Kaisten
Aktualisiert am 11.02.12, um 17:27
 

Kaister lebt seit 10 Jahren in Finnland

Quelle: ZVG
Der Kaister Daniel Amsler uns seine Frau Noora geniessen ihr Eheglück in Helsinki Quelle: Zur Verfuegung gestellt
«Manchmal glaube ich selbst fast nicht, dass bereits zehn Jahre vergangen sind.» Und doch: vor genau zehn Jahren ist der Kaister Daniel Amsler ausgewandert. Die Liebe hat ihn aus dem heimischen Fricktal ins rund 2500 Kilometer entfernte Tampere nach Finnland, geführt.
 

In eine Gegend, die selbst für finnische Verhältnisse eher als Provinz bezeichnet werden muss. In ein Land, das nicht unbedingt als Einwanderungsland bekannt ist. «Der Ausländeranteil betrug damals nur gerade zwei Prozent», erinnert sich der Kaister Auswanderer.

Mentalitätsunterschiede

Eigentlich seien die Unterschiede zwischen Finnland und der Schweiz in Bezug auf die Wertvorstellungen doch eher klein, führte Daniel Amsler aus. «Schliesslich sind beides europäische Länder.» Doch auch wenn keinen grosse kulturelle Anpassungsphase nötig war - kleinere Unterschiede fallen dem Auswanderer dann doch noch ein.

Ein grosser Unterschied liegt in der Geografie begründet. Während in der kleinräumigen Schweiz beinahe alles «um die Ecke» zu finden ist, sind die Distanzen in Finnland einiges grösser. Das Land erstreckt sich vom nördlichsten bis zum südlichsten Punkt über fast 1200 Kilometer. «Schon bei meinem ersten Besuch in Finnland wurde mir bewusst, dass auch in Bezug auf Distanzen alles relativ ist», schmunzelt der Kaister und erzählt folgende Anekdote: «Meine Frau schlug eines Morgens vor, dass wir ihre Verwandten besuchen könnten. Auf meine Frage, wie weit weg sie wohnen würden, erwiderte Noora: ‹nicht allzu weit weg›. Als Schweizer stellte ich mich da auf maximal eine Stunde Fahrt mit dem Auto ein. Nach einer guten Stunde traute ich mich dann nachzufragen, wie lange es noch dauere. Sie erwiderte: ‹noch etwa zwei Stunden›.» Besonders auffällig sei dabei auch, dass sich die Landschaft bei den langen Fahrten nicht merklich verändere.

Sind die räumlichen Distanzen auch gross, so ist der Umgangston in Finnland dagegen weit weniger distanziert. «Ziemlich schnell habe ich in Finnland gelernt, das Siezen zu vergessen - auch im Arbeitsleben», so der Auswanderer. «Wenn man sich zum ersten Mal trifft, stellt man sich zwar mit Vor- und Nachname vor, danach benutzt man aber nur noch die Vornamen und duzt einander. Das macht vieles unkomplizierter.» Und nein, das automatische Duzen gehe auch am Arbeitsplatz nicht mit einem Autoritätsverlust einher, räumt er die Schweizer Zweifel beiseite. «Im Gegenteil, es hat einen positiven Einfluss auf das Arbeitsklima, der Umgang zwischen Vorgesetzten und Angestellten ist entspannter.» (mf)

Kennen und lieben gelernt hatten sich Daniel Amsler und Noora in der Schweiz. «Noora hat zwei Semester an ‹meiner› Fachhochschule als Austauschstudentin verbracht. Ursprünglich geplant war nur ein Semester gewesen. Nach ihrem Studienabschluss in Finnland hat sie dort eine Stelle gefunden. Ich hatte noch ein Jahr Studium in der Schweiz vor mir.» Nach seinem Studienabschluss hat Daniel Amsler noch kurz in der Schweiz gearbeitet - um etwas Geld anzusparen, wie er sagt. Doch dann hat er seine Koffer gepackt und ist nach Norden zu Noora gezogen.

Schwierige Anfangsphase

«Zunächst dachten wir an eine Phase von zwei Jahren», blickt Daniel Amsler auf seine Auswanderung zurück. Doch nach einer schwierigen Anfangszeit - es dauerte fast ein Jahr, bis er eine Anstellung fand - ging es bergauf. Zwar waren Gedanken an eine Rückkehr in die Schweiz schon ab und zu da, gibt er zu. «Aber dann gab es beruflich immer wieder neue Perspektiven. Irgendwann kauft man sich eine Eigentumswohnung - und schon ist man sesshaft.»

Die neuen Perspektiven führten dann auch dazu, dass es Anfang 2009 doch zu einem Umzug kam. Allerdings einem innerfinnischen. «Meine Frau und ich fanden beide eine neue Stelle in Helsinki.» So wurde die Eigentumswohnung also doch wieder verkauft. «Jetzt wohnen wir in einer schönen Wohnung mit Meerblick im Zentrum von Helsinki», so der Auswanderer.

Gut integriert

«Das Meer und die unendlichen Wälder würde ich in der Schweiz sicher vermissen», weiss Daniel Amsler, der sich nach den zehn Jahren in Finnland sehr gut integriert fühlt. Den finnischen Pass aber, hat er noch nicht beantragt, obwohl dies längst möglich wäre. «Das ist nicht prioritär», erklärt er, «ich fühle mich immer noch als Schweizer und bin dank der bilateralen Verträgen den finnischen Bürgern beinahe gleichgestellt.»

Und was vermisst der Kaister in Finnland am meisten? «Landschaftlich sicher die Berge, oder ganz allgemein hügelige und abwechslungsreiche Landschaften.» Und: «Ganz klar, es wäre schön, Familie und Freunde in der Schweiz häufiger zu sehen. Unsere Aufenthalte in der Schweiz sind oft vollgepackt mit Verabredungen mit Freunden und Familie, und trotzdem sieht man manche nur alle paar Jahre.» Zwei bis viermal pro Jahr sieht Daniel Amsler seine Familie - entweder in Finnland oder im Fricktal. «Drei Stunden Flug von Helsinki nach Zürich sind ja nicht alle Welt», lacht er. Und in der Zeit dazwischen sei die Distanz in die Schweiz dank E-Mail, Skype und Onlinezeitungen auch gut überbrückbar.

Und so ist derzeit von einer definitiven Rückkehr in die Schweiz keine Rede mehr. Im Gegenteil. «Uns gefällt es hier und beruflich läuft alles gut. Zudem erwarten wir Nachwuchs, und Finnland unterstützt Familien mit Kindern sehr gut und bietet grosszügig Hand um Familien- und Berufsleben miteinander vereinen zu können.»

(az Aargauer Zeitung)