Er müsse immer überlegen, ob jetzt «Ambros, Ambrosius oder Bobby» richtig sei, so Regierungsrat Urs Hofmann. Letztlich spielte bei der Verabschiedung des langjährigen Bezirksamtmann Ambrosius Kessler dessen Vorname eine untergeordnete Rolle. Vielmehr würdigte der Aargauer Landammann das grosse Schaffen des scheidenden Bezirksamtmann des Bezirks Rheinfelden.
Ambrosius Kessler hat in den zurückliegenden bald 17 Jahren viele Fälle behandelt, sie zum Abschluss bringen können. Nun geht der in Gipf-Oberfrick wohnhafte 63-Jährige in den frühzeitigen Ruhestand. Die Verabschiedung fand gestern Nachmittag in Gipf-Oberfrick anlässlich der Bezirksamtmännerkonferenz statt. Für Ambrosius Kessler geht Ende Februar eine, wie er selbst sagte, wunderbare Zeit zu Ende.
26 Jahre im Fricktal
«Für die Bezirksamtmänner ist das laufende Jahr ein ganz besonderes. Es ist das letzte Jahr, in welchem es diese Berufsgattung noch gibt», erklärte Urs Hofmann. Verbundenheit mit der Bevölkerung sei immer ein wichtiges Kriterium für einen Bezirksamtmann gewesen. Der Landammann liess kurz den Blick in Kesslers erstaunliche Karriere zurückschweifen. «Begonnen hat er als Coiffeur, danach eine kaufmännische Lehre absolviert.» Es folgte dann die Ausbildung bei der Kantonspolizei. Ins Fricktal kam er 1986 als Chef des Postens in Frick. 1990 wurde Ambrosius Kessler stellvertretender Bezirksamtmann und 1995 Bezirksamtmann im Bezirk Rheinfelden.
«Das Amt ist mit einem vielseitigen Strauss an Aufgaben verbunden. Stets ist es auch eine Gratwanderung zwischen notwendiger Härte und gesundem Menschenverstand», so Landammann Hofmann und machte deutlich, dass der scheidende Bezirksamtmann all seinen Aufgaben stets zur vollen Zufriedenheit gewachsen gewesen sei. Kessler selber erinnert sich gerne an sein Aufgaben-«Sammelsurium». So seien Tötungsdelikte immer Aufgabe des Chefs gewesen. Er liess während seiner Amtszeit 600 Verhaftungen vornehmen, erliess 25000 Strafbefehle, führte 2000 Mietrechtsverhandlungen durch. Dies nur ein kleiner Auszug aus Kesslers Schaffen.
Und noch eine Funktion
«Hätte ich vor 20 Jahren zu jemandem gesagt, dass ich einmal stellvertretender Staatsanwalt werde, hätten die sich wohl an den Kopf gefasst», schmunzelt ein zufriedener Ambrosius Kessler. Im Rahmen der Reorganisation der Strafprozessordnung werden die Bezirksämter per Ende 2012 aufgehoben. Das führte dazu, dass Ambrosius Kessler noch zum stellvertretender Leiter Staatsanwalt ernannt worden war. Familie und Hobbys sorgen nun dafür, dass es Kessler auch im Ruhestand bestimmt nicht langweilig wird.