Die Tierpflegerin Esther Senn und ihr Partner Ruedi Müller standen sich am Mittwochnachmittag die Beine in den Bauch. Um 15 Uhr sollten Marianne Brunner und Martin Schweizer von der Forschungsstation für Ziegen und Zwergziegen im Gehege an der Stadtmauer eintreffen, um die Stadtgeissen zu untersuchen.

Eine Stunde davor hatten sie sich mit Vertretern der Stadt Rheinfelden getroffen. Um die Haltung der Zwergzeigen waren in den vergangenen Wochen heftige Auseinandersetzungen entbrannt (die az berichtete). Es wurde 16 Uhr, bis Brunner und Schweizer zusammen mit Stadtbaumeister Urs Affolter, Werkhofleiter Andreas Frömcke, Amtstierarzt Urs Frei und dem kritisierten Geissenvater schliesslich erschienen.

Zuerst verwies Affolter den Geissenhalter Ruedi Müller aus dem Gehege. Müller hatte Anfang März Anzeigen gegen die Stadtbehörden, den kantonalen Veterinärdienst und den zuständigen Tierarzt eingereicht. Er und die Tierpflegerin Esther Senn kritisieren, die Geissen würden seit Jahren zu wenig zu fressen bekommen.

Dann gab Martin Schweizer eine gemeinsame Erklärung der Forschungsstation und der Stadt Rheinfelden ab: «Wir geben jetzt keine Auskünfte und wollen auch nicht abgelichtet werden. Es geht um die Tiere.»

Schweizer vertröstete die Medienleute auf ein gemeinsames Communiqué der Forschungsstation und der Stadt, das in den nächsten Tagen verschickt werden solle. Auf Nachfragen erklärte Schweizer, die Forschungsstation und die Stadt hätten sich «gefunden». Es gehe dabei auch um eine «Entschuldigung» von der Seite von Marianne Brunner. Wofür sich Brunner entschuldigen soll, blieb unklar. Die Beteiligten liessen sich nicht mehr entlocken. Brunner und Schweizer untersuchten darauf gemeinsam mit den Vertretern der Stadt und des Kantons jedes Tier.

Brunner hatte nach dem Tod der Geiss «Grisli» am 7. Februar ein Gutachten verfasst. Befund: Das Tier war vollständig ausgezehrt, und die zehn noch lebenden Zwergziegen zeigen Mangelerscheinungen. Brunners Gutachten stützte sich auf Fotos, Filme und Untersuchungsberichte, die von den Beteiligten zur Verfügung gestellt wurden.

Massnahmenplan erarbeitet

Davor hatte der von der Stadt beigezogene Veterinärdienst des Kantons nach einer Autopsie der Zwergziege «Grisli» Entwarnung gegeben: Das Tier sei nicht verhungert, sondern in sehr hohem Alter an Wurmbefall gestorben. Die ganze Herde sei in einem guten Zustand. Die Stadt stellt sich deshalb auf den Standpunkt, die Tiere würden «artgerecht gehalten».

Trotzdem haben die Stadt und der kantonale Veterinärdienst einen Massnahmenplan erarbeitet. Laut der Stadt wurde das Futterangebot bereits angepasst. Auch Verbesserungen in der Parasitenüberwachung und Änderungen im Gehege seien grösstenteils umgesetzt worden.

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Entwarnung: Rheinfeldens Stadtgeissen werden nicht vernachlässigt