Gipf-Oberfrick
Aktualisiert am 04.12.11, um 16:52 von Karin Pfister
 

Sie bieten einen Ausweg aus einem Alltag voller Gewalt und Drogen

Susan und Thomas Biaggi mit ihren beiden Kindern. ho
Quelle: az Solothurner Zeitung
Seit einem Jahr arbeiten Susan und Thomas Biaggi aus Gipf-Oberfrick in Honduras in einem Heim für ehemalige Strassenkinder. Dass nicht immer alles so läuft wie geplant, haben Biaggis gleich am Anfang ihres Aufenthaltes erlebt. von Karin Pfister
 

Die Hälfte der Bevölkerung Honduras ist unter 20 Jahre alt. Es gibt Tausende von Strassenkindern, deren Leben vom Überlebenskampf, von Gewalt und Drogen geprägt ist. Im «Casa Rafael» in Honduras, in dem Susan und Thomas Biaggi seit einem Jahr arbeiten, erhalten einige von ihnen die Chance, einen Ausweg aus ihrem harten Alltag zu finden.

Susan und Thomas Biaggi haben den mutigen Schritt, mit zwei kleinen Kindern nach Honduras auszuwandern, nicht bereut. Im Gegenteil: «Nach rund einem halben Jahr haben wir uns hier zu Hause gefühlt, auch wenn vieles anders ist als in der Schweiz», erzählt Thomas Biaggi.

Pünktlichkeit ist Glückssache

Ein Problem sei, dass die Armen des Landes häufig die Uhr nicht lesen könnten und Pünktlichkeit daher Glücksache sei. Das Reden diene zum Träumen und zur Unterhaltung. Susan Biaggi meint dazu: «Es macht uns manchmal Mühe, dass oft kein Verlass auf das Gesagte ist.» Dass nicht immer alles so läuft wie geplant, haben Biaggis gleich am Anfang ihres Aufenthaltes erlebt. Der Heimleiter ist nach einem Monat abgesprungen und das Heim wurde vorübergehend geschlossen. So wurde Thomas Biaggi von einem Tag auf den andern Chef von drei honduranischen Mitarbeitern.

«Die Bewältigung der verschiedenen Rollen Ehemann, Vater, Chef und Schweizer ist eine grosse Herausforderung für mich», sagt Thomas Biaggi. Sein Tag beginnt um 7 Uhr morgens. Auf dem Stundenplan für die Jugendlichen stehen ein christlicher Input, Sport und ein Arbeitsblock mit Mauern erstellen, Gras schneiden für die Pferde, Abfälle leeren und verbrennen, Wischen oder Hobeln.

Nach dem Mittagessen haben die Kinder, die am Morgen in der Schule waren, Zeit für ihre Aufgaben. Um 16 Uhr steht nochmals eine Sportlektion auf dem Programm. Manchmal verteilt Thomas Biaggi danach Wolle. Damit produzieren die Jugendlichen Armbänder, die er in der Schweiz verkaufen will. Er schreibt den Kindern für eine «Pulsera» bis zu Fr. 1.50 auf einem Konto gut. «Mit dem verdienten Geld können sie sich schnell mal ein paar Schuhe, eine Hose oder eine Cola leisten.»

Viele Energie für Mitarbeiter

Einen grossen Teil seiner Energie braucht Thomas Biaggi für seine Mitarbeiter Juan, Danilo und Elmer: «Ich versuche ihnen mein handwerkliches Wissen weiterzugeben, aber ich will ihnen auch ein Vorbild sein, was Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Sauberkeit und Nächstenliebe angeht.» Während Thomas Biaggi im «Casa Rafael» beschäftigt ist, kümmert sich Susan Biaggi hauptsächlich um die beiden Kinder Jael und Levi sowie den eigenen Haushalt: «Ich mache eigentlich dasselbe wie in der Schweiz; nur dass der Zeitaufwand hier für fast alles grösser ist. Ich habe zum Beispiel keinen Staubsauger und da es wegen der undichten Fenster und den Naturstrassen viel mehr Dreck hat, muss täglich gewischt werden.»

Die Jugendlichen haben eine bewegte Vergangenheit hinter sich, trotzdem oder vielleicht gerade deswegen seien sie begeistert dabei, wenn man ihnen etwas beibringe. «Frustrierend für uns sind die ‹malas palabras›, die ‹schlechten Wörter›, mit denen sie sich bewerfen», so Susan Biaggi.

Und: «Ihr Werkzeug, um Probleme zu lösen, ist körperliche Gewalt.» Im «Casa Rafael» sollen die Jugendlichen lernen, dass man sich auch auf andere Art wehren kann. Biaggis wollten ursprünglich nur ein Jahr in Honduras bleiben; jetzt haben sie sich entschieden, ihre Arbeit für und mit den Jugendlichen weiterzuführen.

Thomas und Susan Biaggi berichten über ihre Arbeit: Donnerstag, 15. Dezember, 20 Uhr, Chrischona Frick; Montag, 19. Dezember, 20 Uhr, ref. Kirchgemeindehaus Frick. Blog: http://biinho2010.blogspot.com. http://www.casagirasol.ch, Unterstützung: Förderverein Casa Girasol, 8586 Erlen, PC: 85-462791-4, Vermerk «Familie Biaggi».

(az)
Ausschaffung

Wie die Schweiz mit jedem Iraner etwas mehr Verantwortung abschiebt Aktualisiert um 11:10 von Daniel Fuchs

Einbruch

17-Jährige schlich sich in mehrere Häuser ein Aktualisiert um 12:08

Begehrte Leihgaben

Kirchner Museum mit 100 Werken in Spanien Aktualisiert um 16:16

Leser-Empfehlungen auf Facebook
az-Leser empfehlen: