Spektakulär ist der Findling nicht nur wegen seiner Grösse, sondern auch wegen seines Gewichts: Ganze 124 Tonnen mussten angehoben und transportiert werden. Es ist der grösste Findling, der jemals aus einer Aargauer Kiesgrube geborgen wurde.


Vor Jahresfrist ist der Findling bei Abbauarbeiten in der Staffelbacher Kiesgrube Stoltenrain zum Vorschein gekommen. «Zuerst dachte ich, ich sei mit meinem Bagger auf Fels gestossen», sagt Sepp Lipp, Maschinist bei der Firma Fischer Kies + Beton AG, Staffelbach. Erst nach und nach habe er den Brocken freilegen und das riesige Ausmass erfassen können.

Fünf Stunden in 1,5 Minuten: Des Findlings kleine, aber spektakuläre Reise.

Natürlich ist Sepp Lipp auch dabei, wenn der Stein aus der Kiesgrube gehievt und an seinen neuen Bestimmungsort vor der Werkeinfahrt der Fischer Kies + Beton AG transportiert wird. Schliesslich ist es auch ein bisschen sein Stein.


Findling ist schützenswert
Rechtmässig ist der Findling im Besitz des Kantons Aargau. Die Abteilung für Umwelt hat ihn gemeinsam mit der Eidgenössisch-Technischen Hochschule (ETH) Zürich untersucht und für schützenswert befunden. «Solch grosse Findlinge sind grundsätzlich rar und sollten für kommende Generationen bewahrt werden», sagt Lea Kiefer, Fachspezialistin Rohstoffe und Geologie beim Kanton Aargau. Früher seien sie im Mittelland häufig als Bausteine verwendet worden und deshalb heute nur noch selten in der Landschaft vorhanden.

Der Staffelbacher Findling ist aber auch aufgrund seiner Beschaffenheit etwas Besonderes. «Er ist ungewöhnlich, weil er aus einem kalkigen Sandstein besteht, also aus einem Sedimentgestein, das wenig witterungsbeständig ist», so die Geologin. Normalerweise bestünden Findlinge nämlich aus kristallinen Gesteinen, wie etwa Granit, die viel robuster seien und die lange Reise mit dem Gletscher unbeschadeter überstehen würden.

Seit 26000 Jahren nicht mehr bewegt
Gemäss ersten Untersuchungen dürfte der Findling aus der Endmoräne zwischen Staffelbach und Kirchleerau stammen. Schätzungsweise vor 26 000 Jahren wurde das Geschiebe von einem Seitenarm des Reussgletschers hier abgelagert – während des letzten glazialen Maximums, wie die Experten sagen, also zu jener Zeit, als die Gletscher am weitesten ins Mittelland vorgedrungen waren. «Die Tatsache, dass ein Sandsteinbrocken in dieser Grösse vom nördlichen Alpenrand bis hierher transportiert worden ist, lässt darauf schliessen, dass er im Eis eingeschlossen und so geschützt gewesen sein muss», erklärt Lea Kiefer.

Der Kanton hat gemeinsam mit der Gemeinde Staffelbach den neuen Standort für den Findling evaluiert. «Es war nicht ganz einfach», sagt Lea Kiefer.

Man habe den Findling einerseits öffentlich zugänglich machen, ihn andererseits aber auch möglichst in der Nähe des Fundorts belassen wollen – nicht nur wegen des teuren Transports: Der rund 500 Meter lange Umzug hat immerhin Kosten in der Grössenordnung von 19 000 Franken verursacht. «Der Findling hat nur dann einen Wert, wenn er in der Nähe des Fundorts bleibt. Nur so beweist er eindrücklich die Kräfte des Gletschers.» Das tut er nun am Ortseingang von Staffelbach, wo er als Zeitzeuge der landschaftsprägenden Vergletscherungsperiode für jedermann öffentlich zugänglich ist.