Verwaltungsratspräsident Rolf Wägli erklärt im «Unter-Emmentaler» auf Nachfrage: «Es gibt eine Verzögerung, weil wir die Gesamtfinanzierung noch nicht unter Dach und Fach haben.»
Hauptgrund dafür sei der schwache Markt und die Reaktion der Banken auf diesen schwachen Markt: «Einige Solarfirmen insbesondere in Deutschland sind stark unter Druck geraten durch chinesische Billigprodukte.» Die deutschen Firmen seien über Jahre stark verwöhnt worden, auch dank Fördermassnahmen des Staates, so Wägli. Jetzt finden sie die passende Antwort auf die Billigprodukte aus China nicht.
Im Gebäude, das die Solar Industries AG am östlichen Ende der Gaswerkstrasse plant, sollen auf 17000 Quadratmetern ebenfalls Solarmodule gebaut werden. «Wir glauben nach wie vor, dass wir auf dem richtigen Weg sind und dass es einen Markt für qualitativ und ästhetisch hochstehende Solarprodukte zu vernünftigen Preisen gibt.»
Finanzierung durch die Banken sind noch nicht sicher
Fremdkapital sollen laut früheren Aussagen von Wägli auch Banken beisteuern. «Wir sind mit den Banken im Gespräch, um beispielsweise die Finanzierung des Leasings der Anlagen gewährleisten zu können», erklärte er im vergangenen Mai im az Langenthaler Tagblatt. Nun sind es aber gerade die Banken, die klemmen. Laut Wägli fehlen neun Millionen Franken der gesamten Investition von 25 Millionen Franken.
Anzunehmen wäre eigentlich, dass die Finanzierung durch die Banken schon vor dem Spatenstich im vergangenen Jahr unter Dach und Fach hätte sein sollen. «Es sah damals einfach noch anders aus», begründet Wägli im «Unter-Emmentaler». «Man kann mir nicht vorwerfen, dass diese Verträge noch nicht unterschrieben sind. Wir durften zu diesem Zeitpunkt mit gutem Gewissen davon ausgehen, dass das alles völlig reibungslos ablaufen würde – und dass die Unterzeichnung der Verträge und damit das Beibringen des Kapitals reine Formsache ist.»
Sollte das Geld von den Banken nicht fliessen, müsste die Solar Industries AG die Finanzierungsstrategie ändern. «Wir haben einen Plan B und würden eine Finanzierung auf privater Basis anstreben.» Er sei mit Investoren im Gespräch, erklärt Wägli auf Nachfrage.
Kampf an zwei Fronten
Eigenkapital sollte vorhanden sein, beträgt doch das Aktienkapital der Solar Industries AG aktuell beinahe 31 Millionen Franken. Aber auch hier isst Wägli, bisher Verwaltungsratspräsident der Finanzierungsgesellschaft New Value AG, eine der Hauptaktionärinnen von Solar Industries AG, hartes Brot. So vermeldete die New Value AG eine Gewinnwarnung. Wegen einer Fehlanlage muss die AG einen grossen Abschreiber machen und Wertberichtigungen von acht Millionen Franken hinnehmen. Dies, weil die Rückzahlung von Anlagen unsicher geworden ist, wie New Value AG mitteilte.
Getätigte Festgelder im Wert von 13 Millionen Franken seien bislang nur im Umfang von 3 Millionen Franken zurückgeführt worden – weitere Rückführungen erscheinen unsicher. Als Folge der Gewinnwarnung trat Firmenpräsident Rolf Wägli per sofort zurück. Die New Value AG ist mit 11,76 Millionen Franken an der Solar Industries AG beteiligt. Auch wenn der Abschreiber bei New Value mit den Problemen zwischen der Solar Industries AG und den Banken wenig zu tun hat, wie Wägli betont, ist er doch an zwei Fronten beschäftigt.
Verständnis und Bedauern
Langenthals Stadtpräsident will nicht von Baustopp sprechen: «Ein solcher wird behördlich verfügt, wenn etwas nicht gut läuft. Das ist hier nicht der Fall», so Thomas Rufener. Er habe Verständnis für die Massnahme, nehme diese aber mit Bedauern zu Kenntnis. «Die Realität hat die Solarindustrie eingeholt.»
Vor einem Jahr sei man euphorisch gewesen, heute müsse man sagen, es geht doch nicht so schnell wie erhofft mit dem Umbau der Energiegewinnung. Rufener: «Ich würde es schade finden, wenn etwas aufgebaut wird, was nachher nicht am Markt bestehen könnte. In diesem Sinne bin ich froh, ist man nicht übereifrig. Andererseits sind wir in einer energiepolitischen Diskussion und wir wollten Zeichen setzen für die alternative Energieproduktion.»
Enges zeitliches Korsett
Der Stadtpräsident weist aber auch darauf hin, dass Solar Industries AG die erste der drei abgemachten Raten für den Landkauf fristgerecht bezahlt habe. Die zweite Rate wird im Sommer 2013 fällig, die dritte im Sommer 2016. Vertraglich besteht ein enges Korsett für die Solar Industries AG. Nach Baubeginn gibt es drei Möglichkeiten, wie die Stadt das existierende Darlehen kündigen kann.
Eine Kündigung käme zur Anwendung, wenn die Bautätigkeit der neuen Firma während dreier Monate eingestellt würde, der Bau nach Bauende nicht innert drei Monaten bezogen würde oder die aufgenommene Produktion während drei aufeinanderfolgender Monate eingestellt würde. «Wir werden diese Abmachungen unter Kontrolle halten und, wenn nötig, die entsprechenden Schritte einleiten», sagt Rufener.