Ende Oktober schloss das Gasthaus «Krone» in Sulz seine Pforten, die Pächterin Pia Hitz warf aus gesundheitlichen Gründen das Handtuch. Freilich war es ein offenes Geheimnis, dass der Geschäftsgang der «Krone» alles andere als erfreulich war.

Das traditionsreiche Gasthaus «Krone» wurde bis zum Verkauf im Jahre 1982 über Generationen hinweg von der Wirtefamilie Rüede geführt. Die Wirte waren früher im Dorf hoch geachtete Persönlichkeiten, die sowohl im Vereinsleben wie auch in der Dorfpolitik aktiv mitarbeiteten, namentlich sei hier an Gustav Rüede und dessen Vater Karl Rüede erinnert.

Bis zum Bau der Turnhalle im Jahre 1970 war die «Krone» aber auch immer wieder Gastgeber bedeutender Vereinsanlässe und von Versammlungen. Legendär bei der älteren Generation sind die Fasnachtsbälle und Tanzanlässe in der «Krone».

Konkurs war trauriger Höhepunkt

Im April 1982 übernahmen Margrit und Max Neeser, letzterer war vorher Bahnhofvorstand in Rheinsulz, das Restaurant. Nochmals blühte die «Krone» so richtig auf und war eine gern besuchte Dorfwirtschaft. Auf Ende 1990 wurde die «Krone» an eine Investorengruppe verkauft, und von da an ging es mit einigen wenigen Ausnahmen nur noch bergab. Einer der Tiefpunkte war der Konkurs.

Anita und Pino Bascio kauften die Liegenschaft aus der Konkursmasse, es keimte wieder etwas Hoffnung auf für das Restaurant. Zahlreiche Pächterwechsel liessen jedoch nichts Gutes erahnen und das Aus für die «Krone» zeichnete sich immer mehr ab. Als dann der Saal im ersten Stock in ein Katzenparadies umgewandelt wurde, führte dies zu einer erneuten Ertragsschmälerung.

Küche wurde rausgerissen

Die heutigen Besitzer der Liegenschaft sehen keine Möglichkeit mehr, das Restaurant weiter zu betreiben. Bereits wurde die Küche herausgerissen. Das Gastlokal soll zu einer Wohnung umgebaut werden. Wie Anita Bascio gegenüber der az ausführte, könne heute ein Wirt auf der «Krone» nicht mehr rentabel arbeiten.

Es mache deshalb keinen Sinn mehr, das Lokal an jemanden zu verpachten, der dann schon nach wenigen Monaten den Bettel wieder hinschmeisst. Als Gründe für die unerfreulichen Aussichten nannte sie den fehlenden «Stammtisch», das Rauchverbot, aber auch die strengen Alkoholvorschriften.

Wie weiter mit dem «Stalden»?

Höchst ungewiss ist neuerdings auch die Zukunft des Restaurants «Stalden». Auf Ende April nächsten Jahres verlässt das Pächterehepaar Brigitte und Kurt Zbinden den «Stalden» und übernimmt das Restaurant «Warteck» in Leibstadt. Das Sulzer Restaurant wird bereits per Ende März geschlossen. Wie es ab Mai 2012 weitergeht, weiss im Moment niemand. Sicher ist lediglich, dass die Erbengemeinschaft Stocker, Besitzerin der Liegenschaft, diese verkaufen möchte. Nach Auskunft von Doris Weiss-Stocker will man definitiv auf eine Verpachtung verzichten. Eine solche sei mit vielen Umtrieben und oftmals auch Unannehmlichkeiten verbunden.

In den vergangenen Jahren habe man mit Blick auf einen möglichen Verkauf lediglich noch werterhaltend investiert. Wegen der ungewissen Zukunft habe man auf grössere Investitionen verzichtet. Man sei gegenwärtig mit einem ernsthaften Kaufinteressenten in Verhandlung und hoffe, dass der Handel bis Ende Jahr abgeschlossen werden könne, meinte Doris Weiss-Stocker. Wer der potenzielle Käufer ist, könne man aus verständlichen Gründen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Ob das Restaurant nach dem Verkauf weitergeführt werde oder ob die Liegenschaft anderweitig genutzt werde, müsse die Zukunft weisen.

Die Rechnung ging nie auf

Nach den Gründen für die Aufgabe der Wirtetätigkeit in Sulz befragt, meinte Brigitte Zbinden, die singende Wirtin vom Restaurant «Stalden», wie sie sich selber zu nennen pflegt, dass der Betrieb schlicht nicht rentiere. Sie habe es satt, jeden Monat für den Betrieb draufzulegen. Aus gesundheitlichen Gründen sei sie zudem auf die Anstellung von Personal angewiesen, sie könne die anfallende Arbeit nicht alleine bewältigen. Nachdem jetzt die «Krone» wieder geschlossen ist, sei wohl eine Umsatzsteigerung festzustellen, dies genüge aber nicht. Sie fühle sich zudem auch von der Sulzer Bevölkerung im Stich gelassen, meinte Zbinden. Auch auf die Vereine, in früheren Jahren eine sichere Einnahmequelle, sei heute kaum mehr Verlass, da diese nur noch sehr unregelmässig die Wirtschaft aufsuchen.

Weiter führte Brigitte Zbinden aus, dass sie immer wieder versucht habe, mit attraktiven Events wie Jägerball, Silvester- und 1.-August-Feiern und gar einer Schlager-Night ihrer Kundschaft etwas Besonderes zu bieten. Der Besuch dieser Anlässe sei jedoch zumeist sehr mager gewesen, sodass letztlich unter dem Strich immer ein Defizit verzeichnet werden musste. Ein letztes Mal versuche sie am kommenden 31. Dezember mit einer Silvesterfeier, an der ein exklusives Menu (Fondue Chinoise) und musikalische Unterhaltung mit dem Trio Perlana die Gäste erwarte, der Bevölkerung etwas Spezielles zu bieten. Allein die Werbung dafür kostete sie rund 1000 Franken. Bei einem Menupreis von 58 Franken könne man sich ja ausrechnen, was es brauche, damit nur schon die Unkosten gedeckt sind und letztlich unter dem Strich schwarze Zahlen geschrieben werden können.

Hoffen auf die Zukunft

Auch wenn die Vereinsmitglieder nach den Trainingsstunden nicht mehr einen regelmässigen Wirtschaftsbesuch pflegen, seien die Restaurants wichtig für das Vereinsleben, meint auf Anfrage Alex Obrist, Präsident des hiesigen Turnvereins. Die «Krone» war Stamm- und Gründungslokal des TV. Allerdings habe diese Bedeutung immer mehr verloren. Sollte nun auch noch das Restaurant «Stalden» seine Tore schliessen, so müsste man nach Alternativen suchen. Bisher habe man sich dazu keine grossen Gedanken gemacht.

An den Sitzungen der Vereinigten Vereine sei die Situation der Sulzer Restaurants ein ständiges Thema, führte Toni Obrist, Präsident der Vereinigten Vereine, aus. Allerdings habe man den Ernst der Lage bisher ganz offensichtlich unterschätzt, indem man im Glauben war, dass sich immer wieder ein Türchen öffnen werde. Dies hoffe man jetzt auch für die Zukunft des «Stalden». Er habe zudem immer wieder dazu angehalten, dass die Vereinsmitglieder die Sulzer Restaurants berücksichtigen.

Aber auch der Stadtrat Laufenburg zeige sich mit den einheimischen Restaurants wenig solidarisch, habe er doch für die zwei letzten Geschäftsessen mit dem Personal Betriebe ausserhalb der Gemarkungen von Laufenburg berücksichtigt. «Man wird die Restaurants erst vermissen, wenn man sie nicht mehr hat!», so Obrist.

Für Sulz ein grosser Verlust

Herbert Weiss, Vizeammann, würde es persönlich sehr bedauern, wenn jetzt auch noch der «Stalden» schliessen würde. Insbesondere sei im «Stalden» ein guter und vielseitig nutzbarer Saal vorhanden und die Voraussetzungen für den Aufbau einer guten Infrastruktur wären bestens. Im Stadtrat sei die Situation der Restaurants bisher kein Thema gewesen. Es könne aber auch nicht Sache der öffentlichen Hand sein, Not leidende Restaurants zu unterstützen oder gar selber solche Betriebe zu führen. Weiss gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass der «Stalden» weitergeführt werde; eine Schliessung wäre für Sulz ein grosser Verlust.

Wohl gibt es im Sulztal noch zwei weitere Restaurants. Da ist das zwischen Rheinsulz und Leidikon gelegene Erlebnisrestaurant «Fischergut». Das Restaurant «Salmen» in Rheinsulz, die ehemals weit herum bekannte und beliebte Chauffeurenbeiz, ist heute Teil des Nightclubs «Tiffany». Beide, «Fischergut» und «Salmen», liegen abseits des Dorfzentrums. In Sulz hofft und zählt man deshalb auf den oder die neuen Besitzer, dass diese aus dem Restaurant «Stalden» wieder eine beliebte und gern besuchte Dorfbeiz machen.