Es rumort in Möhlin: Sukhwant Singh, SP-Grossrat und Schulpfleger, hat beim Kanton eine Beschwerde gegen die Schulpflege eingereicht. Er wehrt sich dagegen, dass ihn die vier Kollegen faktisch entmachtet haben, indem sie ihm kein Ressort mehr zuteilten. Singh spricht von einer «Verschwörung in der Schulpflege», er werde gemobbt und diskreditiert.

«Es ist die alleinige Einschätzung und das subjektive Empfinden von Sukhwant Singh, wenn er sagt, in der Schulpflege sei eine Verschwörung gegen ihn im Gang, man wolle ihn hinausekeln, er werde gemobbt und diskreditiert. Ich war sehr erstaunt, als ich das gelesen habe», hielt Schulpflegepräsident Stephan Müller fest.

«Alle wissen, wann die Sitzungen sind»

«Es trifft nicht zu, dass Schulpflegesitzungen stattfinden, von denen nicht alle Mitglieder des Gremiums Bescheid wissen. Denn wir treffen uns jeden zweiten Montag zur ordentlichen Sitzung mit Traktandenliste, und zwischendurch gibt es spezielle Themenbesprechungen. Es werden alle Mitglieder der Schulpflege zu jeder Sitzung eingeladen; vorgängig wird eine Traktandenliste verschickt und es gibt eine Aktenauflage», erwähnte der Schulpflegepräsident weiter.

Sukhwant Singh war zuletzt für das Ressort Personal zuständig. Es handelt sich nach Angaben von Stephan Müller, je nach Umstand der Personalsituation, um eine zeitlich aufwendige Tätigkeit, weil es um Personalrekrutierungen, Auswahlverfahren, Vorstellungsgespräche, Besprechungen, und so weiter, geht.

«Die Situation ist belastend und derzeit nicht optimal. Dennoch ist festzuhalten, dass wir im Umgang miteinander die Höflichkeit stets wahren. Denn es geht hier um die Sache», betonte der Schulpflegepräsident.

«Politisch nichts nachvollziehbar»

Er habe Sukhwant Singh als integre Persönlichkeit kennen und schätzen gelernt, hielt dessen Rechtsvertreter, Jascha Schneider-Marfels von Lexpartners Basel/Rheinfelden, auf Anfrage fest. «Nach dem Vorgehen der anderen vier Möhliner Schulpflegemitglieder zu urteilen, muss im Gremium etwas Dramatisches vorgefallen sein. Aber da ist nichts, das politisch nachvollziehbar wäre.»

Jascha Schneider führte weiter aus: «Mein Mandant sagt, dass es an der Schule Möhlin verschiedene grössere Baustellen gibt. Die Schulleitung kann sich zu wenig um die pädagogischen Anliegen der Lehrerschaft kümmern, da ihr die nötigen Ressourcen nicht zur Verfügung gestellt werden. Die Zentralverwaltung ist hingegen zu mächtig, was der ihr nahestehende Gemeinderat nicht zu ändern gedenkt. Eine Dezentralisierung der Verwaltung würde das Klima an den Schulen erheblich verbessern.»

«Schule Möhlin braucht einen Kulturwandel»

Schneider gab weiter zur Auskunft: «Sukhwant Singh steht für ein anderes Denken und einen anderen Umgang mit der Schule in Möhlin. Und genau das ist der Punkt - es braucht einen Kulturwandel.» Der Anwalt erwähnte: «Man wollte meinen Mandanten bereits am 1. Dezember kaltstellen. Aber erst am 5. Januar wurde die Kritik an seiner Amtsführung konkret – er habe ein zu hohes Budget eingereicht und sich in zwei Personalangelegenheiten nicht nach den Vorstellungen der übrigen Schulpflegemitglieder engagiert.»

Nach den Worten von Jascha Schneider kann man bei Personalentscheiden immer unterschiedlicher Meinung sein, «aber das reicht juristisch nicht für eine solche disziplinarische Massnahme». Man dürfte seinem Mandanten andere Aufgaben zuteilen, aber einem vom Volk gewählten Mandatsträger ein Ressort nicht komplett entziehen. Sukhwant Singh wolle nicht die Rolle eines Beisitzers übernehmen, sondern die Arbeit in der Schulpflege mitgestalten.

«Stossend ist, dass die Öffentlichkeit nicht umgehend informiert wurde und die vier Schulpflegemitglieder über die Gründe für ihr Vorgehen geschwiegen haben; das geht nicht. Was soll denn verschleiert werden?» Schneider stellt fest: «Sukhwant Singh wurde desavouiert, er steht unter Generalverdacht. Es stösst sauer auf, dass ihm nicht der Respekt und Anstand entgegengebracht wird, der ihm gebührt.»

Die für die Schule zuständige Möhliner Gemeinderätin Bernadette Kern betonte, dass ein gutes Einvernehmen mit der Schulpflege herrsche: «Es ist wichtig, dass die Kräfte auf die Arbeit für die Schule konzentriert werden können.»

«Eine leidige Geschichte»

Gemeindeammann Fredy Böni meinte, die Antwort der Beschwerdeinstanz in Aarau müsse nun abgewartet werden. «Es ist eine leidige Geschichte und schon ein länger dauernder Prozess. Der Gemeinderat war in der Analyse der Situation involviert und hat die Schulpflege in ihren Entscheidungen gestärkt.»