Ein Knall schreckte Martin Steinacher am Sonntagmorgen aus dem Schlaf. Es war kurz nach halb fünf Uhr. «Ich hörte weitere seltsame Geräusche und gleich darauf die Feuerwehr.» Der CVP-Grossrat und frühere Gemeindeammann von Gansingen stand auf, ging zum Fenster und sah, wie rund 300 Meter von seinem Haus entfernt das Haus von A. in Vollbrand stand. «Ich war schockiert und dachte noch: Hoffentlich ist da niemand drin.»

Wenig später hatten die Rettungskräfte die traurige Gewissheit: In den Flammen sind zwei Menschen ums Leben gekommen. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich bei den beiden Opfern um A., der die Liegenschaft bewohnte, und um seine Freundin handelt; allerdings konnte die Kantonspolizei die beiden Toten am Sonntag nicht identifizieren.

Zwei Personen sterben in Brand im aargauischen Gansingen

Zwei Personen sind bei einem schweren Brand in einem Einfamilienhaus im aargauischen Gansingen ums Leben gekommen.

Gekannt hat Steinacher A., wie viele Gansinger, nur flüchtig. «Er lebte eher zurückgezogen und war nur selten im Dorf anzutreffen», sagt er. Besser kannte er die Ex-Frau von A.; mit ihr sass er vor Jahren in der gleichen Kommission. Zusammen haben die beiden zwei inzwischen erwachsene Kinder. «A. und seine Ex-Frau liebten beide Hunde», erzählt Steinacher. Zwischenzeitlich betrieben sie in Gansingen eine kleine Hundezucht – und erlebten dabei Grauenvolles: Mindestens sechs ihrer Hunde wurden vor gut zehn Jahren innerhalb von wenigen Monaten mit Zyanid vergiftet.

«Ich war schockiert und dachte noch: Hoffentlich ist da niemand drin.» Martin Steinacher, CVP-Grossrat

«Ich war schockiert und dachte noch: Hoffentlich ist da niemand drin.» Martin Steinacher, CVP-Grossrat

Eine Leidenschaft von A. war das Tätowieren; er führte im Haus ein Tattoo-Studio. Mitgewirkt hat er zudem im Samariterverein. Eine Samariterin, die namentlich nicht erwähnt sein will, erlebte ihn als ruhigen Zeitgenossen, der nie prahlte. «Er nahm zwar nicht an jeder Samariterübung teil, aber wenn er da war, erlebte ich ihn als offen und sympathisch.»
Auch Gemeindeammann Mario Hüsler kannte A. nur flüchtig. «Man sah ihn selten im Dorf oder der Beiz.» Ab und an hätten sich ihre Wege im Laden gekreuzt, so Hüsler. «Dann haben wir uns natürlich gegrüsst. Zu einem längeren Gespräch kam es aber nie.»

Ursache ist unklar

Hüsler, der etwas ausserhalb des Dorfkerns wohnt, bekam die Explosion nicht mit. Da er das Handy über Nacht in die Ladestation im Wohnzimmer gestellt hatte, hörte er den ersten Anruf von der Feuerwehr nicht. Als Hüsler dann um sieben Uhr auf dem Brandplatz eintraf, war der Brand bereits gelöscht. «Die Bilder, die sich mir boten, waren schockierend», sagt Hüsler. Er redete auch mit Nachbarn. «Niemand konnte begreifen, dass so etwas passieren konnte. Was zur Explosion geführt hat, kann ich mir nicht erklären. Das ist nun Sache der Ermittlungen.» Es sei «einfach nur tragisch», was hier passiert sei, so Hüsler.

«Niemand konnte begreifen, dass so etwas passieren konnte.» Mario Hüsler, Gemeindeammann Gansingen

«Niemand konnte begreifen, dass so etwas passieren konnte.» Mario Hüsler, Gemeindeammann Gansingen

Froh ist er, dass die Feuerwehr, die mit einem Grossaufgebot ausgerückt war, den Brand schnell unter Kontrolle bringen konnte und die Flammen nicht auf die Nachbarhäuser übergriffen. Schäden weisen zwar auch diese Häuser auf; Fenster sind geborsten, Ziegel liegen am Boden, Dachrinnen hat die Detonationswelle weggefegt. «Zum Glück blieb es hier beim Sachschaden und der Brand hat nicht noch mehr Opfer gefordert», so Hüsler.

Dies sei auch der Arbeit der Einsatzkräfte zu verdanken. «Sie mussten unter erschwerten Bedingungen arbeiten, da das Haus nicht leicht zugänglich war», sagt Hüsler. «Es ist bei aller Tragik auch beruhigend zu wissen, dass unsere Feuerwehr wirklich top funktioniert.»
Das Nicht-Wissen, wie es zu der Katastrophe kommen konnte, belastet ihn ebenso wie die Nachbarn. «Ich hoffe, die Ursache kann schnell geklärt werden», sagt Hüsler. Dies ist seiner Ansicht nach auch wichtig, damit die Familienangehörigen, aber auch die Nachbarn die Tragödie überhaupt verarbeiten können.

Am Sonntag führte die Jungwacht/Blauring Gansingen ihr alljährliches Spaghetti-Essen in der Turnhalle durch. Man sieht von hier aus an den Brandplatz auf der anderen Hangseite. «Die Stimmung war äusserst gedrückt», erzählt eine Teilnehmerin. Der Brand und seine verheerenden Folgen waren auch in der Turnhalle omnipräsent. Niemand kann verstehen, was da am Sonntagmorgen mitten im Dorf passiert ist. Ein Knall. Und die Welt ist eine andere.