die Schweiz verlassen – zum zweiten Mal.

* Name bekannt

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