Am 19. Juni eröffneten die Obwaldner Behörden das Konkursverfahren gegen die ASE Investment AG. Zuvor hatte der von der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) beauftragte Liquidator Transliq eine Insolvenzerklärung eingereicht. Noch lange nicht beendet ist damit aber die leidvolle Geschichte um den vermutlich grössten Anlagebetrugsfall der jüngeren Schweizer Geschichte.

Allzu viel Hoffnungen machen sich die geschädigten Personen heute allerdings nicht. «Das Geld ist doch längsten weg, irgendwo in Thailand», vermutet ein geschädigter ASE-Kunde. «Die Behörden werden jetzt wohl nur noch feststellen, dass gar kein Geld mehr vorhanden ist», so die Person, die gemäss eigenen Angaben 200000 Franken verloren hat.

Sein Groll richtet sich dabei auch gegen die Basler Kantonalbank (BKB). Denn die ASE hatte bei der Zürcher Private-Banking-Filiale der BKB für die Kunden Konten eröffnet. Die Kunden zahlten ihre Gelder dort ein und die ASE schnappte sich dann das Geld, indem sie die Kundengelder auf ASE-Konten transferieren liess. Betroffene ASE-Kunden sagen, das sei mittels von ASE-Mitarbeitern manipulierter Vergütungsaufträge, aber auch mittels gutgläubig gegebener Vollmachten erfolgt. Gerade die manipulierten Vergütungsaufträge aber hätten der BKB bei der Kontrolle auffallen müssen. «Die BKB ist möglicherweise ihrer Sorgfaltspflicht nur ungenügend nachgekommen», behauptet eine betroffene Person.

Das Angebot sei ein «Affront»

Wie auch schon der «Sonntag» Anfang Oktober berichtete, hat die BKB eine renommierte Zürcher Anwaltskanzlei beauftragt, die ASE-Opfer zu kontaktieren. Die Anwälte sollen abklären, ob die Bereitschaft für eine aussergerichtliche Einigung vorhanden sei. Denn bei der Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau liegt immer noch eine Strafanzeige gegen die Basler Bank vor, die in diesem Frühjahr eingereicht wurde. Wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft gestern auf Anfrage sagte, sei der Fall noch nicht eröffnet worden. Kann sich aber die BKB mit den Geschädigten auf einen Kompromiss einigen, so würde die Anzeige hinfällig und die Staatsanwaltschaft würde den Fall nicht eröffnen.

Der Betrag, mit welchem sich die BKB einen solchen Kompromiss erkaufen will, fällt dem Vernehmen nach aber nicht gerade üppig aus. «Die Anwälte haben 20 Prozent der Summe geboten. 20 Prozent von dem Betrag, der die ASE von meinem BKB-Konto unrechtmässig abgebucht hat», hat ein Kunde gesagt, der das Angebot als «Affront» bezeichnet.

«Es gibt nichts zu verhandeln», sagt ein anderer ASE-Kunde gegenüber der «Nordwestschweiz». Es sei für ihn mysteriös, dass Rechtsanwälte die Angelegenheit per Telefon zu lösen versuchen. Er betont, dass er bei der ASE nur eingestiegen sei, weil er mit der BKB eine Bank mit Staatsgarantie hinter der Fricktaler Finanzgesellschaft wähnte. «Das hat mich überzeugt», so der ASE-Kunde.

2008 feierte die ASE Investment AG ihr zehnjähriges Bestehen. An der Jubiläumsveranstaltung im Kino Monti in Frick trat ein BKB-Mitarbeiter als Redner auf. «Er richtete im Namen der Bank ein Grusswort an die anwesenden Personen, gratulierte ASE und sagte sinngemäss, dass ASE ein guter Geschäftspartner sei», erinnert sich heute eine damals anwesende Person, die nun einen Schaden von «weniger als einer Million Franken» zu beklagen hat.

Bankrat befasste sich mit Bericht

Die Basler Bank nahm diese schon im Frühjahr kursierenden Vorwürfe ernst und hat die renommierte Wirtschaftskanzlei Bär&Karrer mit einer Untersuchung beauftragt. Der Bericht wurde gemäss Recherchen der «Nordwestschweiz» dieser Tage in Basel abgeliefert. Und am Dienstag hat sich auch der Bankrat der BKB mit dem Papier befasst. Dem Vernehmen nach will die Bank am 26. Oktober die Presse informieren. Gestern hiess es auf Anfrage nur: «Zu Spekulationen und Gerüchten nimmt die Basler Kantonalbank keine Stellung.»

Richtig sei aber, dass die BKB als eine von mehreren kontoführenden Banken der ASE Investment AG die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft und der Finma im März 2012 ins Rollen brachte. Ein Sprecher der Bank hebt hervor, dass die Kunden die ASE Investment ohne Empfehlung der BKB als externe Vermögensverwalterin ausgewählt haben. Es träfe auch zu, dass die BKB mit Kunden der ASE Investment AG, die ihr Konto bei der Basler Kantonalbank hatten, in Kontakt stehe. Die Gespräche würden aber vertraulich geführt.

Finma prüft Sorgfaltspflichten

Ob diese Argumentation auch die Finma überzeugen wird, ist offen. Die Berner Finanzmarktaufsicht hat mit der Konkurseröffnung gegen ASE zwar den ASE-Fall abgeschlossen, wie gestern ein Sprecher auf Anfrage sagte. In Bezug der mit ASE in Beziehung stehenden Banken aber seien noch weitere Abklärungen am Laufen. Die Finma prüfte insbesondere, ob die Sorgfalts- und Treupflichten gegenüber den Kunden sowie generell des Umgangs mit Rechts- und Reputationsrisiken eingehalten worden sind. Dem Vernehmen nach sind neben der BKB auch die Zürcher und Luzerner Kantonalbank, Swissquote und die Saxo Bank in den ASE-Fall involviert.