Morgen Dienstag berät der Grosse Rat erstmals über das Sparpaket der Regierung - heute schon publiziert der Kanton auf seiner Website ein Factsheet mit dem Titel «Schlanke und effiziente Verwaltung im Aargau». Kein Zufall, wie Finanzdirektor Roland Brogli erklärt: «In der Diskussion über die Leistungsanalyse wurden Forderungen nach einem pauschalen Stellenabbau erhoben - teilweise verbunden mit einer undifferenzierten, manchmal sogar polemischen Abqualifizierung der Verwaltung und des öffentlichen Sektors insgesamt.» Der Regierungsrat wolle mit der Studie bewusst eine vermehrt faktenbasierte Diskussion ermöglichen. «Dass wir dies vor der Spardebatte im Grossen Rat tun, ist nur logisch», hält Brogli fest.

Die nun vorliegende Studie zeigt, dass der Aargau im Vergleich mit den Nachbarkantonen Bern, Basel-Landschaft, Luzern, Solothurn, Zug und Zürich die tiefste Verwaltungsquote hat. Diese ergibt sich aus der Anzahl der Kantonsangestellten pro 1000 Einwohner. Mit einem Wert von 8,7 steht der Aargau bei dieser Kennzahl an der Spitze, der schweizerische Durchschnitt liegt mit 17,8 mehr als doppelt so hoch.

Studie basiert auf Daten von 2008

Die Auswertung, die Christophe Koller vom Forschungsteam Badac (Datenbank über die Schweizer Kantone und Städte) der Universität Lausanne für den Kanton Aargau erstellt hat, basiert auf Zahlenmaterial aus dem Jahr 2008. Ergänzt wurden dieses mit Daten der eidgenössischen Finanzverwaltung aus dem Jahr 2011. Dennoch seien die Ergebnisse auch heute noch aussagekräftig, sagt Finanzdirektor Brogli: «Der Trend, wonach der Aargau zu den Kantonen mit der geringsten Verwaltungsdichte gehört, kann bis heute bestätigt werden.» Dies habe unter anderem ein Artikel der «Sonntags-Zeitung» gezeigt, die im Oktober 2013 titelte: «Grosser Kantonsvergleich: Aargauer sind die Sparsamsten».

Brogli betont, der Regierungsrat habe seine «kosten- und ausgabenbewusste Politik» seit 2008 nicht geändert. Als Beispiel führt er an, dass die Regierung in der laufenden Budget- und Planungsrunde einen Personalstopp verfügt hat. Der Finanzdirektor hält fest: «Der interkantonale Vergleich zeigt, dass wir eine schlanke Verwaltung haben, die ihre Aufgaben sehr effizient erfüllt.»

Dennoch bedeutet eine Spitzenposition im Quervergleich mit ausgewählten Kantonen nicht, dass der Aargau beim absolut nötigen Minimum an Verwaltungsaufwand angelangt ist und keine Stellenkürzungen möglich sind. Gegen entsprechende Forderungen von bürgerlichen Politikern wehrt sich Brogli heftig: «Ich verwahre mich gegen einen pauschalen Stellenabbau ohne Berücksichtigung der negativen Auswirkungen auf Aufgaben und Leistungen.» Dies würde für die Menschen im Aargau zu spürbaren Auswirkungen führen und den Kanton insgesamt schwächen, sagt er. «Zum Beispiel, wenn sich wegen zu wenig Polizeikräften die Sicherheitslage verschlechtert, wenn bei Bewilligungsverfahren lange Wartezeiten entstehen oder wenn Museen ihre Öffnungszeiten kürzen müssen», führt Brogli aus.

Mehr Einwohner bringen mehr Stellen

In den letzten acht Jahren hat die Zahl der Verwaltungsangestellten im Aargau indes nicht abgenommen, sondern ist um 13,5 Prozent angestiegen. Berücksichtigt man das Bevölkerungswachstum, ist das Verhältnis von Kantonsstellen und Einwohnern seit 2006 aber praktisch stabil geblieben. Doch warum trägt das Bevölkerungswachstum automatisch zum Stellenwachstum bei?

«Vielfach ist gesetzlich gefordert, öffentliche Leistungen auf das Bevölkerungswachstum abzustimmen», begründet Roland Brogli. So sei zum Beispiel ein Verhältnis von einem Polizisten pro 700 Einwohner vorgeschrieben. Das Stellenwachstum der vergangenen Jahre sei aber auch durch die Übernahme neuer bundes- oder kantonalgesetzlicher Aufgaben entstanden. «Auch hier gibt es kaum Spielraum, wenn der Kanton durch Gesetzesbeschlüsse neue Leistungen zu erbringen hat», gibt Brogli zu bedenken.

Noch bevor die Studie publik wurde, hat Broglis Partei, die CVP, im Grossen Rat verlangt, die kantonale Verwaltung müsse von externen Fachleuten auf Sparpotenzial hin untersucht werden. Der Regierungsrat lehnt dies ab, und Brogli ist zuversichtlich, dass ihm das Parlament folgen wird. «Aufgrund der Daten, die wir nun liefern können, gehe ich davon aus, dass dieses Postulat keine Mehrheit finden wird», sagt er.